EBM-Papst arbeitet im Ipai jetzt an seinem Netz der Zukunft
Der Mulfinger Ventilatorenhersteller EBM-Papst wird Mitglied im Heilbronner KI-Innovationspark. Künstliche Intelligenz soll helfen, die schon jetzt sparsamen Lüfter noch effizienter einzusetzen. Und dann fallen da noch eine Menge Daten an.

Der Ipai hat ein weiteres prominentes Mitglied aus der Region: EBM-Papst ist offiziell Teil des KI-Innovationsparks. Damit bestätigt sich, was EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer schon im Dezember 2021 kurz nach Amtsantritt im Gespräch mit unserer Zeitung ankündigte: Die Mulfinger wollen von den Entwicklungen in Heilbronn profitieren und hier auch ein Büro eröffnen.
In der Stellenausschreibung stand bereits der Ipai
Das Büro, das Klaus Geißdörfer im Kopf hatte, kommt dennoch erst in ein paar Monaten. "Unsere Büros hier sind voll", sagt Moritz Gräter. Der Neubau nebenan, der im Juni eröffnet werden soll, biete dann neue Möglichkeiten. "Wir brauchen hier auf jeden Fall ein Büro", betont der KI-Verantwortliche bei EBM-Papst, Thomas Sauer.
Fünf Mitarbeiter haben die Mulfinger eigens für diesen Standort eingestellt. "Wir haben sie auch deshalb bekommen, weil Heilbronn und der Ipai in der Stellenausschreibung explizit erwähnt wurden", sagt Daniel Boese.
Zurück vom wendigen Beiboot
Der Zugang zu und der Umgang mit KI ist für EBM-Papst inzwischen ein zentrales Thema - in vielen Bereichen. Bereits mit der Gründung von EP Neo, der Digitalisierungstochter in Dortmund, wurden die Weichen gestellt.
Neo war das wendige Beiboot, das möglichst unabhängig vom Mutterschiff in Mulfingen bekannte Denkmuster aufbrechen sollte, erzählt Thomas Sauer, der den Standort Dortmund aufgebaut hat. Dort werden weiterhin vor allem Ansätze zur Gebäudeautomation verfolgt - Ventilatoren können so noch effizienter eingesetzt werden.
Jetzt aber rückt die Digitalisierung und damit die Transformation in all ihren Ausprägungen an das Hauptgeschäft heran. Größere Effizienz und mehr Nachhaltigkeit sollen sowohl im einzelnen Bauteil wie auch im Verbund vieler verbauter Ventilatoren erreicht werden.
Der Datenschatz, den es zu heben gilt

Wie genau, das ist im Detail wohl noch gar nicht klar. Aber Boese betont: "Wir haben da draußen eine Milliarde Ventilatoren verbaut." Die seien zwar noch nicht vernetzt. Doch da Ventilatoren letztlich ein Elektronikpaket seien, biete sich in einigen Jahren die Chance, einen Datenschatz mithilfe von KI zu heben. "Alle elektronischen Bauteile werden intelligent werden."
Vorerst ist die Vernetzung von Industrieunternehmen aus der Nachbarschaft eine der wichtigsten Funktionen, die der Ipai übernimmt. Als Beispiel führen Boese und Sauer die engen Bande zum Greiftechnikspezialisten Schunk aus Lauffen an, einem Unternehmen, das sich in Heilbronn seit Jahren intensiv mit der Anwendung von KI beschäftigt.
Dass ihr Betätigungsfeld so unterschiedlich ist, sei dabei ein Vorteil: "Wir sind eben nicht in einer Wettbewerbssituation", sagt Boese. Doch die Fragestellungen seien ähnlich.
Konkurrenten oder nicht - viele Hidden Champions tun sich traditionell schwer, ihre Türen zu öffnen. Je mehr hier im Ipai mit von der Partie sind, desto einfacher fällt der Austausch. Man kommt vielleicht auf der Suche nach Lösungen für verzwickte Probleme am Kaffeeautomaten ins Gespräch, sind sich die drei einig.
Wann solche Effekte spürbar sind? Ipai-Chef Moritz Gräter ist zuversichtlich, dass eine "kritische Masse" bald erreicht ist. Schließlich kommt demnächst auch Aleph Alpha mit seinem Ableger nach Heilbronn.
Für Industriethemen braucht es immer auch spezielles Know-how
Im Gegensatz zu der Aufholjagd, die bei großen Sprachmodellen nun notwendig ist, ist Deutschland beim Einsatz von KI in der Industrie übrigens nicht im Hintertreffen. "Industrie 4.0 ist ein Begriff, der von Deutschland geprägt wurde", sagt Daniel Boese.
Industrie 4.0 entwickle sich mit dem digitalen Zwilling und dem Einsatz von KI weiter. Ein Pluspunkt für Deutschland: Hier sei das Know-how für viele Themen - bei EBM-Papst etwa zur Kühlung. "Wir kühlen die Cloud" war ein Leitspruch, den CEO Geißdörfer vor zwei Jahren ausgegeben hat. Die Gefahr, dass jetzt in Fernost aus dem Nichts etwas entwickelt wird, sei zum Glück nicht groß, ist Boese überzeugt.
Das neue Logo
Beim Besuch der EBM-Papst-KI-Experten Daniel Boese und Thomas Sauer ist das neue Logo des Ipai schnell Gesprächsthema. "Es sind vier Pfeile nach innen und zugleich ist es ein nach außen offener Kreis. Natürlich ein Kreis, wir bauen ja einen Kreis", sagt Ipai-Geschäftsführer Moritz Gräter. Die Offenheit zeigt sich an den zahlreichen neuen Partnerschaften. Der Dübelspezialist Fischer wurde zuletzt Mitglied, die Verhandlungen mit vielen weiteren Unternehmen laufen. Audi, Würth, Schunk und zahlreiche weitere sind bereits dabei.




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