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Heilbronner verdienen weniger als Hohenloher

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Eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit zeigt große Unterschiede beim Einkommen - in Deutschland, aber auch in der Region. Akademiker haben es im Landkreis Heilbronn besonders gut.

Foto: Prostock-studio/stock.adobe.com
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In Heilbronn liegt der mittlere Brutto-Verdienst der Arbeitnehmer mit 3602 Euro deutlich unter dem im Landkreis Heilbronn und auch 150 Euro unter dem des Hohenlohekreises. Das geht aus dem neuen Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit hervor. Mit 3950 Euro liegt allerdings auch der Landkreis Heilbronn deutlich hinter dem VW-Standort Wolfsburg, wo Vollzeit-Arbeitnehmer 5089 Euro verdienen.

Angegeben ist hier der Median: Die Hälfte aller Arbeitnehmer verdient also mehr, die andere Hälfte weniger. Bundesweit liegt dieser Mittelwert bei 3401 Euro, in Baden-Württemberg bei 3755.

In der Region ist der Landkreis in vielen Bereichen vorn

Insgesamt ist die Bezahlung im Osten Deutschlands häufig deutlich geringer als im Westen. Die untersten 59 Plätze der nach Landkreisen und kreisfreien Städten geordneten Tabelle belegen Gebietskörperschaften aus den neuen Bundesländern, bevor mit dem Landkreis Südwestpfalz und einem mittleren Bruttoeinkommen von 2763 Euro der erste westdeutsche Landkreis folgt.

Heilbronn steht deutlich besser da. 3602 Euro verdienen hier die Arbeitnehmer im Mittel, im Hohenlohekreis 3755 Euro, im Landkreis Heilbronn - wo wie in Ingolstadt ein Audi-Werk beheimatet ist und dazu mit der Schwarz-Gruppe ein weiterer zugkräftiger Arbeitgeber - 3950 Euro.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist teilweise noch immer gravierend: Im Landkreis Heilbronn verdienten vollbeschäftigte Männer im vergangenen Jahr 4367 Euro und damit 36 Prozent mehr als die Frauen, die bei 3215 Euro lagen. Im Hohenlohekreis betrug der Vorsprung der Männer nur 22 Prozent, in der Stadt Heilbronn sogar nur 17 Prozent.

Auch ohne Ausbildung wird im Hohenlohekreis gut bezahlt

Die Statistik der Bundesagentur differenziert auch nach Alter, Staatsangehörigkeit und Ausbildung. Wenig überraschend haben die Akademiker hier die Nase weit vorn. Ihr mittleres Gehalt liegt im Landkreis Heilbronn bei 6470 Euro, im Hohenlohekreis bei 5175 und in der Stadt Heilbronn bei 5175 Euro. Ohne Berufsabschluss liegen die Werte entsprechend bei 2658 im Landkreis und 2356 in der Stadt Heilbronn, in Hohenlohe bei bemerkenswerten 3273 - das ist der vierthöchste Wert in dieser Kategorie in allen 402 ausgewerteten Kreisen.

Arbeitnehmer mit deutschem Pass verdienen ebenfalls deutlich mehr als Ausländer. Der mittlere Bruttolohn eines Deutschen im Hohenlohekreis liegt ein Drittel über dem eines Nicht-Deutschen. In der Stadt Heilbronn ist der Abstand noch größer, hier verdienen Deutsche 51 Prozent mehr.

Hamburger beim Ländervergleich vorn

Nach Bundesländern wird im Mittel in Hamburg am meisten verdient - 3820 Euro und damit gut 400 Euro mehr als im Mittel von Gesamtdeutschland. Den schlechtesten Verdienst haben mit 2608 Euro im Mittel die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern.

Am wenigsten wird im sächsischen Kreis Görlitz bezahlt. Dort müssen die Menschen mit einem mittleren Bruttoeinkommen von 2380 Euro zurechtkommen. Auf den nächsten Plätzen folgt mit dem Erzgebirgskreis der einwohnerreichste Kreis Sachsens vor dem Saale-Orla-Kreis in Thüringen. Allerdings: Auch in ostdeutschen Städten kann gut verdient werden. So liegen Dresden und Potsdam mit etwa 3200 Euro gleichauf mit den bayerischen Städten Rosenheim und Straubing.


Kommentar: Im Raum Heilbronn gibt es viel gut bezahlte Arbeit. Aber nicht jeder ist ein Top-Verdiener

In Heilbronn, das sonst so oft als einkommensstärkste Stadt Deutschlands gepriesen wird, verdienen die Menschen im Mittel 3600 Euro brutto und damit fast 1500 Euro weniger als in Wolfsburg oder Ingolstadt. Da wirkt die Bundesagentur für Arbeit mit ihrer aktuellen Übersicht doch tatsächlich als Korrektiv und rückt ein paar Dinge zurecht.

Doch jede Statistik hat ihre Schwächen, so auch diese. Hier werden Vollzeit-Arbeitsstellen verglichen, Steuerabzüge bleiben ebenso außen vor wie Kapitalerträge, Mieteinnahmen, Kindergeld oder die Einkommen der Selbstständigen und Unternehmer. Wie viel ein Haushalt an Geld dann zur Verfügung hat, hängt noch von vielen anderen Faktoren ab. Der große Pluspunkt der Statistik ist aber, dass sie den Median angibt anstatt eines Durchschnittswerts, der oft verfälscht wird durch Extremwerte.

Es bleibt die Erkenntnis, dass man in Stadt und Landkreis Heilbronn ebenso wie im Hohenlohekreis im Vergleich zu vielen anderen Regionen Deutschlands sehr gut verdienen kann - und das nicht nur bei Audi, Schwarz und Würth. Freuen können sich darüber jene, die zur besser verdienenden Hälfte gehören. Für die andere Hälfte werden die schnell steigenden Mieten und Immobilienpreise aber zunehmend zur Belastung. Es gibt eben nicht nur die Top-Jobs in der Region.

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