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Digitale Stippvisite in der Audi-Produktion

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Klassische Führungen durchs Audi-Werk Neckarsulm sind wegen Corona nicht möglich. Das neue Streaming-Angebot kommt da zur rechten Zeit.

Tourguide Lars Ruoff begleitet als Moderator Interessierte aus aller Welt virtuell durch die Audi-Produktion in Neckarsulm.
Foto: Audi
Tourguide Lars Ruoff begleitet als Moderator Interessierte aus aller Welt virtuell durch die Audi-Produktion in Neckarsulm. Foto: Audi  Foto: Audi/privat

Mit einem Audi, der durch karge, einsame Landschaft kurvt, beginnt die virtuelle Werksführung von Audi Neckarsulm. "Ich seh nichts!", ist eine Kinderstimme aus dem Lautsprecher zu hören, gefolgt von einem "Pssst...". Offenbar hat da eine Familie ihr Mikro nicht ausgeschaltet. Das zeigt nur, dass hier einige Menschen live verfolgen, was übers Internet übertragen wird. Seit Anfang Dezember gibt es diese Möglichkeit, nachdem in der Corona-Zeit klassische Führungen durch die Produktion ausfallen müssen.

Schon vor Corona in Ingolstadt eingeführt

Anlass für die Streaming-Lösung war nicht die Pandemie, wie Kornelia Keilbach, Leiterin Werkführungen am Standort Neckarsulm, betont: "In Ingolstadt bieten wir diese Möglichkeit schon seit November 2019 an." Damit sollte die Reichweite vergrößert werden. Corona habe dann aber gezeigt, wie wichtig es ist, diese Form der Außendarstellung überhaupt anzubieten - auch wenn sie eine echte Führung nicht ersetzt.

Das weiß auch Lars Ruoff aus Bad Wimpfen. Seit mehr als 15 Jahren zeigt er Besuchern die Audi-Welt und erlebt dabei immer wieder Erstaunliches. "Einmal kam ein Besucher mit seinem R8 aus den USA vorgefahren", erinnert sich der 44-Jährige. Seine Habseligkeiten befanden sich in einem Koffer auf dem Dach. "Er wollte sehen, wo sein Auto produziert wurde. Und nachdem wir ihm das Werk gezeigt haben, hatte er Tränen in den Augen."

Mit Dachkoffer auf dem R8 aus den USA nach Neckarsulm

In Animationen wird gezeigt, wie die Schallwellen vom Audi E-Tron GT das Fahrzeug verlassen.
In Animationen wird gezeigt, wie die Schallwellen vom Audi E-Tron GT das Fahrzeug verlassen.

Auf solche emotionalen Momente müssen die Tourguides derzeit verzichten. Immerhin ist es den Teilnehmern möglich, den Führern Fragen mündlich oder schriftlich zu stellen. So kommen aus dem Chat Fragen nach der Entwicklung von Wasserstoff-Autos, nach der Zukunft des Werkstoffs Aluminium, wie lange die Produktion eines Fahrzeugs dauert oder mit welchen Materialien der 3D-Druck inzwischen verwendet wird. "Kunststoff oder Metall", lautet die Antwort, aber das werde vor allem für Prototypen eingesetzt.

Ruoff gehört zu den vier Guides, die sich seit dem vergangenen Frühjahr auf die virtuellen Führungen vorbereitet haben. Eine halbe Stunde dauert ein Termin, und dabei ist höchste Konzentration gefordert. "Wir dürfen nicht viel erklären, alles muss auf den Punkt gebracht werden, die Bilder sollen für sich sprechen", erzählt er.

Raum und Zeit sind schnell überwunden

Der Vorteil des Streams: Auch die Böllinger Höfe können jetzt besucht werden. Mit eindrucksvollen Kamerafahrten wird die Produktion von R8 und Audi E-Tron GT gezeigt. Vorgestellt wird auch das Sounddesign, mit dem der elektrische Supersportler Fahrern und Passanten signalisiert, dass hier etwas Besonderes unterwegs ist.

Das Angebot wird kontinuierlich weiterentwickelt und um Filmsequenzen ergänzt. Begleitet werden die Neckarsulmer Tourguides aus dem eigens eingerichteten Studio in Ingolstadt. Neckarsulm hat bislang darauf verzichtet, ein eigenes Studio einzurichten. "Wir werden es einmal vorübergehend testen, dann wird entschieden, ob wir auch hier diesen Schritt gehen", sagt Keilbach.

Reichweite bis ins entfernte Ausland

Alle Tourguides kennen die Produktion bestens.
Alle Tourguides kennen die Produktion bestens.

Wichtiger ist, die Führungen baldmöglichst auch in Neckarsulm auf Englisch anzubieten. Denn die Nachfrage aus aller Welt sei groß. Selbst für Lars Ruoff, der von Kindesbeinen an mit seinem Onkel Englisch gesprochen hat, ist das eine Herausforderung. "Wir müssen hier intensiv üben, die Zeit nicht zu überschreiten, die uns die Filmsequenzen vorgeben."

Werksführungen gab es schon seit den 1990er Jahren in Neckarsulm, damals in der Regel zu Fahrzeugübergaben. Doch erst mit Eröffnung des Audi-Forums 2005 wurde das Angebot professionalisiert. Seitdem gehört auch Ruoff zum inzwischen sechsköpfigen Team der Tourguides. Der gelernte Einzelhandelskaufmann hatte 1998 in der Lackiererei begonnen. "Wir haben grundsätzlich Kollegen im Team, die schon in der Produktion gearbeitet haben", sagt Kornelia Keilbach.

 

Reservierung

Das Angebot von Audi-Stream ist kostenlos. Um es zu nutzen, können sich Interessierte online anmelden unter www.audi.stream. Dort sind verschiedene Touren verfügbar, unter anderem auch Einblicke in das Werk Ingolstadt.

Noch nicht dreidimensional

Nahezu das gesamte Audi-Werk Neckarsulm wurde im vergangenen Jahr digital und dreidimensional erfasst. Dabei geht es darum, Produktion und Logistik am Rechner optimieren zu können. Daneben könnten diese Daten auch für ein besonders eindrückliches virtuelles Erlebnis in einer 3D-Führung genutzt werden. Die erforderliche Technik müsste allerdings stationär im Audi-Forum eingerichtet werden. Eine Nutzung für Heimanwender ist hier nicht praktikabel. "Das wird derzeit aber nicht forciert, angesichts der Hygiene-Vorgaben könnte es derzeit ohnehin nicht genutzt werden", sagt Kornelia Keilbach, die Leiterin Werkführungen am Standort Neckarsulm.

 


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