Stimme+
Forchtenberg
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Für die Nachbarn ist Müller Co-ax am liebsten unsichtbar

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Der Ventilhersteller aus dem Kochertal hat ein exklusives Geschäftsfeld besetzt, ist ein Weltmarktführer und muss sich dennoch auf Veränderungen vorbereiten. Unternehmenschef Friedrich Müller verrät erstmals ein paar Zahlen. Das Motto bleibt: Bloß kein Massengeschäft.

Friedrich Müller (li.) und Antonio Erriu auf dem Dach des Müller-Co-ax-Turms. Im Hintergrund das Erweiterungsgelände, wo die neue Fertigung entstehen wird.
Foto: Gleichauf
Friedrich Müller (li.) und Antonio Erriu auf dem Dach des Müller-Co-ax-Turms. Im Hintergrund das Erweiterungsgelände, wo die neue Fertigung entstehen wird. Foto: Gleichauf  Foto: Gleichauf, Christian

Friedrich Müller hat ein paar Leidenschaften. Schnelle Autos gehören dazu. Vor allem aber für den Fußball hat er immer gebrannt. Hauptsponsor und Präsident des VfR Heilbronn war er. Forchtenberger ist der Vorstandschef des Ventilherstellers Müller Co-ax dabei immer geblieben, auch wenn er inzwischen in Neuenstadt wohnt.

Mit der Genehmigung, dass sein Unternehmen nun hier neben dem Kocher Platz für eine große Erweiterung bekommt, ist er deshalb eine große Sorge los. "Wir hatten wirklich überlegt, ob wir nicht wegziehen müssen", sagt Müller.

Früh hat er Verantwortung übernehmen müssen

Ob der 54-Jährige damit ernst gemacht hätte, ist nicht mehr relevant. Seit 32 Jahren führt er die Firmengruppe, seitdem sein Vater überraschend starb und er im Alter von 22 Jahren das Unternehmen übernehmen musste.

Seitdem ist es etwa um das Zehnfache gewachsen. Jetzt, 61 Jahre nach der Gründung, steht Müller Co-ax aber vor Veränderungen. Einerseits halten sich einige Kunden coronabedingt zurück, andererseits gibt es neue Pläne und Geschäftsfelder.

Friedrich Müller mit einer Kombination nach seinem Geschmack: Ein Koaxialventil, das für einen Fußballpokal verwendet wurde.
Friedrich Müller mit einer Kombination nach seinem Geschmack: Ein Koaxialventil, das für einen Fußballpokal verwendet wurde.  Foto: Christian Gleichauf

Eine Investition in den Fußball, die sich gelohnt hat

Auch in der Führungsspitze tat sich zuletzt etwas. Antonio Erriu wurde Anfang des Jahres neues Vorstandsmitglied, zuständig für den Vertrieb. "Toni war Jugendspieler beim VfR in der Oberliga, da haben wir uns kennengelernt." So sei der Lauffener 2004 nach Forchtenberg gekommen und hat sich seitdem hochgearbeitet. Da habe sich die Investition in den Fußball also doch gelohnt, meint Friedrich Müller, den Weggefährten Friedel nennen.

Müller Co-ax ist ein Spezialist. Die Koaxialventile, die Friedrich Müllers Vater Gottfried erfand, tragen heute rund 70 Prozent zum Umsatz des Müller-Konzerns bei. Tochterfirmen wie M-Tech und Quadax sind erfolgreich in verwandten Bereichen wie Absperrklappen und Gasabfüllsystemen unterwegs.

Wo die Ventile überall zum Einsatz kommen

Bekannt ist Müller aber für die Spezialventile, mit denen sich die Forchtenberger auch von den größeren Nachbarn Gemü und Bürkert in Ingelfingen abgrenzen, die andere Geschäftsfelder bedienen

Koaxialventile kommen in Werkzeugmaschinen zum Einsatz, etwa in der Automobilindustrie. Aber auch in der Raumfahrt werden die Ventile eingesetzt, beim DLR an den Prüfständen im Harthäuser Wald, in Raketen der amerikanischen Firma Space X. Auch mit Raumfahrt-Startups wie Hyimpulse in Neuenstadt ist man im Geschäft. Als nächstes Zukunftsthema stellt sich Müller Co-ax auf die Wasserstoff-Technik ein. Den Durchfluss eines Gases bei hohem Druck zu regeln ist eine Kernkompetenz der Forchtenberger. "Das braucht man künftig an jeder Tankstelle", sagt Friedrich Müller.

