Stimme+
Ingelfingen/Cambridge
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Gemü-Ventile machen aus einem Beatmungsgerät zwei

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Ein Institut in England hat gemeinsam mit der Hohenloher Firma Gemü eine Apparatur entwickelt, die in Notfällen dazu beiträgt, Beatmungskapazitäten zu erhöhen. Verlaufen weitere Tests positiv, ist der Nachbau ausdrücklich erlaubt.

Gemü unterstützt die Entwicklung eines neuen Systems, das die bestehenden Beatmungskapazitäten in Notfällen verdoppelt. Das Gerät wird derzeit getestet und soll dann als Bauanleitung ins Internet gestellt werden.
Foto: privat
Gemü unterstützt die Entwicklung eines neuen Systems, das die bestehenden Beatmungskapazitäten in Notfällen verdoppelt. Das Gerät wird derzeit getestet und soll dann als Bauanleitung ins Internet gestellt werden. Foto: privat  Foto: privat

Not macht erfinderisch. Der Ventilhersteller Gemü aus Ingelfingen hat mit seinem Know-how und seinen Produkten das Institute for Manufacturing of Cambridge (IfM) dabei unterstützt, in Notfällen vorhandene Beatmtungskapazitäten zu verdoppeln. Das System sieht vor, dass zwei Patienten gleichzeitig von einem Beatmungsgerät beatmet werden können. Zugelassen ist die Apparatur allerdings noch nicht.

Von ersten "Splittern" rieten die Ärzte ab

Die Idee ist nicht ganz neu. In Online-Foren waren schon zu Beginn der Corona-Pandemie Anleitungen zu finden, wie durch einfache Einbauten aus einem Beatmungsschlauch zwei oder sogar noch mehr werden können. Ärztevereinigungen warnten jedoch bald schon vor diesen Lösungen.

Da schon unter idealen Bedingungen das Sterberisiko von beatmeten Patienten bei rund 50 Prozent lag, könne diese Rate drastisch ansteigen, wenn mehrere Patienten an ein System angeschlossen werden. Eine individuelle Steuerung war nicht möglich. Zudem steigt bei solchen einfachen Lösungen die Gefahr, dass Krankheitserreger von einem Patienten auf den anderen übertragen werden.

Daraufhin trat das NHS Papworth Hospital im englischen Cambridge mit der Frage an das IfM heran, ob es nicht eine sichere Möglichkeit gebe, den Luftstrom aufzuteilen. Es sollte gewährleistet sein, dass eine Verschlechterung oder Verbesserung der Atmung bei einem Patienten keine Auswirkungen auf die Luftzufuhr oder die Überwachung des anderen Patienten hat. Zudem sollte das System einfach zusammenzubauen und zu bedienen sein.

Dazu entwickelte das IfM ein Auslesemessgerät, das die Echtzeit-Messung des Atemzugvolumens für jeden Patienten sowie die Überwachung des Gesamtdrucks und des Luftstroms im Gerät ermöglicht. Um den Luftstrom für jeden Patienten individuell abstimmen zu können, werden Ventile benötigt, die zum einen eine exakte Dosierbarkeit des Luft-Sauerstoff-Gemischs gewährleisten und die zum anderen leicht zugänglich sein sollten.

Gemü-Experten lieferten das passende Ventil

Zur Lösung dieser beiden Herausforderungen arbeiteten die Wissenschaftler auch mit den Spezialisten des Ventilherstellers Gemü zusammen. Diese berechneten die optimalen Durchflussraten des Luft-Sauerstoff-Gemisches und lieferten auch das passende Ventil.

Dabei spielte sogar das Design der Gemü-Ventile eine wichtige Rolle, weil deren Handräder die einzigen Teile sind, die sich außerhalb des Gehäuses befinden, so dass die Ärzte die Luftströme für jeden Patienten separat einstellen können.

Die Anleitung soll öffentlich zugänglich sein

Erste Tests des Geräts mit künstlichen Lungen sind erfolgversprechend ausgefallen, so dass erste Details des Apparates, der als mobile Anlage entwickelt wurde, jetzt auf der Website des IfM frei verfügbar sind. Die Website mit den vollständigen Design- und Testdetails wird aktualisiert, sobald das Gerät für den Einsatz freigegeben ist. So kann es weltweit kurzfristig nachgebaut werden, sollten Beatmungskapazitäten nicht ausreichen.

"Wir sind sehr stolz darauf, an diesem Projekt beteiligt zu sein. Das Gerät wird vor allem in den Ländern Leben retten, die nicht über die Mittel verfügen, um ausreichend Beatmungsgeräte zu beschaffen", kommentiert Gemü-Chef Gert Müller den Beitrag von Gemü und die Zusammenarbeit mit dem IfM.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben