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Gipfeltreffen der Weltmarktführer: Wie man Schwächen zu Stärken macht

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Beim Gala-Dinner des Weltmarktführer-Gipfels erzählt Reinhold Würth von der unglaublichen Entwicklung seines Unternehmens und die Sportlerin Denise Schindler von Hürden, die sie überwunden hat.

Bahnradfahrerin Denise Schindler in Gespräch mit Varinia Bernau (WiWo)
Bahnradfahrerin Denise Schindler in Gespräch mit Varinia Bernau (WiWo)  Foto: Christian Gleichauf

Mit einem Bein über die Alpen radeln, gemeinsam mit Männern, die das nicht mal merken? Als die heutige Leistungssportlerin Denise Schindler beim Gala-Abend des Gipfeltreffens der Weltmarktführer im Carmen-Würth-Forum in Künzelsau von ihrem Werdegang erzählt, erntet sie von manchen Zuschauern ungläubiges Kopfschütteln.

Einzigartiger Rahmen für den Weltmarktführer-Kongress

Es ist der unterhaltsame Schlusspunkt des Abends. Zuvor hatten die Gäste bereits das Vergnügen, einen Blick ins Museum zu werfen und einigen Vorträgen der Würth-Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Dirigent Claudio Vandelli zu lauschen.

"Das sind Zugaben, die sind einzigartig unter den Kongressen in Deutschland", dankte Mitorganisator Walter Döring dem Gastgeber an diesem Abend, Reinhold Würth.

Der Unternehmer erzählte anschließend trocken davon, dass er seit 1949 "nichts anderes getan habe, als Befestigungsteile verkauft". Er müsse sich bis heute manchmal ins Ohr zwicken, wenn er nach Gaisbach fahre und sehe, was aus dem Unternehmen in den mehr als 70 Jahren geworden ist.

Der erste Umsatz, für den er 1955 verantwortlich war, habe bei 175 000 Mark gelegen. Jetzt liegt er bei 17,1 Milliarden. Aus zwei Mitarbeitern in der Anfangszeit sind 83.000 geworden.


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Einer, der noch immer gerne mitmischt

Eigentlich sei seine Tochter Bettina an diesem Abend die Hauptperson. Als Beiratsvorsitzende der Würth-Gruppe stehe sie ja an der Spitze der Firmenhierarchie. "Aber ich freue mich immer, wenn ich noch ein bisschen mitmischen darf", räumte der 86-Jährige freimütig ein und erntete dafür das wissende Gelächter des Publikums.

Mit zwei Jahren das Bein verloren

Reinhold Würth, Betina Würth und Walter Döring zusammen mit Robert Friedmann (re.) und dem Dirigenten der Würth-Philharmoniker Claudio Vandelli (2.v.l.)
Reinhold Würth, Betina Würth und Walter Döring zusammen mit Robert Friedmann (re.) und dem Dirigenten der Würth-Philharmoniker Claudio Vandelli (2.v.l.)  Foto: Christian Gleichauf

Später sprach "Wirtschaftswoche"-Moderatorin Varinia Bernau mit der Bahnradfahrerin Denise Schindler, die im Alter von zwei Jahren in Chemnitz, dem damaligen Karl-Marx-Stadt, unter eine Straßenbahn geraten war und dabei den rechten Unterschenkel verlor.

Die heute 36-Jährige erzählte von ihrer unsportlichen Kindheit und dem Aha-Erlebnis, als sie als 18-Jährige auf einem Spinning-Rad erstmals das Gefühl hatte, mit anderen mithalten zu können.

Wenig später buchte sie eine Alpenüberfahrt mit dem Mountainbike. Vor den "zweibeinigen Männern", die da mitfuhren, verheimlichte sie ihr Handicap erst einmal. Als dann herauskam, dass hier eine Frau mit einem Bein so schnell unterwegs war, wurde sie beim zweiten Alpencross angesprochen, ob sie nicht Rennen fahren wolle.

Ausreden auch vor sich selbst nicht gelten lassen

Sie wollte. Sie machte Fortschritte. "Ich war im Oberkörper anfangs aber vergleichsweise unruhig." Das fehlende Bein sei dafür eine willkommene Erklärung gewesen. Doch dann habe sie das gezielt trainiert. Heute sei sie im Oberkörper ruhiger als ihre Sportkameradinnen. Aus der Schwäche wurde ihre Stärke.

Denise Schindler wurde Weltmeisterin, erfuhr sich Silber- und Bronzemedaillen bei den Paralympics, war in Weltrekordzeiten unterwegs. Eloquent beschrieb sie, wie sie für jedes Problem auch eine Lösung fand. Finanziell konnte sie sich den Leistungssport anfangs kaum leisten.

"Für den Weltmeistertitel bekam ich ein Trikot,einen Blumenstrauß und eine Medaille. Punkt." Von der Sporthilfe gab es damals 150 Euro monatlich. Heute vermarktet sie sich und ihre Erfolge - und auch das mit Erfolg.

 
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