Folgen der Konfrontation in der Wirtschaft waren bisher kaum zu spüren
Unternehmen in Heilbronn-Franken haben bis zuletzt auf eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts gehofft. Die Unsicherheit steigt.

Mit der Zuspitzung der Lage an der ukrainisch-russischen Grenze wird ein Embargo zunehmend wahrscheinlich. Die Geschäfte regionaler Firmen mit Russland dürften kurzfristig wegbrechen. Wie weitreichend die Folgen sein werden, können die meisten Unternehmen noch nicht abschätzen, zeigt eine Umfrage unserer Zeitung. Doch zu unterschätzen seien sie nicht, so der Tenor.
- IHK
"Wir hoffen weiterhin stark, dass die diplomatischen Bemühungen letztendlich zu einem friedlichen Kompromiss führen und zu einer Deeskalation des Konflikts beitragen", sagt Christof Geiger, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Heilbronn-Franken und Leiter des Bereichs Unternehmen und Märkte.
- Audi
Audi hat im vergangenen Jahr mehr als 16.000 Fahrzeuge in Russland verkauft. Der Großteil davon dürfte aus Neckarsulm stammen. Sollte dieser Markt wegbrechen, habe das auf jeden Fall spürbare Konsequenzen, erklärt ein Sprecher in Ingolstadt auf Nachfrage. "Wir hoffen weiterhin auf eine schnelle, friedliche Lösung des Konflikts." Bei allen Aktivitäten vor Ort stehe die Sicherheit und Unversehrtheit der Mitarbeiter an erster Stelle.
- Ziehl-Abegg
Von Exporten nach Russland in "nicht unerheblicher" Größenordnung lebt auch der Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg, wie Unternehmenschef Peter Fenkl erklärt. Schon vor zehn Jahren hatten die Künzelsauer unter den damals verhängten Sanktionen gelitten, inzwischen hat sich das Geschäft stabilisiert. "Sollte es ein Embargo in irgendeiner Form geben, dann wird das schmerzhaft", sagt Fenkl. Neben den direkten Exporten nach Russland gebe es viele indirekte Exporte über Zulieferer. "Wir leben eben in einer sehr vernetzten Wirtschaft, da ist Russland bisher ein wichtiger Teil davon", sagt Fenkl. Der Ziehl-Abegg-Chef fragt sich auch, ob Sanktionen in dieser Form Russland überhaupt treffen können. "Die Chinesen werden sich einem Embargo nicht anschließen und lieber alle Ausfälle locker ausgleichen."
- EBM-Papst
EBM-Papst befindet sich noch in der Beobachtungsphase. "Wir bereiten uns intern darauf vor, schauen uns Zuliefererketten an", erklärt Unternehmenschef Klaus Geißdörfer. Auch die Kundenseite müsse man im Auge behalten. Doch noch habe der Konflikt keine konkreten Auswirkungen.
- Würth
Ähnlich beschreibt es auch der Schraubenhändler Würth in Künzelsau. "Der politische Konflikt schlägt sich nicht in der Warenbeschaffung nieder, viel eher sorgt beispielsweise Rohstoffknappheit für Verzögerungen in der Lieferkette", sagt Unternehmenssprecherin Sigrid Schneider. Die Würth-Gruppe beschäftigt in der Ukraine 118 Mitarbeiter. In Russland sind 780 Mitarbeiter in sechs Gesellschaften für den Konzern tätig. "Die Beschäftigten und ihre Kunden gehen aktuell wie gewohnt ihrer Arbeit nach."
- Blanc & Fischer
Die Oberderdinger Blanc & Fischer-Gruppe ist von der Entwicklung bislang nur mittelbar betroffen. Weder in der Ukraine noch in Russland bestehen Produktionsstandorte der Firmen Blanco und EGO oder der kleineren Einheiten. "Wir prüfen, inwiefern uns Sanktionen treffen können", sagt Konzernchef Bernd Eckl. Wahrscheinlich tangiere es die Kraichgauer weniger dadurch, dass sie nun Lieferprobleme bekommen. Eher könnten Absatzmärkte von Kunden betroffen sein. Die Firmen des Familienunternehmens stellen Elektronik für Küchengeräte her sowie Küchenspülen, Armaturen und Cateringsysteme. Auch wenn die direkten Folgen moderat bleiben sollten, gibt sich Eckl nicht gelassen: "Diese Krise wird Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Konflikte tun nie gut."
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