Gesuchte Helfer bei der Effizienzsteigerung im Audi-Werk
Doppelte Geschwindigkeit, halbe Kosten? Das Joint Venture XL2 von Audi und Capgemini muss schnell wachsen, wenn der Autobauer seine Ziele erreichen will. Personal ist auch hier der "limitierende Faktor", wie Geschäftsführer Felix Spitznagel erklärt.

Ein Start-up der etwas anderen Art ist vor zweieinhalb Jahren in Heilbronn gestartet. XL2 ist ein Joint Venture von Audi mit dem Consulting-Unternehmen Capgemini. Es soll die Digitalisierung von Produktion und Logistik bei Audi voranbringen. Schließlich hat der Autobauer das Ziel ausgegeben, seine Kosten bis in zehn Jahren zu halbieren und seine Geschwindigkeit zu verdoppeln. Um Aufträge muss sich Geschäftsführer Felix Spitznagel deshalb keine Sorgen machen. Eher darum, nicht genügend Leute zu finden.
Immer mit dabei: SAP, KI und Cloud
Denn Audi kann die Unterstützung der SAP- und Cloudspezialisten von XL2 gut gebrauchen. In der Produktion wurden mehrere Projekte angestoßen, etwa die Überwachung und Auswertung des Punktschweißens oder die optische Risserkennung. In beiden Fällen kommt Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz, Daten wandern in die Cloud.
So passiert das auch bei einem neuen Projekt, der Fahrwerks- und Scheinwerfer-Einstellung. "Wenn da etwas verändert werden sollte, ist ein Mitarbeiter mit USB-Stick von Anlage zu Anlage gelaufen und hat die neuen Daten aufgespielt", erzählt Spitznagel. "Unsere Lösung ist: Wir binden alle Anlagen in die Cloud ein."
Dazu brauche es Schnittstellen, Übersetzungsprogramme für die verschiedenen Anlagen, die von jedem Hersteller unterschiedlich programmiert wurden. Dann aber könne man die Daten dieser Anlagen zentral auslesen, von einer KI auswerten lassen. Und natürlich braucht dann keiner mehr mit dem USB-Stick durch die Gegend zu laufen.
Spitznagel: Mehr als 100 Bewerbungsgespräche online geführt
Neben Spitznagel in Heilbronn ist Marie-Fleur Revel Geschäftsführerin bei XL2 in Ingolstadt. 120 Mitarbeiter hat das junge Unternehmen bereits, 90 davon am Standort Heilbronn, 30 in Ingolstadt, wo es seit November 2020 ein Büro am Audi-Stammsitz gibt. Ein Großteil der Belegschaft befindet sich ohnehin im Homeoffice.
"Ich habe mehr als 100 Bewerbungsgespräche online geführt, so viele Leute eingestellt, und bin ihnen dann erst nach vielen Monaten im echten Leben begegnet", sagt Spitznagel, der mitten in der Corona-Zeit den Posten übernahm.

Ein Vorteil: Durch die Flexibilität in der Zusammenarbeit auch über räumliche Distanzen hinweg ist auch in den Räumen im Innovationspark hip an der Edisonstraße noch Platz für Wachstum. 200 Mitarbeiter soll XL2 bis Ende 2023 haben. Ein immer größeres Problem ist nur, die offenen Stellen zu besetzen. Der direkte Draht zur Hochschule Heilbronn und auch zur Programmierschule 42 hilft, löst aber auch nicht alle Probleme.
Schuldenfrei und in einem starken Verbund
Zumindest finanziell unbelastet geht es jetzt in die Zukunft. "Wir sind ab Ende des Jahres schuldenfrei", sagt der 46-Jährige. Die Verwaltungsarbeit übernimmt zum Teil die Muttergesellschaft. "Wir gehören formal zur Capgemini-Gruppe, der 51 Prozent der Anteile gehören", erzählt Spitznagel.
Der französische Konzern beschäftigt mehr als 350.000 Mitarbeiter weltweit und bietet somit auch die Möglichkeit, für einzelne Projekte zusätzliche Fachkräfte beizusteuern, insbesondere für Programmierarbeiten. "Da müssen wir das eine oder andere auch in Polen oder Indien machen lassen."
Der limitierende Faktor
Es geht um Geschwindigkeit. Das gilt in der Transformation grundsätzlich, und bei Audi ganz besonders. Produktionsvorstand Gerd Walker hat zuletzt das Ziel ausgegeben: "Wir wollen die Fabrikkosten halbieren, den Speed verdoppeln."
Spitznagel ist überzeugt: "Wir können diese Effizienzsteigerungen erreichen." Die Digitalisierung der komplexen Logistik-Abläufe zum Beispiel braucht aber auch Zeit. "Das für mehr als 60 Werke des VW-Konzerns weltweit umzusetzen, wird uns wahrscheinlich bis über das Jahr 2035 hinaus beschäftigen", sagt Spitznagel.
Das fehlende Personal im IT-Bereich sei hier ein "limitierender Faktor". Wenn sich in Deutschland nicht grundsätzlich etwas ändere, dann würden sich die Unternehmen irgendwann nur noch gegenseitig die Mitarbeiter abwerben.
Leitwerk Neckarsulm
Audi in Neckarsulm ist das Leitwerk für die Digitalisierung von Produktion und Logistik im VW-Konzern. Es spiele diese zentrale Rolle auch weiterhin, ist XL2-Geschäftsführer Felix Spitznagel überzeugt. Es gebe vieles, was im Raum Heilbronn besonders einfach umzusetzen sei - wegen der kurzen Wege und auch wegen der Vorteile, die der Bildungscampus und das Netzwerk Automotive Initiative 2025 (AI25) biete. "Hier gibt es die Möglichkeit, die Transformation strategisch und wissenschaftlich voranzutreiben."
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