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IG Metall vor der Tarifrunde: Erstmal geht es jetzt ums Geld

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Bezirksleiter Roman Zitzelsberger will den Pilotabschluss wieder im Südwesten. Riesigen Handlungsbedarf sieht er mit Blick auf neue Arbeitsformen.

Die Tarifpolitik hat unter den Corona-Bedingungen laut Zitzelsberger eine andere Entwicklung genommen als in den Normaljahren. Foto: dpa
Die Tarifpolitik hat unter den Corona-Bedingungen laut Zitzelsberger eine andere Entwicklung genommen als in den Normaljahren. Foto: dpa  Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Roman Zitzelsberger ließ sich nicht aus der Reserve locken. Wer Nachfolger von Jörg Hofmann als Erstem Vorsitzenden der IG Metall in Frankfurt wird, das werde nächstes Jahr entschieden. Der Bezirksleiter für Baden-Württemberg warf seinen Hut bei der virtuellen Jahrespressekonferenz gestern in Stuttgart jedenfalls nicht aktiv in den Ring. Klar formulierte er aber den Anspruch, bei der kommenden Tarifrunde wieder den Pilotabschluss zu machen.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Inflation liege "der klare Fokus auf einer prozentualen Erhöhung der Monatsentgelte". Ihm sei bewusst, dass es neben Autoherstellern mit Rekordergebnissen auch Unternehmen gebe, die unter dem Teilemangel leiden. Dem gerecht zu werden, sei nicht ganz einfach. "Aber Anspruch auf eine kräftige Entgelterhöhung haben alle", so Zitzelsberger. "Ich freue mich auf die Tarifrunde."

Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, mit dem zuletzt gültigen Tarifwerk (links) und dem entschlackten aktuellen. Screenshot: HSt
Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, mit dem zuletzt gültigen Tarifwerk (links) und dem entschlackten aktuellen. Screenshot: HSt  Foto: Screenshot HSt

Lohn-Preis-Spirale oder Preis-Lohn-Spirale? Andere sind gefragt

Die Vorstellung, dass die Arbeitnehmer jetzt zurückstecken müssten, damit das Land nicht in eine Lohn-Preis-Spirale gerate, sei falsch. "Wenn, dann ist das eher eine Preis-Lohn-Spirale", erklärte der Bezirksleiter.

Deshalb liege es nun an der Bundesregierung und an der Europäischen Zentralbank, etwas gegen die Inflation zu tun: die EZB mit ihrer Geldpolitik, die Regierung unter anderem mit einer Entlastung bei den Energiepreisen.

Neben einer klaren Lohnforderung, die bis Sommer formuliert werde, liege bei einem anderen Thema aber noch viel Arbeit vor der Gewerkschaft. Das neue Arbeiten - New Work - stelle die IG Metall vor eine große Herausforderung.

Bis Dezember war die Lohnauszahlung in bar offiziell Standard

Im vergangenen Jahr sei es aber immerhin gelungen, das Tarifwerk zu vereinheitlichen und in seiner Komplexität zu reduzieren, Zitzelsberger. "Unser Tarifvertrag hat bis zum 31.12. noch immer die Bargeldlohnzahlung vorgesehen." Nur mit Sonderregelungen sei es möglich gewesen, den Lohn bargeldlos auszuzahlen, illustriert er den Reformbedarf. Aus drei Ordnern wurde somit einer.

"Die Tarifpolitik hat unter den Corona-Bedingungen eine andere Entwicklung genommen als in den Normaljahren", sagte Zitzelsberger. "Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben."


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Wie entwickelt sich der Lohn, wenn die Karriere nicht nach oben geht?

Viele weiche Faktoren spielten plötzlich eine Rolle, und das sei schwer zu regeln. Als Beispiel nennt er Hierarchien, die zunehmend flacher würden. "Entwickeln sich dadurch plötzlich horizontale Karrieren, indem Beschäftigte ihr Arbeitsspektrum immer wieder deutlich erweitern? Und wie bildet sich das dann in der Bezahlung ab?", fragt der Gewerkschafter.

Nicht zuletzt stelle sich auch die Frage, ob der Faktor Arbeitszeit künftig noch der entscheidende sei oder ob das Arbeitsvolumen auch anders berechnet werden könne. All das werde die Tarifpartner noch Minimum drei bis fünf Jahre beschäftigen.

Jetzt stehen Betriebsratswahlen an

Bevor es wieder um Tarifpolitik geht, stehen in den nächsten Wochen aber erst einmal Betriebsratswahlen an. Auch die seien unter Corona-Bedingungen nicht so einfach wie noch vor vier Jahren. Schließlich wolle die IG Metall die Betriebsräte begleiten, geeignete Kandidaten finden und schauen, dass diese auf Augenhöhe mit den Arbeitgebern agieren können. Das sei nicht einfach, wenn man sich nicht ohne weiteres persönlich treffen kann.

Weiterhin Sorgen machen Zitzelsberger die rechts gerichteten Betriebsräte, die "in der Menge unbedeutend, aber von der Sprache her laut" seien. Mittlerweile habe man aber deutlich machen können, dass dies "keine Problemlöser, sondern Problemschaffer sind".

Manche Arbeitgeber scheuen nicht vor dem Rechtsbruch zurück

Es komme noch immer vor, dass Betriebsräte und Betriebsratswahlen behindert werden. Das finde meist still und heimlich statt, etwa indem arbeitgeberfreundliche Listen präsentiert werden, auf denen sich plötzlich Leute aus dem mittleren Management finden.

Ohne auf aktuelle Fälle explizit Bezug zu nehmen, sagte Zitzelsberger auch: "Es gibt aber auch die Hardcore-Variante, dass mit Unterstützung von Rechtsanwälten die Hauptakteure systematisch rausgemobbt werden." Das seien Einzelfälle, jeder einzelne aber ein klarer Rechtsbruch.


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