Stimme+
Batterie-Werk
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Valmet baut in Kirchardt Batterien für die großen Autobauer

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Das Geschäft mit Batterien für E-Fahrzeuge boomt. Der finnische Autozulieferer Valmet hat am Freitag sein neues Werk in Kirchardt eröffnet. Beim Rundgang gab's spannende Einblicke in die Produktion. Ein Betriebsgeheimnis wurde aber nicht gelüftet.

Eröffnung des Werks mit Valmet-Automotive-Chef Olaf Bongwald (im Bild), Landesverkehrsminister Winfried Hermann und vielen Kunden und Gästen.
Eröffnung des Werks mit Valmet-Automotive-Chef Olaf Bongwald (im Bild), Landesverkehrsminister Winfried Hermann und vielen Kunden und Gästen.  Foto: Gleichauf, Christian

Aus Kirchardt können künftig Autohersteller wie Porsche, Mercedes, Audi und BMW mit Batterien versorgt werden. Der finnische Zulieferer Valmet, der bereits einen Standort in Bad Friedrichshall hat, eröffnete am Freitag sein erstes Batteriewerk in Deutschland. Es ist ein schnell wachsendes Geschäft. 2019 hatte das Unternehmen noch einen Umsatz von etwa zehn Millionen mit Batterien gemacht. In diesem Jahr wird die Milliarde überschritten.

Valmet will bis Jahresende 160 neue Arbeitsplätze schaffen

Damit profitieren die Finnen davon, dass sie schon vor 13, 14 Jahren in die Entwicklung von Batterien eingestiegen sind. "Das war klug", lobt Landesverkehrsminister Winfried Hermann bei der Feier die Weitsicht von damals. In den Hallen an der B39 stand bis 2018 noch die drittgrößte Tiefdruckmaschine der Welt. Jetzt werden sie für eine der Zukunftstechnologien genutzt.

Valmet hat dafür einen höheren zweistelligen Millionenbetrag in Kirchardt investiert und schafft bis Jahresende 160 Arbeitsplätze, von denen bislang 80 besetzt sind.

 


Mehr zum Thema

„Wir müssen die Werkbelegung endlich rund machen. Der potenzielle elektrische Nachfolger des Audi A8 muss zu uns nach Neckarsulm“, sagte Gesamtbetriebsrat Rainer Feigenspan.
Stimme+
Neckarsulm
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

E-Autos am Audi-Standort Neckarsulm: Geduldsprobe für die Mitarbeiter


Verkehrsminister Hermann kommt zur Valmet-Werkseröffnung

Beim Rundgang machen sich viele der rund 100 Gäste ein Bild von der Produktion. Sie wollen wohl sicherstellen, dass der "Qualm" in der "Event-Halle" - wie teils schon vermutet - nicht doch von den Batterien stammt. Doch nein, da war am frühen Vormittag nur eine Nebelmaschine am Werk. In der Produktion ist die Luft klar, und das muss sie auch sein. Arbeitsagentur-Chef Manfred Grab ist dabei, Verkehrsminister Hermann und Kirchardts Bürgermeister Gerd Kreiter.

Auch Richard Ongherth, Chef des bisher größten Kirchardter Unternehmens Kaco, ebenfalls Automobilzulieferer, schaut sich interessiert um. An guter Nachbarschaft ist er auf jeden Fall interessiert, "und vielleicht kommen wir auch noch ins Geschäft", meint er.

Hochautomatisiert oder viel Handarbeit in Kleinserie

Auf dieser hochautomatisierten Produktionslinie sollen in den nächsten Wochen die ersten 800-Volt-Akku-Packs zusammengebaut werden.
Fotos: Christian Gleichauf
Auf dieser hochautomatisierten Produktionslinie sollen in den nächsten Wochen die ersten 800-Volt-Akku-Packs zusammengebaut werden. Fotos: Christian Gleichauf  Foto: Gleichauf, Christian

Zwei Produktionslinien sind bereits eingerichtet. "Sie werden genau auf die Kundenwünsche angepasst", erklärt Werkleiter Cahit Aksoy. Eine werde in den nächsten Monaten nach und nach in Betrieb genommen. Hochautomatisiert werden dort große Batterien für ein vollelektrisches Fahrzeug produziert.

Auf der kleineren Linie werden seit wenigen Monaten überwiegend in Handarbeit Batterien für Plug-in-Hybridfahrzeuge in Kleinserie hergestellt - für einen Sportwagen. Für wen genau, das ist so eine Art Geheimsache. Die Porsche-Fahrzeuge vor der Tür lassen der Phantasie allerdings wenig Raum, auch wenn BMW, Mercedes oder Lamborghini ebenfalls zu den Valmet-Kunden zählen.

Es war das Plus, das der Standort Kirchardt zu bieten hatte. Nah an der Autobahn, kurze Wege zu den Kunden. "Wir sprechen hier schließlich über relativ schwere und im Verhältnis auch große Bauteile", erklärt Manuel Ötsch, der inzwischen schon das fünfte Werk bei Valmet mit aufgebaut hat. Auf der Karte zeigt er die Werke in der Umgebung, die für Valmet eine Rolle spielen: Rastatt, Neckarsulm, Brühl, Sindelfingen, Zuffenhausen.

Nachhaltigkeit inzwischen ein wichtiger Punkt

Von Beginn an wird in Kirchardt CO2-neutral produziert. Dazu wird auch noch eine Photovoltaikanlage auf dem Hallendach beitragen. Das gesamte Unternehmen habe sich erst 2019 genauer angeschaut, welchen CO2-Fußabdruck es hinterlässt, erzählt Automotive-Chef Olaf Bongwald. 42.000 Tonnen des klimaschädlichen Gases seien damals ausgestoßen worden. Heute sind es nach vielen Umbau- und Einsparmaßnahmen noch 8000 Tonnen. Mit Zertifikaten kommt Valmet rechnerisch bereits auf Null.

Im Werk Platz findet auch ein Untermieter, das ebenfalls aus Finnland stammende Unternehmen Fortum. 2021 haben Valmet und Fortum eine Kooperation fürs Batterierecycling vereinbart. Dabei geht es nicht in erster Linie um die noch neuen Valmet-Batterien, sondern auch um Produkte anderer Hersteller. Forum bereitet verwertbare Materialien hier umweltschonend auf.

 


Chinesischer Zellenhersteller mit im Boot

Valmet Automotive ist Auftragsfertiger für verschiedene Autohersteller, hat komplette Fahrzeuge für Saab, Talbot, Porsche und Mercedes gebaut. 4100 Mitarbeiter beschäftigt das finnische Unternehmen derzeit. Der Umsatz liegt bei 2,8 Milliarden Euro. 2017 stieg der chinesische Batteriezellenhersteller CATL mit einer Minderheitsbeteiligung von 23 Prozent bei Valmet Automotive ein, anschließend begann Valmet mit dem Autobatteriegeschäft und hat seitdem bereits 1,8 Millionen Einheiten hergestellt. Dabei kommen nicht automatisch CATL-Zellen zum Einsatz. Die Packs werden nach den Spezifikationen der Auftraggeber zusammengestellt.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben