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Heilbronner Firma will Züge voll mit grünem Wasserstoff nach Karlsruhe schicken

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Mit Sonnenenergie sollen in Spanien Alkohol und Wasserstoff produziert werden, in der Raffinerie in Karlsruhe werden daraus E-Fuels: Für dieses ambitionierte Vorhaben hofft der Projektentwickler Viridi RE auf eine Millionenförderung.

Solch ein Solarkraftwerk soll den Strom liefern, um in Spanien Wasserstoff herzustellen. In Deutschland könnte dann grüner Treibstoff daraus werden.
Foto: privat
Solch ein Solarkraftwerk soll den Strom liefern, um in Spanien Wasserstoff herzustellen. In Deutschland könnte dann grüner Treibstoff daraus werden. Foto: privat  Foto: privat

Pack dir die andalusische Sonne in den Tank. So könnte der Werbeslogan für den neuen Kraftstoff lauten, der ab Ende 2024 in Karlsruhe produziert werden soll. Wasserstoff, in Südspanien mit Solarstrom produziert, soll in Deutschland zu sogenanntem E-Fuel werden. Ausgetüftelt hat das Projekt "SolarHy Cordoba" das Heilbronner Unternehmen Viridi RE. Damit alles so kommt wie geplant, braucht es allerdings noch eine Förderzusage aus Berlin oder Brüssel.

Ein Solarpark doppelt so leistungsstark wie der Windpark Harthäuser Wald

"Wir freuen uns wahnsinnig auf das Projekt", sagt Antonio Benitez. Der Viridi-Prokurist stammt aus Nordheim und koordiniert derzeit die Geschäfte im Büro Madrid. Viridi hat als Projektierer bisher vor allem große Photovoltaik-Solarkraftwerke in Spanien entwickelt und gebaut. Jetzt kommt die Herausforderung Wasserstoff dazu.

Vorgesehen ist, dass in Cordoba ein 100-Megawatt-Solarkraftwerk gebaut wird - fast doppelt so leistungsstark wie der Windpark Harthäuser Wald. Mit dem Strom soll vor Ort in Elektrolyseuren mit einer Gesamtleistung von 55 Megawatt Wasserstoff produziert werden, der dann zu alternativen Kraftstoffen wird.

Der grüne Verkehrsminister in Stuttgart steht hinter dem Projekt

Vergangene Woche gab Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) seine Unterstützung für das Projekt bekannt. Es soll Teil der sogenannten Roadmap Refuels sein, mit der die Produktion von klimafreundlichen Energieträgern im Ausland und ihr Transport nach Deutschland untersucht werden soll. Denn in Deutschland wird es in Zukunft wohl kaum genügend grünen Strom geben, um damit auch noch Wasserstoff im großen Stil herzustellen.


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Mit Solarhy Cordoba soll deshalb beantwortet werden, wie und wo Wasserstoff am besten produziert werden kann und wie er dann am besten transportiert wird. "Wir haben vor, die Hälfte in Cordoba in Methanol umzuwandeln", erzählt Daniel Argyropoulos, der bei Viridi die Förderanträge vorbereitet.

Der übrige Wasserstoff soll zusammen mit dem Methanol dann auf der Schiene zur Mineralölraffinerie Miro in Karlsruhe transportiert werden. Was dort daraus wird, ist noch nicht endgültig geklärt.

Namhafte Partner sind beteiligt

Weitere Partner von Viridi RE sind unter anderen Kaco New Energy aus Neckarsulm, Siemens Energy, DB Cargo und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Denn es braucht Know-how, um die vielen offenen Fragen zu klären. Etwa, in welcher Form der Wasserstoff transportiert wird.

Einfache Komprimierung auf 700 bar kommt infrage. Genutzt werden könnte aber auch die LOHC-Technik, mit der Wasserstoff in einer Trägerflüssigkeit gespeichert wird. Vielleicht wird sogar eine neue Methode getestet, die noch nicht außerhalb des Labors erprobt wurde: "H2 Blue Sorbent" heißt die Technologie, die bei gleichem Volumen und Druck bis zu siebenmal mehr Wasserstoff bindet.

Irgendwann muss die Pipeline kommen

Dass ein Transport per Bahn oder auch per Schiff über so weite Strecken die Klimabilanz des grünen Kraftstoffs beeinträchtigt, räumen die Projektverantwortlichen ein. Argyropoulos ist sicher, dass Pipelines irgendwann die bessere Alternative sind. "Doch das dauert noch viele Jahre, wir wollen das Projekt aber jetzt zum Laufen bringen. Wir müssen Erfahrung sammeln."

Schon Ende 2024 soll Wasserstoff in Karlsruhe ankommen, wenn alles nach Plan läuft. Der Bau der großen Photovoltaikanlage auf einem 400 Hektar großen Grundstück bei Cordoba, das auch Raum für eine Erweiterung auf 200 Megawatt bietet, ist dabei keine größere Herausforderung. "Dieses Geschäft kennen wir und das ist auch wirtschaftlich darstellbar", sagt Benitez.

Mehr als 50 Millionen Euro Fördergeld notwendig

Fördergeld sei für die riesigen Elektrolyseure, die Methanol-Konversion und den Transport notwendig. Mehr als 50 Millionen Euro sollen beim Bundeswirtschaftsministerium nun beantragt werden. Als grenzüberschreitendes Projekt wird auch die EU ein Interesse daran haben. "Es geht ja um die langfristige Strategie, auf europäischer Ebene eine Infrastruktur zu schaffen", sagt Argyropoulos.

Aus Würth Solar entstanden

Die Ursprünge von Viridi RE gehen auf die Würth-Sparte Würth Solar in Schwäbisch Hall zurück. Dort waren sowohl der heutige Viridi-Geschäftsführer Patrick Metzger aus Bretzfeld wie auch Prokurist Antonio Benitez aus Nordheim beschäftigt. Mit Würth Solar realisierten sie ab 2006 den Bau großer Photovoltaik-Anlagen in Spanien und später in rund zehn weiteren Ländern in Europa. 2013, nach dem Ende von Würth Solar, wurde das Kraftwerksgeschäft unter dem Namen Ralos weiterentwickelt. 2019 erfolgte die Umbenennung in Viridi RE. Sitz der Firma ist Heilbronn, in Madrid, Padua und Mexico City unterhält das Unternehmen Büros.

 

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