Made in Forchtenberg

"Wir legen keinen Wert auf Massenproduktion, das überlassen wir anderen", sagt Müller. So gibt es auch keine Produktion in Billiglohnländern. "Made in Germany bedeutet bei uns made in Germany."

Rund 350 Mitarbeiter arbeiten in Forchtenberg für Co-ax und seine vier Tochtergesellschaften, dazu kommen noch einmal rund 150 im Ausland. In Italien, Spanien, Großbritannien und seit 2020 in Singapur gibt es Vertriebsgesellschaften, in den USA auch eine kleine Produktion.

Nächste Generation macht sich bereit
Müller Co-ax ist Teil der Müller-Holding, die noch einmal rund 200 Mitarbeiter beschäftigt und über Kapitalbeteiligungen auch in Sparten wie der Modebranche tätig ist. Insgesamt soll das Unternehmen in der Hand der Familie bleiben. Mit Muriel Müller steigt jetzt auch die 20-jährige Tochter von Friedrich Müller bei Co-ax ein - allerdings nicht auf Vorstandsebene. Im Vorstand sind neben Friedrich Müller sein Bruder Thorsten Müller, Andreas Wurst und Antonio Erriu.

Geforscht und entwickelt wird nur im Kochertal, wo sich Ventile wohl besonders gut herstellen lassen. Co-ax hat es geschafft, Lösungen anzubieten, die Kunden gut bezahlen. Wie gut? "Über Zahlen schweige ich am liebsten", sagt Friedrich Müller. Dass das Geschäft hochprofitabel ist, wissen zwar alle, die mit dem Unternehmen zu tun haben. Doch mehr sollen sie nicht wissen, solange immer genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden sind, solange das Geschäft läuft.

Langsam muss man sich öffnen

Antonio Erriu denkt aber auch, dass man sich langsam öffnen sollte, die neuen Kanäle nutzen. "Wir leben von den persönlichen Kontakten", sagt der 38-Jährige. Die konnten in der Corona-Krise nicht mehr so gepflegt werden. Vorsichtig geht es deshalb nun auch Richtung soziale Medien.

Und passend dazu wurde Müller Co-ax von der "Wirtschaftswoche" in den Weltmarktführer-Index aufgenommen. Das Magazin bestätigt damit, dass hier - weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit - ein Schwergewicht herangewachsen ist. Eine weitere versteckte Perle, ein Hidden Champion.

Dann verrät Müller doch noch ein paar Zahlen

Das Geschäft ging zuletzt zwar im zweiten Jahr in Folge zurück. Jetzt liege der Umsatz gut 15 Prozent unter dem Rekordwert von 2018. Insgesamt bewegt er sich zwischen 75 und 80 Millionen Euro, so viel verrät Müller am Ende doch. Mehr nicht. Neider gibt es auch im wirtschaftlich starken Hohenlohe.

Deshalb soll die Gruppe für die Nachbarn idealerweise unsichtbar bleiben. Auch wenn das kaum möglich sein wird, wenn der Neubau auf den Äckern nebenan entsteht. Im neuen Werk wird die Fertigung künftig auf 12 000 Quadratmetern Platz finden. Dafür wird ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag gesetzt. "Wir bauen qualitativ hochwertig, da können Sie sicher sein", verspricht Müller.

Corona-Ausbruch
Auch bei Müller Co-ax ist das Coronavirus angekommen. Lange Zeit wirkten die Hygiene-Maßnahmen, die getrennt arbeitenden Schichten, erzählt Vorstandschef Friedrich Müller. Die britische Variante stellte das Unternehmen nun vor ein Problem, denn innerhalb kurzer Zeit hatten sich zuletzt 16 Mitarbeiter angesteckt. Das Gesundheitsamt ist einbezogen. Tun könne man wenig, außer noch genauer auf die Einhaltung der Maßnahmen achten. Der Krise fiel auch die Feier zum 60-jährigen Bestehen des Unternehmens im vergangenen Jahr zum Opfer, und mit ihr eine geplante Schiffsreise für alle Mitarbeiter.

 

 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben