Dometic-Mitarbeiter gehen für ihre Jobs auf die Straße
Das Restrukturierungsprogramm des schwedischen Konzerns stellt offenbar auch den Standort Krautheim infrage. Vorstöße zur Beschäftigungssicherung waren bislang nicht erfolgreich. Am Donnerstag wollen Mitarbeiter in Krautheim an einem Protestmarsch durch die Stadt teilnehmen.

Die Verunsicherung an deutschen Standorten des schwedischen Caravan-Ausrüsters Dometic ist seit dem Frühjahr groß. Damals berichtete die IG Metall Siegen von Plänen für Verlagerung oder Werkschließungen in Siegen und Krautheim.
Seitdem hat sich die wirtschaftliche Situation im Konzern verbessert. Mit Forderungen nach einer langfristigen Beschäftigungssicherung für den Standort Krautheim waren IG Metall und Betriebsrat dennoch nicht erfolgreich. Jetzt protestieren die Mitarbeiter.
An diesem Donnerstag um 9 Uhr wollen sich nach Informationen der IG Metall rund 300 der insgesamt 450 Mitarbeiter am Standort Krautheim zu einem Protestmarsch durch die Stadt aufmachen und so für den Erhalt ihres Werks demonstrieren.
Mittelfristig könnte es eng werden
Wie ernst die Situation ist, lässt sich von außen kaum einschätzen. Die Siegener Geschäftsleitung von Dometic war bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Im Frühjahr hatte sie Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler jedoch versichert, dass der Standort für den Konzern "sehr wichtig" sei. Ob eine Schließung mittel- und langfristig ausgeschlossen ist, ist damit allerdings nicht gesichert.
Den zweitgrößten Arbeitgeber im Ort zu verlieren, wäre für Krautheim ein Riesenverlust, erklärt Köhler auf Nachfrage unserer Zeitung. "Deshalb unterstützen wir grundsätzlich die Bestrebungen, hier zu einer Einigung zu kommen."
Gegründet von Fensterpapst Eugen Seitz
Die Firma in Krautheim wurde vom Aspacher Unternehmer Eugen Seitz gegründet, der unter anderem das Hebe-Kipp-Fenter für Caravan und Wohnmobil erfand. Seit 2000 gehört sie zum schwedischen Dometic-Konzern. Fenster, Türen und andere Bauteile für Wohnwagen werden hier hergestellt, zwischenzeitlich von mehr als 500 Mitarbeitern. Mit dem Abbau von Leiharbeitern sank die Zahl zuletzt auf 450 Mitarbeiter, die in der Corona-Krise teilweise auch in Kurzarbeit waren.
Seitdem Flugreisen nicht mehr möglich sind, floriert das Geschäft mit Camping- und Caravan-Artikeln allerdings. Für das dritte Quartal meldete Dometic einen rekordhohen Auftragsbestand, organisches Wachstum und eine erhöhte Rentabilität.
Weiterhin soll aber offenbar das Restrukturierungsprogramm verfolgt werden, das Konzernchef Juan Vargues im vergangenen Jahr angekündigt hatte. Von der "Konsolidierung von Standorten" seien 20 Standorte und 1500 Mitarbeiter betroffen. Seitdem geht nach Informationen der IG Metall die Angst im Unternehmen um.
Viele Mitarbeiter auf Job bei Dometic angewiesen
"Es gibt hier viele langjährige, angelernte Mitarbeiter, die kaum Aussicht auf eine neue Stelle hätten", sagt IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Arno Siebert aus Schwäbisch Hall. "Auch für sie wollen wir sicherstellen, dass der Standort bleibt." Doch bisher sei die Geschäftsführung nicht bereit, die Forderung nach einer Beschäftigungssicherung bis 2030 mitzugehen. "Obwohl die Zahlen seit Jahren gut sind, soll in Richtung Osten verlagert werden", so Sieber. Nachdem Verhandlungen vergangene Woche keinen Erfolg brachten, sei die Belegschaft nun bereit zu kämpfen.
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