Schwere Geschütze des Heilbronner Autozulieferes Schedl zeigen Wirkung
Mit dem Ausscheiden von zwei weiteren Betriebsräten ist Schedl am Ziel. Das Unternehmen ist seine Arbeitnehmervertreter losgeworden. Doch gewonnen ist damit nichts, wenn alles nach Plan läuft.

Das Kapitel Betriebsratskündigungen beim Autozulieferer Schedl in Heilbronn hat ein vorläufiges Ende gefunden. Die letzten zwei Betriebsratsmitglieder, auf die es die Geschäftsführung abgesehen hatte, haben das Abfindungsangebot ihres Arbeitgebers angenommen. Einen Betriebsrat soll es bei Schedl aber auch zukünftig geben. Und dann gibt es da noch eine offene Anzeige.
Der zum bayerischen Preymesser-Konzern gehörende Autozulieferer hatte im vergangenen Jahr versucht, vier seiner fünf Betriebsräte loszuwerden. Mit Vorwürfen wie Arbeitszeitbetrug wurden die Arbeigebervertreter vor dem Arbeitsgericht Heilbronn vorstellig. Spitzfindig versuchte die auf Betriebsratskündigungen spezialisierte Kanzlei Schreiner und Partner, Verfehlungen der vier Mitarbeiter nachzuweisen. Ohne Erfolg, wie die ersten Einschätzungen der Arbeitsrichter zeigten. Doch aufgeben wollte Schedl deshalb noch lange nicht.
In einem Fall erkannte das Unternehmen offiziell die Aussichtslosigkeit der Anschuldigungen. Den anderen drei drohte es weiter mit dem Verfahren vor dem Arbeitsgericht, während Aufhebungsverträge mit üppigen Abfindungen angeboten wurden. 50.000 Euro bot man in einem Fall vor dem Arbeitsgericht.. "Es wurde uns aber bis zuletzt deutlich gemacht, dass wir keine Zukunft im Betrieb haben", erzählt einer von ihnen. Am Ende sei der Druck zu groß geworden. "Ich merke erst jetzt, was da auf uns gelastet hat." Auch die Familie habe gelitten.
Weichen gestellt
Wichtig sei beiden gewesen, die Betriebsratswahl am 19. April noch auf den Weg zu bringen und dafür zu sorgen, dass das Gremium bis zur Neukonstituierung handlungsfähig ist, erzählt Gewerkschaftssekretär Philipp Zänker, der das Unternehmen bei der IG Metall betreut. Das sei gelungen. "Danach konnten sie zwar schweren Herzens aber auch guten Gewissens das Angebot annehmen", so Zänker.
Sie ließen sich nicht provozieren. Das bestätigt auch der ehemalige Arbeitsrichter Lothar Jordan aus Mannheim, der als Vermittler beim Thema Betriebsvereinbarung tätig war. "Ich habe beide als sehr konstruktiv und sachlich erlebt, das war schon auffällig", sagt Jordan. Das sei nicht selbstverständlich, wenn es um die eigene Existenz gehe. Denn der Arbeitgeber hatte neben den arbeitsrechtlichen Vorwürfen noch härtere Geschütze aufgefahren. So wurden drei der Betriebsräte bereits im vergangenen Jahr von ihrem Arbeitgeber wegen Nötigung angezeigt. Sie sollen in Aussicht gestellt haben, der Betriebsvereinbarung Kurzarbeit zuzustimmen, wenn die anderen Vorwürfe gegen sie fallengelassen werden.
Die Staatsanwaltschaft kann derzeit allerdings keine weiteren Angaben zu dem Verfahren machen. Mitbeteiligt soll auch da die Schedl-Geschäftsführerin Christina Preymesser gewesen sein. Sie hatte den Männern angeblich bis zum Schluss zu verstehen gegeben, dass sie keine Zukunft im Unternehmen hätten.
Seine Solidarität hatte den Betriebsräten noch vor kurzem der SPD-Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic zugesichert. Er lobt gegenüber unserer Zeitung auch den Mut, so lange für die Interessen der Belegschaft einzustehen. "Wenn das Unternehmen klug ist, dann begreift es, dass es in jeder sozialen Partnerschaft vernünftige Leute auch auf der anderen Seite braucht."
Audi ist aufmerksam geworden
Mit seinem Vorgehen hat Schedl die Aufmerksamkeit der Auftraggeber Audi und Porsche auf sich gezogen. Jetzt soll Schedl für Audi auditiert werden, auch die Mitarbeiter werden dazu befragt. Für den Autozulieferer steht also weiterhin einiges auf dem Spiel.
Kommentare öffnen



Stimme.de
Kommentare