Energie aus der Region für die Region
Vom etablierten Konzern über private Unternehmer bis zur Genossenschaft: Das Spektrum der Energie-Erzeuger und -Lieferanten in Heilbronn-Franken ist groß. Alle liefern Strom, viele auch Gas.

Strom kommt aus der Steckdose und Gas aus der Leitung? Das stimmt im Prinzip, aber es gibt eben jeweils auch einige, die diese Energie(-träger) erzeugen, verteilen und liefern. In den vergangenen Jahren ist die Branche hier deutlich vielfältiger geworden - und spätestens mit dem Aufkommen der Energiegenossenschaften kann quasi jeder selbst zum Energieproduzenten werden. Ein Überblick über wichtige Akteure in Heilbronn-Franken.
-
Konzerne
Die EnBW ist der Platzhirsch in der Region: Mit dem GKN und dem Kohlekraftwerk Heilbronn betreibt sie die beiden größten Kraftwerke in Heilbronn-Franken, hinzu kommen die Laufwasserkraftwerke an Neckar, Kocher und Jagst, zum Teil über ihre Tochtergesellschaft Zeag, sowie mehrere Windparks, zum Beispiel bei Langenburg. Zeag und EnBW haben zudem mit den meisten Kommunen der Region die Konzessionen für Strom und Gas geschlossen.
Die Süwag ist ebenfalls in Heilbronn-Franken aktiv. Das Tochterunternehmen des Energiekonzerns Innogy hält mehrere Konzessionen für Gas und Strom vor allem im Landkreis Heilbronn.
-
Bürgerenergiegenossenschaften
Die größte Bürgerenergiegenossenschaft im Raum Heilbronn ist die Energeno Heilbronn-Franken. Mit mehr als 1100 Mitgliedern und einem gezeichneten Kapital von fast zehn Millionen Euro findet sie kaum noch passende Projekte in der Region. Mit Windkraft-Beteiligungen in Norddeutschland und dem Betrieb von Freiflächen-Photovoltaik in Ostdeutschland versucht sie, die Energiewende voranzutreiben. "Das neue EEG wird uns aber das Leben schwer machen, wenn der Entwurf so umgesetzt wird", sagt Vorstand Georg Dukiewicz.

Vor allem die Pflicht, mit PV-Anlagen auf Dächern über 500 Kilowatt peak in die Ausschreibung zu gehen, stelle Pläne für weitere Anlagen auf Industriegebäuden in Ostdeutschland infrage. So gibt es dann keine Vergütungssätze mehr, sondern man geht mit einem Gebot ins Rennen und erhält den Zuschlag, wenn es zu den niedrigsten gehört. "Da haben große Energieversorger dann einfach die besseren Karten", sagt Dukiewicz. Gebremst wurde die Genossenschaft in diesem Jahr durch Corona, trotzdem installierte sie aber sieben PV-Anlagen auf städtischen Gebäuden. Im nächsten Jahr ist das größte Projekt eine Anlage mit 700 Megawatt Leistung auf einer Konversionsfläche in Ostdeutschland, die die Genossenschaft gekauft hat.
Die Bürgerenergiegenossenschaft Raum Neuenstadt (BERN) wurde 2009 gegründet, um eine große Photovoltaik-Anlage auf dem neuen Gebäude der Firma Landerer zu finanzieren. "Drei Millionen Euro sollte sie kosten, und es musste schnell gehen", erinnert sich Kurt Herdtweck, der der BERN seitdem vorsteht. Inzwischen hat die BERN in zahlreiche kleinere PV-Anlagen vor allem auf kommunalen Gebäuden in Neuenstadt und Langenbrettach investiert, zudem in Projekte der Bürgerwindpark Hohenlohe sowie in ein Windkraftprojekt im Schwarzwald. Allein in diesem Jahr wurden 340.000 Euro ausgegeben. 572 Mitglieder hat die BERN, bei einem gezeichneten Kapital von 1,54 Millionen Euro.
Mit 337 Mitgliedern und knapp 600.000 Euro gezeichnetem Kapital ist die 2009 gegründete Bürgerenergiegenossenschaft Hardthausen einer der kleineren Player. Wie die BEG Unteres Jagsttal hat sie sich hauptsächlich am Betrieb des Windparks im Harthäuser Wald beteiligt. Dort lagen die Erträge in den ersten Betriebsjahren unter den Erwartungen, so dass auch die Rendite überschaubar war. Die BEG Hardthausen will nun vermehrt auch in Photovoltaik investieren, sagt Vorstand Walter Kress. Drei PV-Anlagen auf Gebäuden der Gemeinde gibt es schon, eine weitere soll folgen. Möglicherweise biete sich allerdings auch hier wieder die Zusammenarbeit mit der Zeag an, die am Seehaus eine große Freiflächenanlage plant.

