Das Heilbronner Unternehmen Halmosi beteiligt sich an Wasserstoff-Projekt
Es ist ein Mammut-Projekt der US-Firma Nikola für Brennstoffzellen-Trucks: Daran beteiligt ist die Halmosi GmbH aus Heilbronn und das Unternehmen JAG aus Hannover. Es soll ein neues Tesla entstehen.

Es ist wohl das größte Wasserstoff-Projekt weltweit: Tausende Brennstoffzellen-Lkw sollen in wenigen Jahren auf die amerikanischen Highways gebracht werden. Daran arbeitet das amerikanische Unternehmen Nikola. Beteiligt ist das deutsche Unternehmen JA-Gastechnology aus Burgwedel bei Hannover - und mit ihm die Heilbronner Halmosi GmbH. Sie hat für den Zulieferer aus Niedersachsen eine Klimakammer für Tank-Tests gebaut, die alle bisherigen Prüfstände dieser Art weltweit in den Schatten stellt. Bald macht sich die vier Meter hohe und mehr als sechs Meter lange Röhre auf den Weg von den Böllinger Höfen nach Arizona.
Klimakammer aus Deutschland in der US-Wüste
Dort baut Nikola gerade für 600 Millionen Dollar ein Werk in die Wüste. Ab 2023 soll dort der "Truck Two" gebaut werden, ein emissionsfreier Sattelschlepper mit einer Reichweite von rund 1000 Kilometern. 80 bis 100 Liter Wasserstoff müssen dazu getankt werden. Hier kommt die Klimakammer aus Deutschland ins Spiel. Denn so ein Tank muss dicht sein, insbesondere beim Tankvorgang.
Der ist eine Herausforderung. "Das liegt an einer Besonderheit des Wasserstoffs", erklärt Jens Asmuth, Gründer und Geschäftsführer von JA-Gastechnology. Denn während viele Gase abkühlen, wenn sie sich ausdehnen, reagiert Wasserstoff genau umgekehrt. Durch den Druckabfall und die Fließgeschwindigkeit beim Tanken kann sich der Wasserstoff stark erwärmen. "Er darf die 85 Grad aber nicht übersteigen, sonst steigt die Gefahr einer Entzündung", erklärt Asmuth. Also muss der Wasserstoff gekühlt werden, damit ein Pkw in drei bis fünf, ein Lkw in etwa 15 Minuten betankt werden kann. Schneller geht es nicht.
Die Zauberbox aus den Böllinger Höfen
Das alles muss in der Klimakammer unter verschiedenen Umgebungstemperaturen funktionieren - zwischen minus 40 Grad wie in Finnland und plus 60 Grad wie in der Wüste. Hans Halmosi ermöglicht bei einer Online-Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn (WFG) einen Einblick in die dick isolierte "Zauberbox", wie Halmosi sie bezeichnet. Hydraulisch angetrieben dreht sich der mächtige Verschluss, dann öffnet sich die Tür. Drinnen ist Platz für Tanks, einen großen Wärmetauscher und zahlreiche Sensoren, die auch die unvermeidlichen, kleinsten Leckraten nachweisen. Auch betankt werden die Tanks hier drin. Auf diese Weise können sie entsprechend den strengen US-Vorschriften abgenommen werden.
Wasserstoff ist ein sehr flüchtiges Gas, dessen Moleküle durch kleinste Ritzen entkommen können. Entsprechend dicht muss die Klimakammer sein. Und auch die Tanks hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt, erklärt Asmuth. Heute könnten Fahrzeuge monatelang ohne nennenswerten Verlust abgestellt werden.
Wasserstoff-Boom in den USA
Die USA erleben beim Thema Wasserstoff bereits einen kleinen Boom. Gerade in Kalifornien, wo strenge Emissionsrichtlinien gelten, sind Brennstoffzellen-Autos so beliebt, dass sich an den Tankstellen inzwischen schon Staus bilden. Mit dem Nikola-Projekt könnten sich diese Probleme noch verschärfen. Allein der Bierhersteller Anheuser-Busch hat 800 der Wasserstoff-Trucks bestellt - weil er sich davon spürbare Einsparungen erhofft. "Strom ist in den USA natürlich günstiger als in Deutschland", schiebt Jens Asmuth hinterher.
So wurde Nikola auch schnell als das Tesla der Lkw-Branche bezeichnet. Die Parallele war durchaus erwünscht. Schon der Name weist darauf hin: Beide bedienen sich beim Namen des Elektropioniers Nikola Tesla - der eine übernahm den Nachnamen, der andere den Vornamen. Der Hype war groß und wurde gezielt angefacht, bis Betrugsvorwürfe vieles infrage stellten. Die Aktie stürzte ab.
Politik bremst in Deutschland
Doch das Projekte geht weiter, davon sind die deutschen Partner überzeugt. Sowohl Jens Asmuth als auch Hans Halmosi glauben an eine große Zukunft des Wasserstoffs. Schon jetzt könne es sich für Unternehmen lohnen, Photovoltaik vom Hallendach selbst für die Wasserstoff-Produktion zu nutzen. "Nur die Politik macht es uns noch schwer", sagt Asmuth.
Audi bleibt zurückhaltend
Die Firma von Jens Asmuth, JA Gastechnik, kommt aus der Abgasmesstechnik. Doch der Bedarf für Systeme dieser Art sinkt. "Deshalb sind wir mit Vollgas in den Wasserstoff eingestiegen, und das schon vor zehn Jahren", sagt Asmuth. Hans Halmosi hat ebenfalls schon seit Jahren mit Wasserstofftechnik zu tun und bereits mehrere Klimakammern für JA-Gastechnology hergestellt. Weitere sollen folgen.
Nachdem die Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn (WFG) die Veranstaltung mit Halmosi angekündigt hatte, gab es bei WFG-Geschäftsführer Patrick Dufour erste Vermittlungsanfragen.
Bei Audi in Neckarsulm geht die Brennstoffzellenentwicklung zwar weiter, doch Tanktechnik bleibt Zulieferer-Thema. "Aktuell ist nicht geplant, Klimakammern zum Testen von Wasserstofftanks anzuschaffen", heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Für JAG-Chef Asmuth keine Überraschung. "VW versucht, das Thema klein zu halten." Deshalb passiere auch bei Audi derzeit nicht viel. "Die Leute bei Audi sind heiß drauf, aber sie werden blockiert." Für Asmuth nicht nachvollziehbar. "Der Q6 wäre prädestiniert für einen Brennstoffzellen-Antrieb."
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