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Künstliche Intelligenz
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Einfach mal die Zange erkennen: Würth experimentiert mit KI

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Marketing- und Vertriebsexperten erklären, welche Rolle Farbe in der Außenwirkung spielen kann. Oder auch: Die Zeit der stabilen Preise ist vorbei.

Schaeffler illustriert seinen Nachhaltigkeitsbericht inzwischen konsequent in der Markensprache: Grün macht den Unterschied.
Schaeffler
Schaeffler illustriert seinen Nachhaltigkeitsbericht inzwischen konsequent in der Markensprache: Grün macht den Unterschied. Schaeffler  Foto: Schaeffler

Für Andrej Kharadi sah es vor fünf Jahren nicht danach aus, dass er mit dem Schraubenhändler Würth einmal Maßstäbe setzen würde, was den Einsatz von KI und Machine Learning angeht. Doch mit einem Team aus Geistes- und Naturwissenschaftlern im KI-Biotop Berlin hat er es geschafft, Software zu entwickeln, die Schrauben und Zangen erkennt oder Angebote von Wettbewerbern so aufschlüsselt, dass zügig ein Gegenangebot erstellt werden kann. Wie das funktioniert, zeigte er beim 18. Marketing- und Vertriebstag.

Die Herausforderung liegt im Fotos-Sammeln

Kharadi ist Leiter Big Data Research bei der Würth-Gruppe und zeigte den mehr als 100 Teilnehmern, wie ausgefeilt sogenannte Inhouse-Lösungen sein können. Die eine soll in Form einer Smartphone-App Gegenstände - auch die von Wettbewerbern - erkennen und das entsprechende Produkt aus dem Würth-Katalog zeigen können.

"Die Künstliche Intelligenz dahinter benötigt allerdings sehr viele Fotos", erzählt Kharadi. Daher brauche es wohl noch bis Ende des Jahres, bis dieses System verlässlich läuft. Dann sollen Vertriebsmitarbeiter und womöglich irgendwann auch Kunden in Niederlassungen anhand von Beispielen herausfinden können, was es bei Würth zu kaufen gibt.

Marketing- und Vertriebstag hochkarätig besetzt

Es war eines der beeindruckenden Fallbeispiele, zu dem es auch in der abschließenden Diskussionsrunde einige Fragen gab - allerdings nicht das einzige.

Wirtschaftswissenschaftler Rainer Schnauffer, Professor an der Hochschule Heilbronn und Initiator des Unternehmerkreises Marketing & Vertrieb, hatte es wieder geschafft, hochkarätige Gäste für seine Veranstaltung zu gewinnen - wie zum Beispiel Daniela Todorova, Director Mittelstandskunden bei Microsoft Deutschland, die unter anderem die Bedeutung von Cloud-Lösungen und Remote-Arbeit erläuterte. Leider, so Schnauffer, musste auch der Netzwerker-Tag nun schon zum dritten Mal virtuell stattfinden. "Da hatte ich anfangs falsche Vorstellungen, wie lange das alles dauern wird."

Die Reverse Auction ermöglicht den günstigsten Preis

Die Unsicherheit, die sich inzwischen durch das Wirtschaftsleben und die ganze Welt zieht, war auch Thema bei Bernd Schönwälder, Geschäftsführer von Unite Network. Auf deren B2B-Handelsplattformen haben Anbieter die Möglichkeit, eine dynamische Preisgestaltung zu nutzen.

Für eine Rohrzange oder Kopierpapier kommen dann keine Katalogpreise mehr zum Tragen, sondern eine sogenannte Reverse Auction, bei der Anbieter ihre Preisspanne angeben. Sucht der Kunde also nach Kopierpapier, bekommt er automatisch den Preis, der einen Cent unter dem des zweitgünstigsten Anbieters liegt.

Die Mechanismen von Angebot und Nachfrage sind gestört

Das sei das richtige Werkzeug, um in einer Welt der unterbrochenen Lieferketten ein Gegengewicht zu schaffen. Die Zeit der stabilen Preise sei ebenso vorbei wie die Zeit der jederzeit gut gefüllten Regale, sagt Schönwälder. "Das hat mir sogar vor kurzem ein Edeka-Händler gesagt."

Dabei gehe es nicht um eine kurzzeitige Störung. Zehn, 20 oder mehr Jahre könnte das dauern. "Bei insgesamt knappen Ressourcen ist es umso wichtiger, dass das, was knapp ist, zu demjenigen findet, der es am dringendsten braucht." Dynamische Preise könnten das ermöglichen - auch wenn sich mancher die stabilen Preise wieder zurückwünscht.

Wie Schaeffler sich weltweit ein neues Image verpasst hat

Was wäre der Marketing- und Vertriebstag ohne das Marketing. Tim Bögelein, Geschäftsführender Gesellschafter der Werbeagentur RTS Rieger Team, und Nadja Lemke, verantwortlich für das globale Marketing bei der Schaeffler AG, zeigten, wie die Außendarstellung eines Autozulieferers innerhalb von Monaten auf neue Beine gestellt werden kann.

Schaeffler hatte mit RTS Rieger dazu erstmals in seiner 75-Jährigen Geschichte einen weltweiten Markenauftritt entwickelt. Das Unternehmen wollte weg vom etwas verstaubten Image des Kugellager- und Zahnrad-Spezialisten, der vornehmlich für die Autoindustrie tätig ist. Dass Schaeffler ein Unternehmen ist, das technologisch auf zahlreichen Feldern vorne steht, wird nun durch einen stringenten Einsatz der Markenfarbe Grün und des Pioniergedankens verdeutlicht.

"Green makes the difference" lautet nun der Leitgedanke, der nicht nach außen kommuniziert wird, aber hinter jedem Motiv der Kampagne stehen könnte, wie Bögelein erläutert. Das kann visualisiert werden mit einem Nadellager, das teilweise in grüne Einsen und Nullen übergeht. Oder auch durch ein Weinregal, in dem zwischen all den Flaschen mit roten Kapseln eine mit grünem Kopf liegt. "Je länger die Erfahrung, desto besser das Ergebnis" steht darunter.

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