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Handwerker sehen Ende des Booms

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Die Handwerkskammer Heilbronn fürchtet Zurückhaltung bei Kundschaft, weil Preise zu schnell steigen und Lieferengpässe ihr Übriges tun. "Werden massiv ausgebremst", sagt ein Elektromeister.

Nicht nur der Baustahl wird teurer. In vielen Bereichen sind die Preisaufschläge so drastisch, dass mancher potenzielle Auftraggeber zurückzieht.
Foto: dpa
Nicht nur der Baustahl wird teurer. In vielen Bereichen sind die Preisaufschläge so drastisch, dass mancher potenzielle Auftraggeber zurückzieht. Foto: dpa  Foto: Hauke-Christian Dittrich

Die Auswirkungen der derzeitigen Krisen wirken sich zunehmend auf das Handwerk aus. Bei der Frühjahrssitzung der Handwerkskammer Heilbronn betonte Präsident Ulrich Bopp: "Die aktuell wegen des Ukraine-Krieges rasant steigenden Preise für Strom, Gas und Treibstoffe entwickeln sich zunehmend zu einer ernsten Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks."

Betonstahl dreimal so teuer wie vor einem Jahr

"Vor allem Betonstahl ist aktuell nur schwer zu bekommen", berichtet Bauunternehmer Bopp. Die Preise lägen dreimal so hoch wie im Vorjahr. Auch bei mit Öl erzeugten Materialien wie PVC-Rohren, Styropor und Dämmstoffen gebe es starke Preisanstiege.


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Damit steht die Baubranche nicht allein. Im Nahrungsmittelhandwerk gebe es deutliche Umsatzeinbrüche, betont Fleischermeister und Innungsobermeister Harald Hohl. "Wegen den Preisaufschlägen gehen viele Kunden lieber zum Discounter."

Sein Kollege von der Bäckerinung, Bernhard Kuhn, befürchtet, dass sich die Situation noch verschlimmert. "Wir mussten in diesem Jahr schon das zweite Mal die Preise erhöhen. Und Betriebe mit großem Filialnetz, das beliefert werden muss, trifft es wegen der hohen Spritpreise noch härter", so der Obermeister.

Reparaturen werden zurückgestellt

Kfz-Mechanikermeister Rainer Biedermann sieht erste Zurückhaltung bei den Kunden. "Da werden Reparaturen schon mal zurückgestellt oder schwarz gemacht, weil die Werkstatt zu teuer ist."

Elektroinstallateurmeister Arno Feuchter aus Öhringen befürchtet, dass Betriebe bald Kurzarbeit anmelden müssten, weil sie kein Material bekommen. "Wir werden massiv ausgebremst, weil es überall klemmt. Zähler, Kabel oder Schalter sind nicht zu bekommen."

Schreinermeister Michael Ehrler berichtet, dass viele Kunden bereits auf Preiserhöhungen warten und vermutet, dass einige Hersteller das für sich nutzen. "Aber wir sitzen doch alle auf dem gleichen Ast, an dem jetzt gesägt wird", betont er. Kammerpräsident Bopp gab ihm recht: "Nächstes Jahr wundert man sich dann, wenn sich niemand mehr ein Haus leisten kann."

Politik auf Ungerechtigkeiten hinweisen

Nach wie vor stören sich viele Handwerker an der aus ihrer Sicht ungerechten Verteilung der Lasten und Unterstützungsangebote. "Wenn Aktiengesellschaften großzügig Kurzarbeitergeld einstreichen, um dann hohe Gewinne auszuschütten, sollte man mal über eine Sonderabgabe nachdenken", findet Elektroinstallateurmeister Ralf Rothenburger.

Maurermeister Wolfgang Hammel fürchtet, dass auch bei den nächsten Wirtschaftshilfen für vom Krieg betroffene Unternehmen "die Autoindustrie sicher wieder die Hand aufhalten wird." Dabei sollten die Hilfen besser ins Handwerk gehen.

Entlastung bei Energiepreisen begrüßt

"Viele Politiker sehen diese Ungerechtigkeit nicht", kritisierte auch Ulrich Bopp. Bestes Beispiel sei die Rückzahlung der Soforthilfe, die kleine Betriebe wie Friseure und Kosmetiker besonders betroffen habe, weil sich die Förderrichtlinien ständig änderten und nicht der gesamte Zeitraum des Lockdowns bei der Berechnung der Umsatzausfälle berücksichtigt wurde. "Ich hatte die Soforthilfe zwar beantragt, aber direkt zurückgezahlt, als die Bedingungen geändert wurden", bestätigte auch Friseurmeisterin Sabine Hammel aus Ilshofen. Überbrückungshilfe und Unternehmerlohn habe sie später bekommen.

Die geplanten Entlastungen bei den Energiekosten hält der Kammerpräsident für bitter notwendig. "Das hilft auch Handwerksbetrieben, für die es unabdingbar ist, mit ihren Fahrzeugen zu den Kunden zu fahren", so Bopp.

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