Einzelhändler bemühen sich um Schadensbegrenzung
Adidas und Deichmann erbitten Verständnis für gestoppte Mietzahlungen. Media-Markt und Saturn wollen auch bei privaten Vermietern wie in Heilbronn vorerst nicht bezahlen.

Boykottaufrufe im Internet und scharfe Kritik aus der Politik: Adidas, Deichmann und H&M haben mit der Ankündigung, die Mietzahlung für ihre wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Filialen vorläufig auszusetzen, in ein Wespennest gestochen.
Der Eigentümer der größten deutschen Schuhhandelskette, Heinrich Deichmann, zeigte sich am Montag entsetzt. "Dass uns jetzt unterstellt wird, wir würden uns in der Krise bereichern wollen, das trifft mich sehr hart. Das ist überhaupt nicht der Fall", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Deichmann will Zugeständnisse erwirken
"Wir haben nie gesagt, dass wir keine Mieten mehr zahlen. Wir haben unsere Vermieter gebeten, unsere Mieten zu stunden", betonte der 57-Jährige und fügte hinzu: "Falls ein Vermieter nicht in der Lage ist, eine Stundung wirtschaftlich zu verkraften, werden wir ihm helfen und dann werden wir auch die Miete zahlen." Gleichzeitig ließ der Unternehmer allerdings auch keinen Zweifel daran, dass er angesichts der staatlich angeordneten Ladenschließungen Zugeständnisse der Vermieter erwartet. Es gehe immerhin um 1500 Filialen allein in Deutschland.
Deichmann betonte, der Schuhhändler sei zwar grundsätzlich finanziell solide aufgestellt. Ob Deichmann einen Antrag auf Staatshilfe stellen müsse, hänge davon ab, wie lange die Krise anhalte.
Große Immobilienvermarkter haben angeblich Verständnis
Adidas-Chef Kasper Rorsted hatte sich schon zuvor in der "FAZ" um Schadensbegrenzung bemüht. Es gehe dem Unternehmen nicht darum, die Miete für den April nicht zu bezahlen, sondern lediglich um eine Stundung, sagte er. Gleichzeitig betonte der Manager, dass es sich bei den Vermietern nahezu ausschließlich um große Immobilienvermarkter und Versicherungsfonds handele, die für die Maßnahme überwiegend Verständnis gezeigt hätten. Nur vier der Vermieter seien Privatpersonen. "Sie werden ihre April-Miete wie gewohnt erhalten", sagte Rorsted. Auch H&M betonte am Montag, es gehe erst einmal nur um eine Aussetzung der Zahlungen.
Media-Markt-Mutter will Staatshilfe
Die Mediamarkt-Saturn-Gruppe hat auch für den Saturn-Markt in Neckarsulm und den Media-Markt in Heilbronn angekündigt, "vorsorglich" und "wie viele andere stationäre Händler auch" die Mietzahlungen für April auszusetzen. Das gelte auch für private Vermieter wie in Heilbronn, mit denen man in engem Kontakt stehe. "Wir sind zuversichtlich, dass wir im partnerschaftlichen Dialog mit den Vermietern eine für alle Seiten gute und tragfähige Lösung finden, die dieser schwierigen Situation gerecht wird", erklärte eine Sprecherin auf Stimme-Anfrage. Die Elektromärkte der Unternehmensgruppe in Deutschland und weiteren europäischen Ländern sind derzeit geschlossen. Das Mutterunternehmen Ceconomy bemüht sich um Staatshilfe.
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