In Zukunft braucht es eine ganze Reihe neuer Kompetenzen
Die Studie "Future Skills" im Auftrag von IG Metall und Südwestmetall gibt Hinweise auf einen großen Weiterbildungsbedarf.

Die Menschen werden in Zukunft andere Fertigkeiten benötigen, um ihre Arbeitskraft gewinnbringend fürs ihren Arbeitgeber einzusetzen. Welche Kompetenzen das sind, wurde nun in einer Studie im Auftrag der AgenturQ, der gemeinsamen Qualifizierungseinrichtung von IG Metall und Südwestmetall, herausgearbeitet.
Großen Datensatz genutzt
Studienleiterin Julia Klier, Professorin an der Universität Regensburg, und ihr Team haben dazu mehr als eine Million Stellenanzeigen in den vier Schlüsselindustrien Automobil- und Zulieferindustrie, Maschinenbau, Metallindustrie und Medizintechnik ausgewertet. Außerdem wurden 245 Vertreter aus Unternehmen befragt, darunter Betriebsräte.
33 sogenannte Future Skills destillierten sie anschließend heraus. Software-gestützte Steuerung von Geschäftsprozessen, das Thema Data Science und KI sowie das Thema Industrial and Electrical Engineering gibt Klier als Beispiele für solche Fertigkeiten, die für die Schlüsselindustrien in Baden-Württemberg entscheidend sein werden.
Der Bedarf an Weiterbildung steigt ebenso wie das Angebot
"Unser Land steht deshalb vor einer der größten Weiterbildungsoffensiven seiner Geschichte", betonten unisono Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick und IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger.
Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) ergänzte: "Wir hoffen, dass die Studie einen Weiterbildungsschub bewirken kann." 2020 habe ihr Ministerium bereits 40 Millionen Euro in Weiterbildung investiert, doppelt so viel wie noch fünf Jahre zuvor. Und hier müsse noch mehr getan werden.
Damit nicht gleichzeitig entlassen und eingestellt wird
Viele Firmen wüssten allerdings gar nicht, wohin sie qualifizieren sollen, so die Anmerkung von Christian Rauch, Leiter der Landesvertretung der Bundesagentur für Arbeit. Die aktuelle Studie soll Abhilfe schaffen. Beschäftigte und Arbeitgeber könnten sich nun an die Arbeitsagentur wenden und gezielt nach Weiterbildung und auch nach Fördermöglichkeiten fragen.
Dabei gehe es nicht in erster Linie darum, einzelne Spezialisten noch weiter zu spezialisieren, sondern in der Breite etwas zu bewegen, erklärt Zitzelsberger.
Aus seiner Tätigkeit als Gewerkschaftssekretär nannte er das Beispiel Nokia-Siemens in Bruchsal als mahnendes Beispiel. Da seien 2010 rund 300 Stellen abgebaut worden, während an der Pforte das Schild hing: "Wir stellen ein!" So solle es nicht laufen.
Er betonte: "Wir stehen hier nicht vor einem nächsten Step bei ein paar Dingen, die wir schon immer getan haben." Die Aufgabe sei groß. So möchte er auch, dass das Thema Weiterbildung bei den nächsten Tarifverhandlungen einewichtige Rolle spielt.
Die Studie kostete etwa 180 000 Euro, das Wirtschaftsministerium übernahm 90 000 Euro, den Rest teilten sich Gewerkschaft und Arbeitgeberverband. Wertvoll sei die Studie vor allem deshalb, weil sie nicht nur mit abstrakten Oberbegriffen arbeite, sondern ganz konkrete Fertigkeiten nenne, die nun gefragt sind.
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