Stimme+
Öhringen
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Digitaler Zwilling spart Logistiker Dachser Zeit und Raum

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut führt der Logistiker in Öhringen ein neues System ein. Verlorene Pakete sollen somit der Vergangenheit angehören. Und das ist nur einer der Vorteile.

Scheinbar selbstfahrende Hubwagen werden an einer Unterflurkette durch die Halle gezogen. Die Innovation hängt an der Decke darüber.
Scheinbar selbstfahrende Hubwagen werden an einer Unterflurkette durch die Halle gezogen. Die Innovation hängt an der Decke darüber.  Foto: Gleichauf, Christian

Hinter der auffälligen blauen Dachser-Fassade an der A6 bei Öhringen wird die Digitalisierung der Stückgut-Logistik auf eine neue Stufe gehoben. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut IML testet der Standort derzeit eine neue Technik für das Umschlaglager. Kameras an der Decker erfassen hier jeden Paketstapel, vermessen und verorten ihn auf einer digitalen Karte. So soll künftig der Warenumschlag schneller, effizienter und verlässlicher möglich sein.

Bisher wird das Paket mit Filzstift auf den richtigen Weg geschickt

Kevin Schick richtet am Wareneingang seinen Scanner auf den Strichcode und schreibt mit Filzstift gut sichtbar "151" auf den Paketstapel. Später wird der Hubwagen, auf dem die Palette steht, über den Schlitz im Hallenboden gefahren, ein Bolzen hakt sich in die sogenannte Unterflurkette ein, die durch die gesamte, 8500 Quadratmeter große Halle führt, der Hubwagen fährt los.

Kevin Schick scannt den Strichcode am Paketstapel und schreibt dann die Nummer darunter. Damit wird die Sendung wenig später nach Belgien unterwegs sein.
Kevin Schick scannt den Strichcode am Paketstapel und schreibt dann die Nummer darunter. Damit wird die Sendung wenig später nach Belgien unterwegs sein.  Foto: Christian Gleichauf

Ein Kollege von Schick auf der anderen Hallenseite achtet auf die Nummern, wird den Hubwagen aushängen und die Palette unter dem Schild 151 zu den anderen stellen, die in wenigen Stunden in den Lkw nach Belgien verladen werden.

 

"So machen wir das, seit ich bei Dachser bin", sagt Niederlassungsleiter Marc-Oliver Bohlender (52). Also seit mindestens 25 Jahren. Das System funktioniert gut, hat aber Schwächen. "Es kommt immer wieder vor, dass jemand unleserlich schreibt oder eine Nummer falschherum gelesen wird, dann ist das Paket am falschen Platz", sagt Bohlender.

Wenn es dann ausgeliefert werden soll, ist es erst einmal nicht auffindbar. In der Nachtschicht passiert das nun so gut wie gar nicht mehr.


Mehr zum Thema

Stimme+
Region
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

4000 neue Jobs sind bei größten Betrieben der Region entstanden


Denn da kommt jetzt in Öhringen das neue System zum Einsatz. Statt einen Barcode von Hand zu scannen, lesen 680 Scanner und Kameras an der Decke fortlaufend die sogenannten Data-Matrix-Codes aus, die oben auf jeder Einheit angebracht sind. Mit einem Klick im digitalen Zwilling lässt sich so jederzeit herausfinden, wo sich ein Paket befindet. "Außerdem sparen wir uns so die Inventur - das liegt ja jederzeit alles vor", sagt Bohlender.

Die Größe des Codes fungiert als Maßstab für die Vermessung

Und das System könne noch mehr: "Der Data-Matrix-Code hat jeweils 9,5 mal 9,5 Zentimeter", erzählt Bohlender. "Die kalibrierten Kameras können aus der Größe der Codes dann berechnen, wie hoch ein Paket ist, wie lang und wie breit."

Marc-Oliver Bohlender leitet die Niederlassung seit Eröffnung des Standorts Öhringen.
Marc-Oliver Bohlender leitet die Niederlassung seit Eröffnung des Standorts Öhringen.  Foto: Christian Gleichauf

So soll künftig virtuell die optimale Lkw-Beladung berechnet werden. Schließlich geht es darum, in diesen Zeiten effizienter zu werden. Wenn auf diese Weise geschätzt 20 Prozent mehr in einen Lkw passen, dann spart das viele Fahrten und viel Kraftstoff. In zwei Jahren, so schätzt der Dachser-Verantwortliche, soll es so weit sein.

System ermöglicht künftiges Wachstum

Absehbar ist schon jetzt, dass das neue System schneller ist. Die Nachtschicht-Mitarbeiter, die um 23 Uhr mit dem Wareneingang beginnen, sind dann um 5.15 Uhr fertig statt wie bisher um 6 Uhr. Personal kann deshalb noch nicht eingespart werden, doch die Technik bringt Luft für künftiges Wachstum.

Wie viele Pakete in einem Lkw Platz haben, hängt momentan noch von der Erfahrung der Mitarbeiter ab. Künftig soll eine Künstliche Intelligenz die beste Beladevariante berechnen.
Wie viele Pakete in einem Lkw Platz haben, hängt momentan noch von der Erfahrung der Mitarbeiter ab. Künftig soll eine Künstliche Intelligenz die beste Beladevariante berechnen.  Foto: Christian Gleichauf

Um eine Halle für das System fitzumachen, sind Investitionen von 200 Euro pro Quadratmeter notwendig, verrät Bohlender. 1,7 Millionen Euro kostete die Anlage in Öhringen also. Eine weitere gibt es in Unterschleißheim bei München. Gerade wird untersucht, wann sich die Investition rechnet. Bis auf Weiteres werden aber sowohl die Filzstift-Methode als auch die digitale Erfassung parallel laufen.

 


Dachser in Öhringen

Seit zehn Jahren besteht der Dachser-Standort Öhringen. 260 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Rund 6000 Packstücke und Paletten werden im 24-Stunden-Betrieb umgeschlagen. Zwei Erweiterungen gab es bisher. 2015 wurde das Lager mit 15.000 Quadratmetern gebaut. 2020 wurden die Bestandsanlage und die Büroflächen erweitert. Das Lager ist komplett von zwei Unternehmen belegt, von Kärcher aus Winnenden und vom Spritzgussspezialisten Hünersdorf aus Ludwigsburg. Auf einer Erweiterungsfläche könnte noch eine Lagerhalle Platz finden. Dachser ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Kempten und 32.000 Beschäftigten an 380 Standorten.

Hier hängt Florian Müller einen Hubwagen in die Kette ein.
Hier hängt Florian Müller einen Hubwagen in die Kette ein.  Foto: Christian Gleichauf
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben