Heilbronner Biotech-Spezialist PPS findet neuen Partner
Das Heidelberger Unternehmen Genewerk kauft das wachstumsstärkste Unternehmen des Zukunftsfonds Heilbronn am Standort Heilbronn. Überall soll expandiert werden. Zufriedenheit herrscht auf beiden Seiten.

"Mission erfüllt“, kommentiert Thomas Villinger, Geschäftsführer des Zukunftsfonds Heilbronn (ZFHN), den Verkauf des Heilbronner Unternehmens PPS an die Heidelberger Genewerk. Der Risikokapitalfonds hat damit ein weiteres Unternehmen zu namhafter Größe wachsen lassen und fit für den Verkauf gemacht.
Das neue Unternehmen bündelt die Aktivitäten der zwei Analytik-Spezialisten. Der Standort Heilbronn bleibe ein zentrales Standbein mit großem Wachstumspotenzial, versichert der bisherige und künftige PPS-Chef Martin Blüggel.
Zukunftsfonds bekommt durch Verkauf wieder finanziellen Spielraum
Über die finanziellen Bedingungen bewahren die Akteure Stillschweigen. Nur so viel verrät Villinger: Mit dem gewinnbringenden Verkauf der Protagen Protein Services, die der Zukunftsfonds 2006 noch unter dem Namen Panatecs aus Tübingen nach Heilbronn geholt hat, ist der Spielraum für weitere Beteiligungen des Seedfonds Born2Grow und des Zukunftsfonds deutlich gewachsen.
Spezialisierter Fonds aus den USA bringt das nötige Kleingeld mit
Hinter dem Käufer aus Heidelberg steht der amerikanische Risikokapitalfonds Ampersand mit einem Volumen von zwei Milliarden Dollar - er ist also knapp zehn Mal so groß wie der ZFHN. "Ampersand ist auf Life Science spezialisiert, das ist auch gut für uns", sagt PPS-Chef Blüggel.
Eine Verlagerung der Firmen in die USA sei dabei sicherlich kein Hintergedanke. "Wir sind Dienstleister und leben von den Köpfen, die wir beschäftigen. So ein Geschäft kann man nicht verlagern." Die Voraussetzungen, im Heilbronner Zukunftspark Wohlgelegen zu expandieren, seien exzellent. "Wir fühlen uns in Heilbronn sehr wohl und wollen hier ebenso wie in Dortmund erweitern", sagt Blüggel.
Bereits in diesem Jahr seien an den zwei Standorten zwölf Mitarbeiter eingestellt worden. So soll es weitergehen. "Und Heilbronn ist inzwischen so attraktiv, dass wir von daher keine Probleme haben, Leute zu finden", sagt Blüggel.
Inhaltlich soll es eine Fusion werden
Formal wird PPS durch Genewerk übernommen. Doch die Heilbronner sind der deutlich größere Partner und behalten - wie Genewerk - vorerst Namen und Struktur. Seit 24 Jahren steht der 51-jährige Blüggel, der PPS 1998 in Dortmund gegründet hat, an der Spitze der Firma. Das wird so bleiben, ebenso wie bei Genewerk die Geschäftsführung an Bord bleibt. Dennoch ist es für Blüggel inhaltlich eine Fusion. "Wir vereinen unsere Kräfte, dafür brauchen wir jede Hand."
140 Mitarbeiter bringt PPS mit, zusammen mit den rund 35 Mitarbeitern von Genewerk wird die neue Firmengruppe 175 Mitarbeiter an vier Standorten in Europa und Nordamerika haben. Beide Firmen sind in der Analytik tätig. So hat sich Genewerk darauf spezialisiert, Medikamente in der Gentherapie darauf hin zu untersuchen, wie sie funktionieren.
Ganz ähnlich dazu ist PPS dabei, Firmen bei der Entwicklung von Medikamenten zu unterstützen, von der Forschung bis in die klinischen Studien und darüber hinaus. Blüggels Vision ist, "noch viel mehr bei der Medikamenten-Entwicklung zu helfen", wie er es formuliert. Auch bei der US-Tochter BioAnalytix, die 2019 übernommen wurde, ist eine Expansion vorgesehen.
Der Cluster in Heilbronn darf weiter wachsen
Für Heilbronn bedeutet der Schritt, dass der kleine Biotech- und Medizintechnik-Cluster gestärkt wird. Dies sei dem Zukunftsfonds zu verdanken, betont Blüggel. Der ZFHN habe es PPS ermöglicht, dieses Niveau zu erreichen. Zu Vergleichen mit Biotech-Zentren wie Martinsried bei München sieht Martin Blüggel keinen Anlass. "Unsere Kunden sind international tätig, da ist Heilbronn ein guter Standort."
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