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HyImpulse und seine Paraffin-Rakete: Die nächste Stufe muss jetzt zünden

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Das Raketen-Start-up aus Neuenstadt bereitet seinen ersten Start vor und hofft auf Fördergeld und finanzstarke Investoren. Manche Hindernisse müssen jetzt noch aus dem Weg geräumt werden.

Besuch der Esa in Neuenstadt. Das HyImpulse-Team hofft auf Unterstützung der Weltraumagentur und von finanzstarken Investoren.
Besuch der Esa in Neuenstadt. Das HyImpulse-Team hofft auf Unterstützung der Weltraumagentur und von finanzstarken Investoren.  Foto: Nico Kurth

Die Rakete liegt bereit. 14 Meter lang, ist sie in der Werkstatt von HyImpulse in Neuenstadt bereits zu besichtigen. Im Sommer soll sie erstmals fliegen, rund 40 Kilometer hoch. Doch einfach wird es der raumfahrtbegeisterten jungen Mannschaft nicht gemacht. Denn es braucht Geld und einen Startplatz.

Es ist ein internationales Team, das hier den Traum von der Raumfahrt träumt. Isabella Verri aus Italien etwa und Goutham Karthikeyan aus Indien kümmern sich als Projektmanager um die jetzt anstehenden Vorhaben. Nach dem ersten Teststart soll die sogenannte Sounding Rocket die 100-Kilometer-Grenze überwinden. Dann hofft die Crew darauf, den 25 Meter hohen Small Launcher SL1 mit 500 Kilogramm Fracht auf 500 Kilometer Umlaufbahn zu bringen.

"Es geht darum, jedes Gramm einzusparen", erzählt Karthikeyan und zeigt an selbstgewickelten Carbonteilen, wie leicht sie sind. "Was wir hier sparen, ist reines Geld, weil dafür bezahlte Fracht in den Weltraum transportiert werden kann."

 


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Mittlerer Millionenbetrag notwendig

Isabella Verri aus Italien am Prototypen der Testrakete SR75. Sie soll im September auf 50 Kilometer Höhe geschossen werden.
Isabella Verri aus Italien am Prototypen der Testrakete SR75. Sie soll im September auf 50 Kilometer Höhe geschossen werden.  Foto: Nico Kurth

Erst einmal aber braucht es Geld, um die Entwicklung voranzutreiben. In den nächsten Wochen und Monaten soll sich viel tun. Zum einen steht die nächste Finanzierungsrunde an, wie Mitgeschäftsführer Christian Schmierer erläutert. Es gehe um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Obendrein wird die nächste Stufe des Microlauncher-Wettbewerbs des DLR gezündet. Elf Millionen Euro soll es für den Gewinner geben. Die erste Runde hatte Isar Aerospace aus München gewonnen. Diesmal stehen die Rocket Factory aus Augsburg und die Neuenstadter HyImpulse ganz oben auf der Liste. Ende April soll die Entscheidung fallen.

Aus diesem Grund macht sich an diesem Tag auch eine Delegation der europäischen Weltraumagentur Esa persönlich ein Bild von Team und Technik in Neuenstadt.

 


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USA hat oft die Nase vorn

Es ist ein enges Rennen. Die Neuenstadter mit ihrer Paraffin-Antriebstechnik stehen in Deutschland, in Europa und weltweit im Wettbewerb. "Die USA haben 20 Start-ups auf diesem Level", sagt Thilo Kranz, Programmmanager bei der Esa. Deutschland habe drei.

Isabella Verri aus Italien am Prototypen der Testrakete SR75. Sie soll im September auf 50 Kilometer Höhe geschossen werden.
Isabella Verri aus Italien am Prototypen der Testrakete SR75. Sie soll im September auf 50 Kilometer Höhe geschossen werden.  Foto: Fernanda Francisca Winter

Der Wettlauf sei damit allerdings nicht entschieden, warnt er vor Kurzschlüssen. Denn das Umfeld für kleine Raumfahrtunternehmen habe sich zuletzt stark verbessert. "Die Investitionsbereitschaft ist erheblich angestiegen", sagt Kranz. Der Markt für Kleinsatelliten, die auch mit HyImpulse-Raketen einmal abgesetzt werden sollen, wächst stark.

Bei den Startplätzen tut sich etwas, erzählt Kranz. Richtig sei zwar, dass in Europa die Sicherheitsanforderungen hoch sind. Haftungsfragen machten es Anbietern schwer. Aber inzwischen sei man auch mit Kourou in Französisch-Guayana im Gespräch, wo sonst die großen Ariane-Raketen starten. Das zumindest räumt Kranz ein: "Manches könnte besser laufen."

Wenig Verständnis für einen ganz besonderen Markt

"Es ist ein sehr politischer Markt", sagt Christian Schmierer, "und viele potenzielle Investoren verstehen den Raumfahrt-Markt nicht." Bei der Esa etwa zahlen viele Länder ein, doch dieses Geld müsse dann eben auch wieder in diese Länder zurückfließen. Solche Strukturen behinderten.

Die Neuenstadter kämpfen seit Monaten mit widrigen Bedingungen. Starttermine für ihre Rakete wurden verschoben. Tests in Lampoldshausen sind nur noch bedingt möglich. Die letzten Tests wurden deshalb auf den Shetland Islands in Schottland gemacht. Dort oder im Notfall auch in Australien soll der Start im September stattfinden.

Auch die Esa-Delegation ist zuversichtlich, dass dieser Schritt gelingt. "Was aber den nächsten Raketentyp, den Small Launcher, angeht, ist das noch ein weiter Weg", schätzt Esa-Manager Kranz. Die HyImpulse-Vertreter halten trotzdem an ihrem Plan fest, bis 2024 auch diese nächste Stufe zünden zu können.

 


Konkurrenz in Deutschland

Es gibt drei Start-ups in Deutschland, die sich Hoffnungen auf ein Geschäft mit Raumtransporten von Kleinsatelliten machen. Neben HyImpulse aus Neuenstadt sind das die Rocket Factory in Augsburg und Isar Aerospace in München, eine Ausgründung der TU München. Technisch am weitesten ist die Entwicklung der Raketen bei HyImpulse, die größere finanzielle Unterstützung erhielt bislang allerdings Isar Aerospace, hinter der eine ganze Gruppe von Investoren steht.

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