Fresh Five macht weiter und will die Kurve kriegen
Geschäftsführer Lutz Haufe und Insolvenzverwalter sehen weiterhin tragfähiges Geschäftsmodell. Belastende Faktoren können jetzt ausgeräumt werden.

"Die Produktion und der Vertrieb der beliebten Eisbecher, Eisriegel, des Stieleises und der Mochis der Marke Kissyo laufen in vollem Umfang weiter." Mit dieser Aussage betont die Kanzlei Schultze und Braun, dass die Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens für das Heilbronner Unternehmen Fresh Five keine Konsequenzen für Kunden, Handelspartner oder Mitarbeiter habe.
Es würden Sanierungsoptionen geprüft. Der bisherige Geschäftsführer Lutz Haufe setzt sich weiter für den Erfolg des Unternehmens ein.
Insolvenzantrag hatte Fragen aufgeworfen
Auf die Berichterstattung und eine vorherige Anfrage unserer Redaktion an den vorläufigen Insolvenzverwalter Holger Blümle meldeten sich Haufe und die Kanzlei. Wichtig ist beiden zu betonen, dass der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiterlaufe.
"Von unseren Partnern kam die Frage, ob wir weiter liefern werden", erzählt Haufe. Das sei der Fall. Aber es müsse nun bald eine Neuaufstellung geben, wahrscheinlich mit einem größeren strategischen Partner, dafür aber "befreit von Altlasten".
Mit Altlasten bezieht sich Haufe zum einen auf juristische Auseinandersetzungen mit einem ehemaligen Geschäftspartner, zum anderen auf die Verluste, die zuletzt aufgelaufen waren.
"Grundsätzlich ist das kein Problem, denn wir haben in Wachstum investiert", erläutert Haufe. Doch in diesem Fall seien zu viele Punkte zusammengekommen. So folgte laut Haufe auf das "verlorene Jahr" 2020 ein "Jahr zum Vergessen", wie es auch in Branchenkreisen schon genannt wurde. Der regenreiche Sommer bescherte den Eisverkäufern im deutschen Lebensmitteleinzelhandel offenbar durch die Bank einen Umsatzrückgang.
Gleichzeitig konnte Fresh Five eine geplante Finanzierungsrunde nicht rechtzeitig abschließen. "Wir hatten 300.000 Euro Umsatz zu wenig, gleichzeitig stapelte sich im gleichen Umfang die Ware, so entstand eine Liquiditätslücke", sagt Haufe. Davon seien die Gesellschafter auch nicht überrascht worden.
Insolvenzverwalter sieht "kurzfristige Unterbrechung" eines positiven Trends
Die Kanzlei Schultze und Braun bestätigt diese Darstellung. "Zur Vorbereitung der Saison hatte das Unternehmen hohe Investitionen in Warenbestand und Neuprodukte getätigt, um den Bestellungen der Handelspartner und den Erwartungen der Kunden an die Qualität der Eisprodukte entsprechen zu können."
Im ersten Halbjahr sei es dem Unternehmen sogar noch gelungen, entgegen dem Markttrend zweistellig zu wachsen und Neuprodukte zu platzieren. "Die schlechten Sommermonate haben diesen Trend kurzfristig unterbrochen."
Mitarbeiter sollen gehalten werden
Ziel des Verfahrens ist dem Insolvenzverwalter zufolge der Erhalt des Unternehmens durch eine gesicherte Finanzierung sowie der Erhalt der Arbeitsplätze. Die 23 Mitarbeiter werden für die Monate November bis Januar über das Insolvenzgeld abgesichert. "Sie sind unser Kapital", erklärte Lutz Haufe. Er erklärte zudem, er führe die Geschäfte derzeit - unter Zustimmungsvorbehalt des Insolvenzverwalters - weiter.
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