178 Mitglieder hat die Bürgerenergiegenossenschaft Unteres Jagsttal, die an den Betreibergesellschaften des Windparks Harthäuser Wald in Möckmühl, Widdern und Jagsthausen beteiligt ist. Eine Dividende gab es noch nicht, räumt Vorstand Andreas Konrad ein. 178.000 Euro Kapital wurden gezeichnet. Jetzt wird geprüft, welche Dächer in den beteiligten Kommunen sich für Photovoltaik eignen.
Daneben gibt es eine Reihe kleinerer Bürgerenergiegenossenschaften, etwa in Ilshofen. 88 Mitglieder sind beigetreten, um in Wind- und Solarenergie zu investieren. An drei PV-Anlagen und einem Windrad ist die BEG beteiligt, weitere Projekte sind in Planung. Die BEG Pfedelbach wurde 2010 gegründet, um auf der Kelter in Windischenbach eine PV-Anlage zu installieren. In Boxberg hat die Zeag einer Genossenschaft die Möglichkeit eingeräumt, sich an einem Projekt zu beteiligen. Für den Windpark Angeltürn-Wölchingen wurde die Bürgerenergiegenossenschaft Boxberg 2017 gegründet.
Vor allem in regionale Solarparks investiert die Bürgerenergie Tauberfranken, die 2010 gegründet wurde. Vier Projekte wurden bislang umgesetzt.
Mit einem Windrad in Langenburg-Nesselbach startete die Bürgerwindpark Hohenlohe 1999. Heute betreibt die GmbH & Co. KG mit 13 Mitarbeitern 21 Windräder, drei weitere befinden sich im Bau. Weitere könnten gebaut werden, wenn Gerichte in der Hohenloher Ebene Standorte zulassen. "Wir haben bereits fast 80 Millionen Euro investiert", sagt Benjamin Friedle, einer der Geschäftsführer. Fast 1000 Bürger sind als Gesellschafter beteiligt, mehrere Genossenschaften finanzieren Projekte mit. Dazu gehören auch kleinere Solarparks. Eine Freiflächenanlage befindet sich in Genehmigung, drei weitere in Planung.
-
Stadtwerke
Die HNVG versorgt die Stadt Heilbronn sowie Bürger im Umland mit Strom, Gas und Wasser. An der Gesellschaft halten die Stadt Heilbronn 74,9 Prozent, die EnBW 25,1 Prozent. Start war 1852 als Gaswerk, die Stadt Heilbronn übernahm den Betrieb 1881.

Die Stadtwerke Bad Friedrichshall sind seit einigen Jahren in der Region als Strom- und Gasversorger auf dem Markt. Sie zählen zu den eher kleineren Wettbewerbern. Ähnlich agieren die Stadtwerke Neckarsulm und die Stadtwerke Weinsberg. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall haben sich ebenso wie die Stadtwerke Crailsheim ein besonderes Engagement auf dem Feld der erneuerbaren Energien auf die Fahne geschrieben. Die Stadtwerke Tauberfranken mit Sitz in Bad Mergentheim sind schließlich nicht nur im Main-Tauber-Kreis aktiv, sondern übernahmen 2010 auch den Betrieb der kleinen Stromversorgung von Berg in Künzelsau-Morsbach.
-
Private Unternehmen
Der große Solarpark am Ostrand von Bad Rappenau-Obergimpern ist kaum zu übersehen: Hier ist seit 2007 die Firma Swat Energy ansässig. Ihr Solarpark war bei Inbetriebnahme im Jahr 2009 mit 2,5 Hektar Fläche und 1,4 Megawatt Leistung der größte im Landkreis Heilbronn. Das Unternehmen projektiert Anlagen in ganz Deutschland, auch in Kombination mit Wärmepumpen.
Kaco New Energy: Die Ausgründung vom damals noch in Heilbronn ansässigen Dichtungshersteller Kaco entwickelte sich unter ihrem langjährigen Eigner Ralf Hofmann zu einem der führenden Hersteller von Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen. Mehrere Pilotanlagen wurden in der Region errichtet, um sie Kunden vorführen zu können. Durch die chinesische Konkurrenz geriet das Unternehmen allerdings in eine Krise und wurde vergangenes Jahr vom Siemens-Konzern übernommen.
Eine rasante Entwicklung hat der Güglinger Solarparkspezialist HEP Global hingelegt. Das 2009 von Thorsten Eitle und Christian Hamann gegründete Unternehmen plant und baut mittlerweile Solarparks weltweit und bietet Investoren Beteiligungen daran an. Gestartet ist HEP 2009 mit einem Solarpark im brandenburgischen Spremberg. In den Folgejahren kamen Anlagen in Japan, Taiwan, Großbritannien, Kanada und in den USA hinzu. Das Unternehmen beschäftigt heute mehr als 90 Mitarbeiter. Mehr als 1400 Investoren haben sich bislang an den verschiedenen Projekten der Güglinger beteiligt, die ein Gesamtvolumen von rund 450 Millionen Euro aufweisen.
Erst kürzlich hat HEP ein Solarunternehmen in North Carolina übernommen, um auf dem lukrativen US-Markt besser Fuß zu fassen. Die bisher realisierten Solarparks haben eine Leistung von mehr als 400 Megawatt peak (MWp), in der Planung sind aktuell weitere 40 Solarparks mit einer Leistung von 3600 MWp.
Stimme.de
Kommentare