EBM-Papst investiert 183 Millionen fürs künftige Wachstum
Der Ventilatorenbauer aus Hohenlohe muss im Corona-Jahr einen Umsatzrückgang hinnehmen, investiert jetzt aber eine Rekordsumme. Vor allem in China soll es schnell vorangehen.

Der Motoren- und Ventilatorenbauer EBM-Papst erwartet in den nächsten fünf Jahren ein sprunghaftes Wachstum. Im vergangenen Jahr gingen die Umsätze allerdings erst einmal um 2,5 Prozent auf 2,13 Milliarden Euro zurück, und auch für das laufende Geschäftsjahr ist die Prognose nur verhalten optimistisch. Die Materialknappheit macht den Mulfingern das Leben schwer.
Der künftige Chef Thomas Wagner übernimmt
Offiziell ist Stefan Brandl noch im Amt. Doch bei der letzten Bilanz-Pressekonferenz vor seinem Ausscheiden zum 30. Juni überlässt der EBM-Papst-Chef seinem Nachfolger Thomas Wagner das Feld.
Der muss die Geschäftsentwicklung eines besonders schwierigen Jahres erklären, darf aber auch große Pläne verkünden. Denn unter dem Motto Move 26 soll der Umsatz innerhalb von fünf Jahren um eine halbe Milliarde Euro auf 2,6 Milliarden gesteigert werden.
Dazu sind die höchsten Investitionen der Unternehmensgeschichte vorgesehen. In Mulfingen sind dafür drei Neubauprojekte angestoßen (wir berichteten), aber auch in St. Georgen, in den USA und vor allem in China. 183 Millionen Euro stehen dafür unter dem Strich im Plan.
In Deutschland belastete die Zurückhaltung der Maschinenbauer
Auf das vergangene Jahr blickt der bisher stellvertretende CEO Thomas Wagner mit gemischten Gefühlen zurück: "Die Frage ,Sind wir zufrieden?" lässt sich nicht so leicht beantworten." Ein Plus gab es nur in Asien, wo sich China nach dem ersten Lockdown schnell erholte.
Im größten Einzelmarkt Deutschland dagegen ging es um 6,4 Prozent nach unten. Dies sei vor allem der Investitionszurückhaltung im Maschinenbau geschuldet, der hier einen großen Anteil ausmacht. In den USA betrug das Minus sogar sieben Prozent.
Verkauf von Ikor schlägt sich in den aktuellen Zahlen nieder
Für das kommende Jahr ist insgesamt ein relativ kleines Plus vorgesehen. Das hat auch damit zu tun, dass vor wenigen Wochen der spanische Elektronikfertiger Ikor, der erst 2016 übernommen wurde, nun wieder verkauft wurde. 700 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen bei einem Umsatz von knapp 70 Millionen Euro.
Das darf man berücksichtigen, wenn im laufenden Geschäftsjahr laut Plan die Mitarbeiterzahl um knapp 700 sinkt und der Umsatz um 2,4 Prozent oder 50 Millionen Euro ansteigt.
Die Zahl der Mitarbeiter bleibt stabil, nachdem im vergangenen Geschäftsjahr sogar mehrere Hundert Leiharbeiter eingestellt wurden. Der Stellenzuwachs in Deutschland hält sich in Grenzen. In Europa wachse das Unternehmen mit den Märkten. Der Löwenanteil des künftigen Wachstums werde dort stattfinden, wo EBM-Papst bisher noch keine so hohen Marktanteile hat wie in Europa - also in Asien und den USA.
"Geschwindigkeit ist in China alles"
Zwar wird auch in den USA investiert, doch ohne Zweifel ist China der Markt, den EBM-Papst nun zügig erobern möchte. "Geschwindigkeit ist in China alles", sagt Thomas Nürnberger, der nach 15 Jahren im Reich der Mitte nun als Vertriebsvorstand nach Mulfingen gekommen ist.
In den vergangenen zwei Jahren wurden in China jeweils 15 Millionen Euro investiert, nun noch einmal mehr als 17 Millionen. In Xi"an im Zentrum Chinas wird auf 8000 Quadratmetern ein neues Werk gebaut, in Shanghai eine neue Produktionslinie.
"Von unseren zwei Werken können wir innerhalb von 24 Stunden mit dem Lkw fast eine Milliarde Menschen erreichen." Die "Local for Local"-Strategie - jeden Markt also aus Produktionen vor Ort zu versorgen - sei ein zentraler Erfolgsfaktor.
Digitalisierungstochter Neo ein Jahr alt
Weiteres Wachstum verspricht sich EBM-Papst nun noch von zwei Themen. Zum einen sollen bis in spätestens zehn Jahren keine Wechselstrommotoren, sondern nur noch energiesparende EC-Motoren hergestellt werden.
Die agile Digitalisierungs-Tochter Neo in Dortmund sei nach einem Jahr erfolgreich unterwegs, allerdings bewege sich der Umsatz noch im unteren einstelligen Millionenbereich, wie Finanzvorstand Hans Peter Fuchs erläuterte. Er unterstrich: "Neo soll einen signifikanten Teil dazu beitragen, um neue Geschäftsfelder zu erschließen."


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