IDS will sich in einem ungleichen Wettbewerb behaupten
Nach einem Durchhänger im vergangenen Jahr ist der Industriekamerahersteller IDS aus Obersulm wieder mit Schwung zurück. Doch die chinesische Konkurrenz schläft nicht.

Der Kamerahersteller IDS erholt sich schnell von den Einschränkungen der Chipkrise. Dabei kommt den Obersulmern zugute, dass sie mit ihren Kunden oft langfristige Projekte verfolgen, wie Geschäftsführer Jan Hartmann im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert. KI spiele dabei eine zunehmend wichtige, im Verkauf aber noch immer eine untergeordnete Rolle. Dennoch entscheide sich damit die Zukunft für das Unternehmen, so Hartmann.
Starkes Wachstum in einem schrumpfenden Marktumfeld
Beim Blick auf die Konkurrenz zeigt sich für Jan Hartmann ein gemischtes Bild. Positiv: Ob im Inland oder im Ausland, fast überall hätten die großen Wettbewerber zuletzt Rückschläge erleiden müssen. Die IDS dagegen wuchs schnell: im ersten Halbjahr um 49 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.
"Das hat auch mit dem schwachen ersten Halbjahr 2022 zu tun", relativiert Hartmann. Fehlende Chips und auch die Einführung des neuen SAP-Systems S/4HANA hätten vieles gebremst. Doch insgesamt sei man auf einem guten Weg, im Gesamtjahr die fast 75 Millionen Euro Umsatz aus dem Jahr 2021 zu übertreffen.
Während andere in der Branche mit Stornierungen zu kämpfen hätten, stünden die eigenen Kunden bisher zu den Aufträgen, die meist aus dem vergangenen Jahr stammen. "Wir sind gut in der Medizintechnik vertreten. Da ist das Geschäft sehr stabil im Vergleich zu den klassischen Industriekunden."
Chinesischem Wettbewerber kann preislich kein Paroli geboten werden
Gemischt bleibt das Bild, weil Hartmann weiß, dass auch der größte chinesische Wettbewerber "langsam besser" werde, sowohl bei Hardware als auch bei Software. "Preislich werden wir da nie mithalten können." Zumal das Unternehmen im Staatsbesitz sei und mit starker Finanzierung im Rücken Marktanteile erobern wolle.

Glücklicherweise sei die IDS auf dem schwächelnden asiatischen Markt bisher kaum vertreten. Zudem gebe es in Europa und noch mehr in den USA Vorbehalte gegenüber chinesischer Technik in sensiblen Bereichen. "Da haben wir mit der Datenschutzgrundverordnung in Europa übrigens einen Pluspunkt, der auch außerhalb Europas wahrgenommen wird", sagt Hartmann. Man wisse, dass hier viel Wert auf Datensicherheit gelegt wird.
Vorschriften sind manchmal aber auch hinderlich für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. "Es ist nicht einfach zu erklären, warum die KI beispielsweise bei der Erkennung bestimmter Vorgänge oder Produkte zu über 99 Prozent richtig liegt." Das stehe tatsächlich mancher Zertifizierung aber im Wege.
Selbstgemachte KI kommt oft schnell an Grenzen
"Dazu kommt, dass viele Unternehmen - wenn sie KI einsetzen möchten - eigene Lösungen entwickeln", erzählt der 32-Jährige. Häufig würden sie schnell zu ersten Ergebnissen kommen. Doch die letzten Prozent seien dann die schwersten, das müssten viele erkennen. So macht der Anteil an Kameras mit integrierter KI bisher wenige Prozent am IDS-Gesamtumsatz aus. Trotzdem ist Hartmann überzeugt, dass die Technik in Zukunft den entscheidenden Unterschied machen wird.
Neben den intelligenten Kameras, die die KI "embedded" - also auf einem Chip in der Kamera integriert - haben, will IDS künftig auch Systeme mit intelligenten Anwendungen auf dem PC anbieten. Dazu arbeiten die Obersulmer seit dem Frühjahr mit dem neuen Partner Denkweit aus Halle zusammen.
Das aus dem Fraunhofer-Institut heraus gegründete Start-up hatte bereits 2021 auf sich aufmerksam gemacht, als die Gründer aus Sachsen-Anhalt den damaligen KI-Wettbewerb des IDS-eigenen Online-Marktplatzes Visionpier gewannen. Diese erfolgreiche Strategie der Know-how-Akquise wird weitergeführt: Im Herbst veranstaltet IDS gemeinsam mit der Stadt Heilbronn und der Hochschule Heilbronn einen sogenannten Hackathon, einen Programmierwettbewerb, zum Thema Smart City.
Umsatzdelle im vergangenen Jahr
Der Industriekamerahersteller IDS beschäftigt derzeit rund 330 Mitarbeiter. Bis Jahresende sollen es rund 350 sein, erklärt IDS-Chef Jan Hartmann. Nach dem starken Start ins Jahr erwartet er in der zweiten Jahreshälfte zwar eine Verlangsamung des Wachstums, doch gegenüber dem Vorjahr soll es immer noch um die 15 bis 20 Prozent nach oben gehen. 2022 betrug der Umsatz rund 65 Millionen Euro. Chipkrise und Inflation hätten auch auf die Rendite gedrückt, deutet Hartmann an. Genaue Zahlen gibt das Unternehmen nicht an.


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