"Die EEG-Umlage muss weg"
In der Wasserstoff-Region Landshut soll gelingen, was im Raum Heilbronn zu scheitern droht: Ein Kreislauf von der Gewinnung des grünen Wasserstoffs bis zum Endverbraucher. Doch ein Selbstläufer ist das auch dort nicht, trotz großzügiger Förderung.

In der Region Landshut sollen spätestens ab Anfang 2022 Auto- und Busfahrer an drei Tankstellen grünen Wasserstoff beziehen können, der eigens dafür an einem Wasserkraftwerk an der Isar produziert wird. Über Hindernisse und Chancen spricht Projektmanager Willi Holzapfel mit unserer Redaktion.
Herr Holzapfel, Landshut soll bundesweit Vorreiter sein. Was läuft bei Ihrem Wasserstoff-Projekt besser als im Raum Heilbronn?
Willi Holzapfel: Wir investieren 45 Millionen Euro, davon sind 20 Millionen Fördergeld. Damit können wir uns die noch sehr teure Technik leisten. Doch die vermeintliche Logik, dass man mit dieser Technik nur den überschüssigen und damit billigen Strom in Wasserstoff verwandeln und anschließend verkaufen muss, die funktioniert nicht. Denn die Anlagen müssen ausgelastet werden, sonst können sie nie kostendeckend arbeiten. Deshalb nutzen wir zum Beispiel Wasserkraft, die quasi das ganze Jahr über konstant Strom liefert.
Müssen Sie dann auch die EEG-Umlage auf den Strom bezahlen, wie das bei der Windkraft im Harthäuser Wald der Fall ist?
Holzapfel: Nein. Allerdings müssen wir aus diesem Grund den Elektrolyseur, mit dem der Wasserstoff erzeugt wird, direkt an den Fluss bauen. Wir können ihn nicht wie ursprünglich geplant im Industriegebiet betreiben. Wir sind dazu noch in Verhandlungen. Genau aus diesem Grund kann ich aber nur sagen: Die EEG-Umlage muss weg. Denn wenn wir die auch noch bezahlen müssten, wäre das Projekt sofort unwirtschaftlich. Allerdings darf man die Probleme auch nicht auf die EEG-Umlage reduzieren. Es spielen viele Punkte eine Rolle.
Welche weiteren Herausforderungen gibt es denn?
Holzapfel: Wir brauchen Abnehmer. Mit der Koordinationsplattform für das Tankstellennetzwerk H2Mobility sind wir in Verhandlungen. Zudem sind wir auf die kommunalen Busunternehmen in unserer Region angewiesen. Doch die haben mehrjährige Verträge und müssen frühzeitig in die Ausschreibungen gehen. Sie brauchen Planungssicherheit, und am Ende muss sich der Betrieb rechnen. Emissionsfreier Betrieb ist eben noch keine Vorgabe. Da müssen wir viel Überzeugungsarbeit leisten.
Und das alles trotz der großzügigen Förderung...
Holzapfel: Ja, die Förderung alleine garantiert keine Wirtschaftlichkeit.
Die nationale Wasserstoffstrategie soll jetzt für zusätzlichen Rückenwind sorgen. Was erwarten Sie von ihr?
Holzapfel: Man müsste jetzt einfach sagen: Lasst uns das anpacken. Es braucht dieses Signal auch an die Bevölkerung, dass es losgeht. Ich hoffe auf die psychologische Wirkung. Und wünschenswert wäre, dass man jetzt gesamtheitlich an das Thema herangeht. Stattdessen wurde bislang noch zu viel über Details diskutiert.
Bei Wasserstoff glauben Laien zu wissen, worum es geht, bis sie sich damit beschäftigen. Dann wird es kompliziert. Dann gibt es grauen und blauen Wasserstoff, dann kann man ihn methanisieren oder für synthetische Treibstoffe verwenden. Und plötzlich eignet sich das Thema nicht mehr für einfache Botschaften. Erleben Sie das ähnlich?
Holzapfel: Teilweise, deshalb müssen wir es unkompliziert halten. Wasserstoff ist ein einfacher Stoff, mit dem man viel machen kann. Der entscheidende Satz ist: Wir wollen Wasserstoff als Energieträger nutzen. In welcher Form und wofür, darüber lässt sich diskutieren, wenn wir uns auf den Weg gemacht haben.
Fehlt grünem Wasserstoff die Lobby?
Holzapfel: Es hat sich in den Ministerien in Berlin und München zuletzt etwas getan. Aber in der Industrie sind vor allem kleinere Firmen aktiv. Von den großen, insbesondere von den Automobilherstellern, kommt nichts. Da fehlt dann tatsächlich die Lobby.
Haben wir noch einen Technologievorsprung?
Holzapfel: Bei den Fahrzeugen sicher nicht. Bei den großen Elektrolyseuren und der Tank- und Abfülltechnik vielleicht. Aber insgesamt sind die Asiaten an dem Thema derzeit konsequenter dran.

Willibald Holzapfel (62) war mehr als 30 Jahre als Ingenieur bei BMW beschäftigt und ist seit drei Jahren ehrenamtlicher Projektmanager des Vereins H2 Region Landshut. Dort beschäftigen sich sieben Mitglieder aktiv mit dem Projekt, Wasserstoff aus erneuerbaren Energien herzustellen und ihn dann auch im Großraum München zu verbrauchen, etwa durch den Einsatz von Regionalbussen mit Wasserstoff-Antrieb.
Die Region Landshut war damit Gewinner einer 20-Millionen-Euro-Förderung durch den Bund. Ebenfalls bedacht werden die Metropolregionen Rhein-Neckar (Heidelberg und Mannheim) und Nordwest (Oldenburg).

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