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Immobilienbranche am Scheideweg: Steht uns eine Pleitewelle bevor?

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Eine Insolvenz nach der anderen erschüttert den Markt, zuletzt traf es Paulus Wohnbau in Pleidelsheim. Selbst Größen in der Immobilienbranche sind nicht mehr sicher. Auch für Käufer im Raum Heilbronn wird die Situation nicht einfacher.

Ein Wohnkomplex des Immobilienriesen Evergrande in Huai'an, China: Hunderte Milliarden Dollar an Schulden hat das Unternehmen angehäuft.
Ein Wohnkomplex des Immobilienriesen Evergrande in Huai'an, China: Hunderte Milliarden Dollar an Schulden hat das Unternehmen angehäuft.  Foto: IMAGO/CFOTO

In der Immobilienbranche häufen sich Milliardenpleiten. Nach der Nürnberger Project-Gruppe, Development Partner und Euroboden in Deutschland in der vergangenen Woche hat am Donnerstag auch der größte chinesische Immobilienkonzern Evergrande in den USA Gläubigerschutz beantragt. Evergrande hat Schulden von 300 Milliarden Dollar. Einige Experten werten dies als Anzeichen für eine Marktbereinigung mit weiteren Insolvenzen.

Auch in der Region sieht man nach der Insolvenz der Paulus Wohnbau mit gemischten Gefühlen auf die kommenden Monate. Paulus-Anwalt Erik Silcher hatte gegenüber unserer Redaktion von einem möglichen Domino-Effekt gesprochen, der auch Handwerker und Zulieferer betreffen könne.

Stadtsiedlungs-Chef Buchta zu Insolvenz von Paulus Wohnbau: Domino-Effekt nicht zwingend

Dominik-Buchta, Geschäftsführer der Heilbronner Stadtsiedlung, teilt diese Einschätzung nicht ganz. "Angesichts von Handwerker-Mangel und Sanierungsbedarf muss das keine erheblichen Konsequenzen haben." Im Einzelfall, wenn ein Betrieb sich auf Neubauten spezialisiert habe, sehe dies womöglich anders aus.

Heilbronn könne sich sicher nicht losgelöst von den allgemein wirkenden Marktmechanismen entwickeln. Die Dynamik in der Stadt mit dem Aufbau des KI-Innovationsparks Ipai und allem, was um den Bildungscampus passiert, bringe Heilbronn aber in eine "Sondersituation". Unter anderem auch deshalb erwartet er keine fallenden Preise. Die Vermarktung des Projekts Magnolienhof am Südbahnhof sei beispielsweise sehr erfolgreich gelaufen. Seit November wurden dort 50 von 60 Wohnungen verkauft.


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Eines der zwei Paulus-Wohnbau-Projekte in Eppingen: Das Gebäude an der Ludwig-Zorn-Straße steht im Rohbau schon zum großen Teil. Die Chancen stehen offenbar gut, dass die Käufer der Wohnungen hier auch einmal einziehen können.
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Entwicklung der Immobilienbranche: Es könnte aber auch viel schlimmer kommen

Martin Werner, Inhaber des gleichnamigen Immobilienmaklers, blickt etwas weniger optimistisch auf die nächsten Monate: "Aus dem Stuttgarter Raum hört man Warnungen, dass bis zu 50 Prozent der Bauträger und Projektentwickler diese Krise nicht überstehen." Handwerker, die keine Bonität aufgebaut hätten, würden ebenfalls unter Druck kommen.

Schuld daran seien nicht die steigenden Zinsen, betont Werner. "Das ist doch nur die Rückkehr zur Normalität." Die Katastrophe sei davor passiert, in der anhaltenden Niedrigzinsphase seit 2009. Das habe zur Kosten- und Preisexplosion geführt. Grundstücke wurden viel zu teuer eingekauft.

Forderungen an die Bundesregierung

"Jetzt haben wir einen Marktstillstand", sagt Werner. Dazu sei die "Regulierungswut" in Deutschland gekommen, mit immer neuen Anforderungen an Energieeffizienz oder auch Brandschutz. Die Preise für Neubauwohnungen würden in Heilbronn teils bei 7000 Euro pro Quadratmeter und mehr liegen.

Sowohl Buchta als auch Werner hoffen auf neue Förderprogramme und Erleichterungen durch die Bundesregierung. Denn der Bedarf an Wohnungen sei schließlich weiterhin da - und Deutschland weit entfernt von den 400.000 Wohnungen, die laut Bauministerin Klara Geywitz jährlich gebaut werden müssten. Im ersten Halbjahr 2023 wurden in Deutschland 27 Prozent weniger Baugenehmigungen als im Vorjahreszeitraum erteilt, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. 135.200 Wohnungen wurden bewilligt.

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