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Heilbronner Zukunftsfonds blickt nach Israel

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Das Land Baden-Württemberg will mit einer eigenen Wirtschaftsrepräsentanz in Tel Aviv Kontakte ausbauen. Der Zukunftsfonds Heilbronn übernimmt bei dem Projekt eine zentrale Funktion.

von Michael Schwarz und Christian Gleichauf
Israel ist eine regelrechte Startup-Nation − und Tel Aviv ist das Zentrum davon. Hier gibt es eine Ansammlung von Hochtechnologieunternehmen.
Foto: dpa
Israel ist eine regelrechte Startup-Nation − und Tel Aviv ist das Zentrum davon. Hier gibt es eine Ansammlung von Hochtechnologieunternehmen. Foto: dpa  Foto: Rolf Vennenbernd

Das Land eröffnet im Oktober dieses Jahres eine eigene Wirtschaftsrepräsentanz in Israel. Dies erklärte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) gegenüber der "Heilbronner Stimme". Für das Land sollen zwei Personen - ein Wirtschaftsrepräsentant und ein Innovationsscout - bei der Auslandshandelskammer in Tel Aviv angesiedelt werden.

Israel führender Hightech-Standort

"Als ein weltweit führender Hightech-Standort kann Israel der baden-württembergischen Wirtschaft wichtige Impulse geben. Die Wirtschaftsrepräsentanz soll deshalb nicht nur Unternehmen als Kontaktstelle zur Verfügung stehen. Sie soll auch Trends und Innovationen in Israel identifizieren und den Transfer in die baden-württembergische Wirtschaft und die angewandte Forschung befördern", sagte Hoffmeister-Kraut.

Israel gilt in der Digitalisierung und der Entwicklung fortschrittlicher Technologien weltweit als Vorreiter. Ziel der neuen Wirtschaftsrepräsentanz ist es, vor allem Kontakte für mittelständische Unternehmen aus dem Südwesten herzustellen und sie beim Markteintritt zu unterstützen.

Die Wirtschaftsrepräsentanz ist zunächst für zwei Jahre angelegt und kostet 174.400 Euro. Bislang betreibt das Land Wirtschaftsrepräsentanzen in Brasilien, China, Japan, Südkorea, Indien und in den USA. Zentraler Partner bei der Zusammenarbeit des Wirtschaftsministeriums mit der Auslandshandelskammer in Tel Aviv ist der Zukunftsfonds Heilbronn, der über umfassende Kontakte in die israelische Gründer- und Technologieszene verfügt.

Villinger sieht große Chance

Zukunftsfonds-Geschäftsführer Thomas Villinger sieht die große Chance, in Kontakt mit der außerordentlich aktiven israelischen Start-up-Szene zu kommen. "Die israelischen Firmen orientieren sich traditionell eher in Richtung USA, nur 20 bis 25 Prozent wollen nach Europa", sagte er. Und unter diesen stehe Heilbronn bisher eher nicht auf der Liste ihrer ersten Besuchs-Touren. Das solle sich ändern.

Im Büro der Außenhandelskammer in Israel solle sich künftig eine Kollegin mit einer halben Stelle für den Zukunftsfonds nur um Startups kümmern, so Villinger. "Heilbronn bekommt sozusagen eine eigene Repräsentanz", erklärte er selbstbewusst. Das Ziel sei unter anderem, mittelständische Firmen aus der Region mit den jungen Hightech-Firmen zusammenzubringen. "Wir sind Türöffner und die Firmen hier bekommen Zugang zu wirklich coolen Unternehmen." In welcher Richtung die Zusammenarbeit dann stattfinde, ob die israelischen Firmen nach Deutschland kommen oder umgekehrt - das spiele am Ende gar keine Rolle.

Wie bei all seinen Engagements hat der Zukunftsfonds Heilbronn letztlich den Raum Heilbronn im Fokus. Allerdings könnten beispielsweise bei der Medizintechnik - ein Schwerpunkt des finanziellen Engagements des Zukunftsfonds - auch Firmen aus dem Süden des Landes unterstützt werden. Das alles müsse man abwarten. "Wir werfen da jetzt einfach mal einen Stein ins Wasser."

Neue Perspektiven für den Bildungscampus

Das Engagement soll auch für Institutionen auf dem Bildungscampus neue Perspektiven eröffnen. Die Campus Founders passen zu der anvisierten Zielgruppe in Israel und hätten so direkten Zugang zur Szene dort. Die Technische Uni München (TUM) habe bereits Kontakte zum Weizmann-Institut für Wissenschaften in Rechovot oder zum Technion (Israel Institute of Technology) in Haifa. Diese Verbindungen könnten nun über Heilbronn ausgebaut werden. Wohin Villinger schaut, er sieht überall Chancen.

Geboren wurde die Idee übrigens auf einer Delegationsreise nach China, an der Villinger zusammen mit Hoffmeister-Kraut teilnahm.

 

Andere Bundesländer

Wenn die Einrichtung ihre Arbeit aufnimmt, befindet sie sich in guter Gesellschaft. Im März erst eröffnete das Land Nordrhein-Westfalen eine eigene Repräsentanz in Israel. Bayern ist bereits seit 2018 vor Ort – inzwischen mit einem fünfköpfigen Team. Zahlreiche weitere Bundesländer haben ebenfalls ihre Fühler ausgestreckt. Hintergrund ist die gründerfreundliche Atmosphäre insbesondere für IT- und Hightech-Startups. Der Zukunftsfonds Heilbronn ist mit einem Fonds-Volumen von 200 Millionen Euro einer der großen Risikokapitalfonds in Deutschland. Er investiert vor allem in junge, innovative Technologieunternehmen mit dem Ziel, diese für eine Ansiedlung in Heilbronn zu gewinnen. 

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