Heilbronner KI-Park nimmt nicht nur baulich Formen an
Der KI-Innovationspark Ipai sucht den Schulterschluss mit vielen Partnern. Seit diesem Jahr ist auch AppliedAI aus München mit an Bord. Um Steuergeld nicht falsch einzusetzen, fahren beide Einrichtungen zweigleisig.

Noch bevor der Innovationspark Künstliche Intelligenz Heilbronn (Ipai) in den Steinäckern baulich Formen annimmt, soll er ein Ort der Zusammenarbeit werden. Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Partner wie AppliedAI aus München arbeiten daran, dass die Entwicklungen rund um KI in Heilbronn sichtbar werden.
Wer verstehen will, was momentan am vorläufigen Standort des Ipai im Zukunftspark Wohlgelegen entsteht, muss in verschiedenen Kategorien denken. Ipai, die Abkürzung für "Innovation Park Artificial Intelligence", steht für die künftigen Gebäude, aber schon jetzt für die Organisation. Auch der neue Partner AppliedAI, Europas größte KI-Initiative, kommt zweigleisig daher.
KI in Heilbronn: AppliedAI stellt sein Team gerade zusammen
Frauke Goll, promovierte Wirtschaftsingenieurin und bisher vor allem in Karlsruhe unter anderem am Forschungszentrum Informatik (FZI) aktiv, ist seit wenigen Wochen Geschäftsführerin des AppliedAI Institute for Europe in Heilbronn.
Das Institut ist der gemeinnützige Strang, der getrennt von der AppliedAI-Initiative agiert. "Mit dem wirtschaftlichen Teil bieten wir spezifische Leistungen für einzelne Unternehmen, KI in die Anwendung zu bringen ", erklärt Goll. "Der gemeinnützige Teil wendet sich an die Allgemeinheit und speziell an Berufstätige, die wir befähigen, mit KI umzugehen."
KI-Verordnung der EU ist ein Schwerpunkt von AppliedAI
Ein Schwerpunkt von AppliedAI liegt bei Themen wie der KI-Verordnung der EU, dem AI Act. Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen. Es gehe darum, in Europa eine vertrauenswürdige KI zu ermöglichen. "Wir wollen Unternehmen auch ermöglichen, schneller auf die Regulierung zu reagieren", sagt Frauke Goll. Dazu brauche es beispielsweise auch Testumgebungen, in denen sofort losgelegt werden kann. Diese Möglichkeiten biete der Ipai.
Die Unterscheidung in gemeinnützig und nicht-gemeinnützig ist gewissermaßen gespiegelt beim KI-Innovationspark selbst. "Auch bei uns gibt es die gemeinnützige und die wirtschaftliche Schiene", sagt Ipai-Geschäftsführer Moritz Gräter. Das sei etwa deshalb schon wichtig, weil mit der Förderung durch das Land keine Steuergelder in Gebäude fließen dürften, die dann der Schwarz-Gruppe gehören.
Ipai-Campus: "Ein ikonischer Ort für Heilbronn"
100 Millionen Euro hatten das Land Baden-Württemberg und die Dieter-Schwarz-Stiftung ursprünglich gemeinsam zur Verfügung gestellt. Der "Krais" genannte Entwurf der MVRDV-Architekten, der im Gewerbegebiet Steinäcker ab dem kommenden Jahr realisiert wird, kostet ein Vielfaches jener 100 Millionen Euro - und soll sich wirtschaftlich tragen.
Die Namensfindung sei übrigens noch nicht abgeschlossen, sagt Gräter. Statt Krais wird der Kreis vorläufig nur Ipai-Campus genannt. Doch entscheidend sei: "Am Ende wird es ein ikonischer Ort für Heilbronn werden, und dann wollen wir auch, dass er die Erwartungen erfüllt."
Ipai arbeitet mit vielen Akteuren zusammen
Der gemeinnützige Teil des Ipai dient auch der regionalen Verankerung: Ziel ist, die Akzeptanz und das Verständnis für KI in der Bevölkerung zu erhöhen. Dabei arbeitet er mit vielen Akteuren in Heilbronn zusammen - etwa mit der Programmierschule 42 für das KI-Festival, mit dem Fraunhofer im KI-Dialog oder den Campus Founders beim Accelerator-Programm AI Founders.
Dieses Netzwerk sei auch deshalb wichtig, weil der Ipai als eigenständige Einheit nicht Hunderte von Mitarbeitern aufbauen soll. Innerhalb eines Jahres wurden aus zwei Personen nun 20. Die aber sollen auch koordinieren, nicht nur selbst umsetzen. "Wir sind das 'Home of AI'", die Heimat der KI, sagt Gräter. Der neue Partner AppliedAI plant nun ein "Opening" im Herbst, wie Frauke Goll ankündigt. Dann soll die Zusammenarbeit mit den Unternehmen, mit der IHK und anderen Partnern intensiviert werden.
Ipai soll schneller sichtbar werden als der Kreis
Seit dem vergangenen Jahr ist der KI-Innovationspark Ipai zu 50 Prozent an der KI-Initiative AppliedAI beteiligt. Gegründet wurde AppliedAI von der UnternehmerTUM, dem Gründungszentrum der TU München. Seit diesem Jahr wird ein zweiter Standort in Heilbronn aufgebaut. 20 Mitarbeiter sollen bis Ende des Jahres beschäftigt sein. Mittelfristig sollen es rund 60 Mitarbeiter werden.
AppliedAI sei dennoch nur ein Partner von vielen, ohne hervorgehobene Stellung, betonen die Geschäftsführer Frauke Goll (AppliedAI Institute) und Moritz Gräter (Ipai) nachdrücklich.
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