Gemü-Gründer Fritz Müller gestorben
Mit dem von ihm entwickelten Kunststoffventil baute er im Kochertal einen Weltmarktführer auf. Der Unternehmer wurde 82 Jahre alt.

Er war ein Erfinder, ein pfiffiger Unternehmer und ein Mann der klaren Worte. Fritz Müller, Gründer des Ingelfinger Ventil-, Mess- und Regeltechnikunternehmens Gemü, ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 82 Jahren nach längerer Krankheit gestorben.
Früh zeigte der in Stuttgart-Hedelfingen geborene Fritz Müller ein Faible für Technik. In seiner Jugend faszinierten ihn Modellflugzeuge. Also konstruierte er sie selbst, ebenso wie Seifenkisten. Bei Christian Bürkert in Ingelfingen ging er in den 1950er Jahren dann in die Feinmechaniker-Lehre, wo er besonderen Innovationsgeist und Wissensdurst zeigte.
Er verließ Bürkert, absolvierte ein Studium an der Feintechnikschule in Schwenningen und sammelte weitere Berufserfahrung in der Versuchsabteilung der Herion-Werke in Stuttgart.
Bei Herion lernte er seine Frau Ingrid kennen
Dort lernte Fritz Müller Ingrid Ruchser kennen. Er fand mit ihr die Frau fürs Leben. 1964 heiratete das Paar. Bald schon wuchs mit der Geburt von Tochter Regina und des Sohnes Gert die Familie.
Beruflich zeigte Fritz Müller Weitsicht. 1963 läutete er einen Paradigmenwechsel in der Ventilwelt ein: Er hatte das weltweit erste Magnetventil aus PVC entwickelt. Vom Erfolg überzeugt, gründete er 1964 die "Gemü - Gebrüder Müller Apparatebau".
Der Bruder im Namen war damals nötig, um bei den Banken nicht allein dazustehen. Denn das schnelle Wachstum musste finanziert werden, und bald brauchte es auch ein Firmengelände. Die Wahl fiel auf Criesbach. Schon 1974 zählte die Belegschaft mehr als 100 Mitarbeiter.
Für die Mitarbeiter galt Müller bis ins hohe Alter als ein Chef alter Schule. Manchmal ruppig, immer auf der Höhe der Zeit. Besuchern zeigte er mitunter auch stolz die zahllosen Leitz-Ordner, die mit seinen Patenten gefüllt waren. Unternehmerisch stellte er die richtigen Weichen. Er erkannte früh die Chancen, die Pharma- und Lebensmittelbranche boten. Egal wie schlecht es den Leuten geht, so erklärte er, Essen und Arznei, das brauche man immer.
Internationales Wachstum seit den 80er Jahren
Ab 1981 expandierte Gemü auch international. Fritz Müller gründete damals gleich fünf Auslandsgesellschaften. Weitere folgten. In Hohenlohe ließ er den Gemü-Dome in Niedernhall-Waldzimmern bauen, das Entwicklungs- und Innovationszentrum, wo er auch dann noch seiner Tüftlerleidenschaft nachging, als sein Neffe Stephan Müller und sein Sohn Gert die Geschäftsführung übernommen hatten. Heute beschäftigt das Unternehmen 2100 Mitarbeiter.
Sein Engagement für die Heimat wurde vielfach gewürdigt, unter anderem mit der Ehrennadel des Landes und dem Bundesverdienstkreuz. Fritz Müller hatte sich etwa für den Erhalt des Torwächterhauses in Ingelfingen oder der Villa Schüssler in Künzelsau eingesetzt. Der Stadt Niedernhall spendete er mit dem Salzsiederbrunnen ein Denkmal. Das Ingelfinger Fass, das er in den Weinbergen über Criesbach erbauen ließ, zeugt auch künftig von seiner Liebe zum Weinbau.
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