Kein Winterblues am Arbeitsmarkt im Raum Heilbronn
Die schlechte wirtschaftliche Entwicklung macht sich nicht mehr wie früher in der Arbeitslosenstatistik bemerkbar. Der Fachkräftemangel bleibt.
Der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg entwickelt sich in unterschiedliche Richtungen. "Während sich die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk Balingen im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent erhöht hat, ist sie im Agenturbezirk Nagold-Pforzheim um 12,9 Prozent zurückgegangen", erklärt Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit.
In der Region sinkende Arbeitslosenzahlen
Auch der Raum Heilbronn und der Hohenlohekreis gehören zu den Gebieten, die im Dezember zumindest leicht sinkende Arbeitslosenzahlen melden können. Manfred Grab, Leiter der Heilbronner Arbeitsagentur, registrierte einen "weiteren Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung".
Der Stellenbestand liegt bei 2957, das sind etwas mehr als im Vorjahr und etwas weniger als im November. Die Arbeitslosenzahl sank im Dezember geringfügig auf 9700, die Quote blieb bei 3,5 Prozent.
Der Fachkräftemangel bleibt somit das bestimmende Thema, sowohl im Landkreis und der Stadt Heilbronn als auch im Hohenlohekreis. Dort wurden im Dezember 180 neue Arbeitsstellen gemeldet - das bedeutete sogar einen leichten Zuwachs gegenüber November. Damit waren nun insgesamt 1345 offene Stellen gemeldet, 17,1 Prozent mehr als im Dezember des Vorjahres.
Qualifizierung macht sich bemerkbar
"Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist trotz des Rückgangs bei den Stellenmeldungen im Dezember weiterhin hoch", erklärt Elisabeth Giesen, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. Dank der Beschäftigtenqualifizierung hätten Unternehmen beispielsweise Pflegefachleute, Medizinische Fachangestellte, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker, Bäcker und Maler als Fachkraft gewinnen können. Die Zahl der Arbeitslosen im Hohenlohekreis sank um 83 Personen oder 4,2 Prozent.
Bundesweit stieg zuletzt allerdings auch die Nachfrage nach Kurzarbeit wieder an. Nach vorläufigen, hochgerechneten Daten hatten im Dezember rund 163.000 Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld bekommen. Das passt in das Bild, das auch Regionalchef Rauch zeichnet. Er beobachtet insgesamt eine nachlassende Dynamik. Dies hänge mit den wachsenden Unsicherheiten in der Wirtschaft zusammen.
Unternehmen entlassen kaum Fachkräfte
"Unternehmen und Betriebe halten sich mit Einstellungen etwas zurück, andererseits halten sie an ihren Fachkräften fest." Die Zahl der Menschen, die aus einem Beschäftigungsverhältnis heraus arbeitslos wurden, sei zurückgegangen. "Für Arbeitssuchende wird es damit zunehmend schwierig, eine Beschäftigung aufzunehmen."
Auf das gesamte Jahr bezogen hat sich der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg allerdings trotz des Kriegs und der Lieferengpässe als erstaunlich stabil erwiesen. Die Langzeitarbeitslosigkeit nehme wieder deutlich ab und die Kurzarbeit ist hier wieder auf ein annähernd normales Niveau zurückgegangen, resümierte die Regionaldirektion. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wachse insbesondere in den konjunkturunabhängigen Branchen kontinuierlich weiter.
Ausblick: Viele Unsicherheiten
2023 wird aus Sicht von Bundesagentur-Chefin Nahles von Unsicherheiten geprägt sein. Doch zunehmend wird deutlich, dass sich wirtschaftliche Entwicklung und Arbeitsmarkt entkoppelt haben. Fachkräftegewinnung sei jetzt eines der zentralen Themen. Auch die Zuwanderung von Fachkräften sei in dem Zusammenhang wichtig. Zudem soll in diesem Jahr auch ein Fokus darauf liegen, wieder mehr junge Leute für eine duale Ausbildung zu gewinnen, sagte sie.
"Die arbeitsmarktpolitische Debatte hat sich gedreht", erklärt Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger mit Blick auf die aktuellen Zahlen. "Nicht mehr Arbeitslosigkeit, sondern Fach- und Arbeitskräftemangel sowie Kompetenzanpassungen für Beschäftigte sind die aktuellen Herausforderungen."
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