IDS-Gründer Jürgen Hartmann zieht sich aus Geschäftsführung zurück
Generationswechsel beim Obersulmer Kamerahersteller IDS. Gründer Jürgen Hartmann zieht sich zurück, Michael Berger ist neu im dreiköpfigen Führungsteam. Eröffnet das Chancen in den USA?

Beim Obersulmer Kamerahersteller IDS ist der Generationenwechsel in der Geschäftsführung vollzogen. Jürgen Hartmann, der das Unternehmen vor 27 Jahren mit gegründet hat, zieht sich aus der obersten Führungsebene zurück. Einen kompletten Schlussstrich möchte er allerdings noch nicht ziehen.
IDS vollzieht Generationenwechsel: Beide Söhne im Unternehmen
"Innovation wird durch die Jugend getrieben", sagt Jürgen Hartmann. Davon sei er überzeugt. Schon vor sieben, acht Jahren habe er daher mit seiner Frau darüber gesprochen, wie es irgendwann weitergehen soll bei seiner IDS. "Damals waren unsere zwei Söhne nicht in der Region, es war nicht klar, ob sie mit einsteigen."
Das hat sich geändert. Kai Hartmann (30) ist inzwischen Innovationsmanager bei IDS, einer Erfolgsgeschichte aus Obersulm. Jan Hartmann (32) ist seit 2020 mit in der Geschäftsführung, die 2021 um Alexander Lewinsky erweitert wurde. Für Jürgen Hartmann ist seit 1. Januar vom Batteriehersteller Varta Michael Berger dazugekommen.
Noch ist die Meinung des Seniorchefs bei IDS gefragt
Für Jürgen Hartmann ist es ein Rückzug auf Raten. "Ich werde noch vier Tage die Woche ins Büro kommen und mich vor allem um Entwicklungsthemen kümmern", sagt der 61-Jährige, der als Vater der USB-Schnittstelle für Industriekameras gilt.
Seine Hobbys, Wandern und Radfahren, kämen schon nicht zu kurz. Die Entwicklung spielt bei IDS allerdings auch eine zentrale Rolle. Denn nur mit Innovationen kann man gegen die Billig-Konkurrenz aus Asien bestehen. Rund 10 bis 15 Prozent des Umsatzes wird dafür investiert.
Das zahlt sich aus. Das Unternehmen hat sich gut entwickelt und auch im vergangenen Jahr, als es in der Branche deutliche Einbußen gab, ist die IDS mit 15 Prozent gewachsen. Bei 75 Millionen Euro liegt der Umsatz nach der Delle von 2022, als die Chipkrise alles ausbremste. Damit ist wieder das Rekordniveau von 2021 erreicht.
KI bleibt Thema bei IDS, an dem allerdings noch gearbeitet wird
Große Hoffnungen setzt das Unternehmen weiterhin in die KI, doch das Thema nimmt in der Anwendung langsamer Fahrt auf als noch vor wenigen Jahren gedacht. IDS ist hier Vorreiter, eng im Netzwerk mit Unternehmen wie dem Robotik-Spezialisten Schunk in Lauffen oder auch Institutionen in Heilbronn wie dem KI-Innovationspark Ipai.

"Ich finde großartig, was in Heilbronn passiert", sagt Hartmann. Er hoffe darauf, dass hier der Mittelstand seine Chance ergreife.
Persönlich bleibt Jürgen Hartmann auch der Hochschule Heilbronn verbunden, aus der heraus er vor 27 Jahren die IDS gegründet hat - gemeinsam mit Armin Vogt, der vor zehn Jahren dann aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. "Professor Uwe Jäger hat uns damals zur Bildverarbeitung gebracht", erzählt Hartmann. Heute ist er im Beirat des Zentrums für maschinelles Lernen, pflegt den Kontakt zum Leitungsteam um Nicolaj Stache.
IDS nach Generationenwechsel: Vertriebsspezialist sieht Chancen in den USA
Der Neue in der Geschäftsführung ist Michael Berger, promovierter Betriebswirtschaftler und Vertriebsspezialist. "Wir haben seit eineinhalb Jahren intensiv gesucht und sind nun sehr froh, mit Herrn Berger jemanden gefunden zu haben, der die weitere Skalierung und die nächsten Innovationsschritte bei IDS vorantreiben kann", sagt Jürgen Hartmann.
Vor allem in Nordamerika sieht Michael Berger noch Potenzial. Im Bostoner Büro und verteilt in den USA sind bisher rund ein Dutzend Vertriebler beschäftigt. In Japan und Südkorea ist IDS ebenfalls vertreten. Das soll vorsichtig ausgebaut werden.
"Wir befinden uns insgesamt in einer defensiven Phase, allerdings trotzdem in einem extrem positiven Marktumfeld", sagt Berger. Auch im Food- und Agrarbereich könne IDS den Markt noch erobern.
Nur beim Thema China bleiben die Obersulmer zurückhaltend. "Das ist ein sehr preisaggressiver Markt", sagt Berger. Und Jürgen Hartmann ergänzt: "Wir sind als Europäer dort doch gar nicht willkommen. Das wollten beispielsweise die Automobilfirmen leider nie sehen." Für die IDS sei dagegen schnell klar gewesen, dass sie nirgends hingehen, wo sie nicht willkommen sind.
Hintergrund: Die IDS
Seit der Gründung 1997 als Zwei-Mann-Unternehmen hat sich IDS zu einem Familienunternehmen mit rund 350 Mitarbeitern weiterentwickelt. Hauptsitz mit Zentrale sowie Entwicklungs- und Produktionsstandort in Obersulm. Niederlassungen und Repräsentanzen gibt es in den USA, Japan, Südkorea, UK, Frankreich und den Niederlanden.

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