DLR-Ingenieure entwickeln günstigen Treibstoff für Satelliten
Lukas Werling und Felix Lauck gründen in Lampoldshausen das Start-up InSpacePropulsion. Ist ihr Ansatz erfolgreich, gibt es gleich zwei gute Alternativen zum giftigen Hydrazin.

Im Orbit tummeln sich immer mehr kleine Satelliten. Entsprechend häufig kommt es vor, dass sie auf ihren Bahnen Weltraumschrott oder anderen Flugkörpern ausweichen müssen.
Lukas Werling und Felix Lauck aus dem DLR-Institut für Raumfahrtantriebe in Lampoldshausen wollen dafür eine günstige Alternative zu dem vielfach genutzten Hydrazin anbieten und haben das Start-up InSpacePropulsion Technologies gegründet.
Kommerzielle Raumfahrt: Im New Space muss man mehr auf die Kosten achten
Damit gibt es in der Region neben dem Raketen-Start-up HyImpulse einen weiteren Akteur, der im sogenannten New Space aktiv ist. Mit dem Begriff bezeichnet man die kommerzielle Raumfahrt, die nicht zuletzt mit Elon Musks SpaceX eine immer größere Rolle spielt.
"Bei so vielen Satelliten geht es natürlich darum, die Kosten zu senken", sagt Lukas Werling. Das seit den 1960er Jahren eingesetzte Hydrazin sei zwar ein sehr guter Treibstoff, aber auch krebserregend und hochgiftig. "Im All ist das nicht entscheidend", sagt Werling, aber am Boden sei die Handhabung kompliziert und gefährlich.
Elektrische Antriebe wie bei Starlink: Der Schub macht den Unterschied
SpaceX hat auch aus diesem Grund bei seiner Satellitenkonstellation Starlink auf elektrische Antriebe gesetzt. Die allerdings entwickeln nur sehr schwachen Schub. Chemische Alternativen könnten die zwei Produkte sein, die InSpacePropulsion jetzt zur Marktreife bringen will: HyNOx und HIP_11.
Das erste besteht aus Lachgas und Ethan - "Industriegase, die weltweit günstig zu bekommen sind", wie Werling erläutert. Das zweite ist ein Patent des DLR, entwickelt von Mitgründer Felix Lauck. HIP_11 bestehe aus zwei Substanzen, die bei bloßem Kontakt zünden und somit sehr ausfallsicher sind - vergleichbar mit Hydrazin, so die Hoffnung.
Die ersten Abnehmer sind schon da
Das Duo hat sich erst einmal allein auf den Weg gemacht. Unterstützt wurden Lauck und Werling von der Helmholtz-Gemeinschaft, zu der auch das DLR gehört. Nun braucht es auch hier eine erste Finanzspritze. "Das DLR könnte als Co-Investor auftreten, das gibt jedem Interessenten Sicherheit", sagt Werling.
Eine kleinere siebenstellige Summe sei nun nötig, um den Betrieb aufzubauen. HyImpulse gehört zu den potenziellen Kunden und hat ebenso eine Absichtserklärung unterschrieben wie der Satellitenbauer OHB aus Bremen.
Wenn es im Weltraum zündet, dann sieht es gut aus
HyNOx wie auch HIP_11 sind vergleichsweise leistungsstarke Treibstoffe. "Sie sind vergleichbar mit Benzin und Diesel", sagt Werling. HyNOx eigne sich für kleinere Satelliten, HIP_11 für größere Sonden und auch Lander, die auf dem Mond oder Mars aufsetzen sollen. Bis es so weit ist, müssen die zwei Gründer die Technik perfektionieren.
Am Prüfstand in Lampoldshausen funktionieren die Triebwerke bereits. Idealerweise können sie ihre Funktion jetzt auch im All demonstrieren. "Wenn wir das geschafft haben, dann sieht es gut aus." Das Unternehmen könne dann mit zwei Produkten alle Einsatzgebiete abdecken. "Solche Anbieter gibt es kaum", sagt Werling.
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