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Digitales 3D-Studio in Heilbronn: Wie virtuelle Welten in Echtzeit erschaffen werden

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Ein Ableger der Agentur Lingner ermöglichen Unternehmenskunden "B2B-Teleshopping". Mithilfe von CAD-Daten, LED-Wand und Greenscreen können hier auch größte Maschinen in einer virtuellen Welt aus einem Guss vorgestellt werden.

Wo ist denn die Maschine hin? Mehrere Methoden der Visualisierung und Virtualisierung werden genutzt und können in Echtzeit betrachtet werden.
Wo ist denn die Maschine hin? Mehrere Methoden der Visualisierung und Virtualisierung werden genutzt und können in Echtzeit betrachtet werden.  Foto: Josua Graf

Wo früher Lkw entladen wurden, in einem Hinterhof an der Heilbronner Hafenstraße, ist der Eingang zu einer erstaunlichen Welt. Gründer aus dem Umfeld der Werbeagentur Lingner haben hier eine Infrastruktur erschaffen, mit der Unternehmen ihre Produkte live präsentieren können - ohne mehr mitzubringen als ihre Garderobe und einen USB-Stick.

Alles in Echtzeit berechnet

Im Inverve-Studio werden die Grenzen des Machbaren ausgetestet. Wer die Halle mit der 100 Quadratmeter großen Bühne betritt, versteht auf Anhieb gar nicht, was hier alles übereinandergelegt werden kann.


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Was Hollywood seit langer Zeit mit Greenscreen und Computeranimation auf die Leinwand bringt, was Spielehersteller an Licht und Schatten und Reflexion erzeugen, das nutzen die fünf Studio-Macher in Echtzeit, um ein neues Universum entstehen zu lassen.

Auf diese Weise hat der amerikanische Dentalproduktehersteller Dentsply Sirona vor kurzem seinen neuen 3D-Drucker vorgestellt, dazu den Chef aus den USA in Lebensgröße mit dem Moderator in Heilbronn darüber sprechen lassen, was mit dem Produkt alles möglich ist.

Moderator muss sich Animationen nicht mitdenken

Bildfüllender Bildschirm: Wojtek Misiewicz (links) und Christian Laurin verschieben die LED-Wand.
Bildfüllender Bildschirm: Wojtek Misiewicz (links) und Christian Laurin verschieben die LED-Wand.  Foto: Gleichauf, Christian

Für den Betrachter am Monitor erschien alles aus einem Guss. Der 3D-Drucker kann hier in Echtzeit geöffnet, mit Röntgenblick durchleuchtet oder beschriftet werden, so professionell wie bei einem Werbeclip. "Aber hier ist echte Interaktion möglich", betont Tobias Hurrle, "weil der Moderator das Ergebnis parallel auf dem Monitor sieht."

Das Studio unterscheidet sich durch seine Vielseitigkeit von anderen, die gerade überall in der Republik entstehen. Mit einer Greenscreen - einem grünen Hintergrund - sind Einspielungen im Hintergrund möglich. Produkte im Vordergrund würden hier aber das Gesamtbild stören, wenn sie das Licht der grünen Wand reflektieren und dann partiell unsichtbar werden.

LED-Welten haben Vor- und Nachteile

"Man könnte solche Live-Streams beispielsweise auch in der LED-Cave in Mannheim produzieren", sagt Nikolaus Schlüter. Dort gibt es eine 30 Meter breite, gebogene LED-Wand mit entsprechender Decke, die jeden beliebigen Hintergrund erzeugen kann.

Doch auch dort müssen Produkte entweder im Hintergrund dargestellt oder in physischer Form mitgebracht werden - und die Nutzung ist obendrein viel teurer.

Das Inverve-Studio kombiniert stattdessen verschiedene Techniken. Dafür braucht es auch spezielle Kameras, die Informationen über ihre Position, ihren Blickwinkel und ihre Brennweite weitergeben und somit die passende Einbindung der dreidimensionalen Modelle ermöglichen. Tobias Huber und Nikolaus Schlüter schaffen es, mit etwas Bearbeitung auch aus dürftigen CAD-Daten solche Modelle zu erschaffen, die dann ins Bild gesetzt werden.

Wanderung durch die animierten CAD-Daten

Tobias Huber (links) und Nikolaus Schlüter haben Tobias Hurrle (hinten) in ein Penthouse mit Ausblick gestellt.
Tobias Huber (links) und Nikolaus Schlüter haben Tobias Hurrle (hinten) in ein Penthouse mit Ausblick gestellt.  Foto: Gleichauf, Christian

Sind die Daten erst einmal aufbereitet, können sie auch für weitere Zwecke benutzt werden. So hat Dentsply Sirona auch gleich noch einen Werbeclip produzieren lassen, bei dem zwei Schauspieler visuell geschrumpft werden und durch den 3D-Drucker laufen. Aus kleinen Lüftern werden jetzt riesige Ventilatoren.

"Die Inszenierung ist wichtig", sagt Hurrle. Denn alle technischen Möglichkeiten würden nichts nützen, wenn das, was gezeigt wird, inhaltlich nicht überzeugt.

Kunden- und MItarbeiterkommunikation

Begonnen hatte es mit der Corona-Krise. Unternehmen brauchten Unterstützung für die Live-Kommunikation. Da Lingner vor allem mit Kunden zusammenarbeitet, die nicht auf den Konsumenten abzielen, sondern im Business-to-Business-Bereich tätig sind, schaute man nach den besonderen Bedürfnissen dieser Klientel. Mitarbeiter- und Kundenkommunikation standen im Vordergrund.

"Irgendwann wurde klar: Wir wollen uns intensiver mit dem Thema beschäftigen", so Hurrle. Eine geeignete Location in der Region zu finden, sei gar nicht so einfach gewesen. Hallen sind rar.

Die Kosten bleiben ein Thema

Jetzt sind sie Dienstleister für ein "B2B-Teleshopping", wie sie es selbst nennen. Wenn Weinig aus Tauberbischofsheim eine seiner großen Holzbearbeitungsmaschinen vorstellt, dann kann diese am Ende ganz einfach von der Bühne gerollt werden. Interaktion ist möglich. Deshalb wird mit dem Ende der Corona-Einschränkungen der Bedarf für diese Art der Kommunikation nicht sinken, sind die fünf überzeugt. "Reisekosten bleiben ein Thema", sagt Hurrle.


Das Team

Der Studio-Betreiber Inverve wurde von Partnern und Geschäftsführern der Heilbronner Werbeagentur Lingner gegründet. Lingner hat vor allem Kunden aus dem B2B-Bereich, und an diese wendet sich Inverve auch. Stefan Lingner ist Geschäftsführer, zusammen mit Wojtek Misiewicz, dazu kommen Tobias Hurrle und Christian Laurin. Im Studio arbeiten sie häufig zusammen mit den Virtualisierungsspezialisten von Virtage, Tobias Huber und Nikolaus Schlüter. Auch hier ist Stefan Lingner mit in der Geschäftsführung. Wer Beispiele sehen möchte, findet diese unter inverve.io.

 
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