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50 Jahre LTI-Metalltechnik in Berlichingen

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LTI-Metalltechnik begann vor 50 Jahren in Berlichingen. Heute formt der Blechverarbeiter anspruchsvollste Teile auch für Kernspintomografen und beschäftigt mehr als 800 Mitarbeiter

Die Geschäftsführung: Firmenchef Frank Isaak (Mitte) mit dem neuen Vertriebs-Geschäftsführer Boris Hofmann (links) und Finanzgeschäftsführer Markus Kaiser.
Die Geschäftsführung: Firmenchef Frank Isaak (Mitte) mit dem neuen Vertriebs-Geschäftsführer Boris Hofmann (links) und Finanzgeschäftsführer Markus Kaiser.  Foto: LTI privat

Der Schöntaler Teilort Berlichingen wurde vor 50 Jahren recht zufällig zur neuen Heimat eines damals wohl kaum als "Startup" bezeichneten jungen Unternehmens. Als Klaus Isaak 1971 die Chance hatte, mit seiner gerade in Ingelfingen gegründeten Firma LTI die Kupferschmiede Zweidinger in Berlichingen samt seiner drei Mitarbeiter zu übernehmen, ergriff er sie.

Dort formte er wenig später in einer Mostpresse die ersten Wandringe für einen Ventilatorenhersteller. Heute liefert das Unternehmen Teile an zahllose Kunden und bietet mit der eigenen Konstruktionsabteilung zusätzliche Dienstleistungen.

Sogar das Gehäuse der Siemens-Kernspintomografen kommt von LTI

Stanzen, Schneiden, Biegen, Pressen − das Know-how umfasst die gesamte Bandbreite. Fotos: LTI
Stanzen, Schneiden, Biegen, Pressen − das Know-how umfasst die gesamte Bandbreite. Fotos: LTI  Foto: Gleichauf, Christian

Die Mostpresse von einst ist längst Geschichte. Heute stanzen, schneiden, kanten, schweißen und pressen vor allem moderne Maschinen die Bleche. Wandringe und andere Teile für EBM-Papst- und Ziehl-Abegg-Ventilatoren gehören noch zum Sortiment. Doch das Know-how wird auch in anderen Branchen geschätzt.

Bei Windrädern ebenso wie bei Heidelberger Druckmaschinen oder in der Medizintechnik. Siemens etwa bezieht für seine Kernspintomografen die Gehäuse von LTI. Allerdings stammen diese Großteile vom Schwesterunternehmen LTI-Metaltech in England. Das Berlichinger Unternehmen ist eben schon vor Jahrzehnten so stark gewachsen, dass nur noch ein Teil im Jagsttal Platz hat.

Generationenwechsel ist geglückt

Inzwischen hat Klaus Isaaks Sohn Frank in der Geschäftsführung die Verantwortung übernommen. An seiner Seite sind Markus Kaiser für den kaufmännischen Bereich und seit diesem Jahr auch Boris Hofmann, der zuvor Vertriebsleiter im Unternehmen war.

"Der Generationenwechsel ist vorbildlich gelaufen", sagt Kaiser. Das findet auch Frank Isaak. Der weiche Übergang sei gut für alle gewesen, gerade auch für seinen Vater. 2015 wurde die Firma offiziell übergeben. Mit der Corona-Krise schaue der 78-jährige Unternehmensgründer nun nicht mehr so häufig im Betrieb vorbei. "Auf seinen Rat höre ich trotzdem noch", sagt sein 47-jähriger Sohn. Eines der Grundprinzipien des Seniorchefs ist etwa, das Unternehmen nie von einem Großkunden abhängig zu machen. Vermeidbaren Krisen geht man so aus dem Weg.

Zum Jubiläum ein Rekordjahr

Ein Mitarbeiter prüft Schweißnähte an einer Metallkonstruktion.
Ein Mitarbeiter prüft Schweißnähte an einer Metallkonstruktion.  Foto: LTI privat

Gerne hätten die Berlichinger gefeiert, so wie vor zehn Jahren zum 40-Jährigen. Doch die Pläne fielen Corona zum Opfer. Umso erfreulicher ist da, dass die Geschäfte laufen wie nie. Nach einem neunprozentigen Umsatzrückgang im vergangenen Jahr sieht es derzeit nach einer 16-prozentigen Steigerung für 2021 aus. "Wir gehen von 118 Millionen Euro Umsatz aus, es wird ein Rekordjahr", sagt Markus Kaiser.

Die andere Seite der Medaille: Die Kapazitäten sind teilweise ausgeschöpft. Offene Stellen gibt es in fast allen Bereichen. Bei der Materialversorgung wird es zunehmend eng. "Preise für Rohstoffe haben sich verdoppelt, teils verdreifacht", nur einen Teil könne man weitergeben, sagt Kaiser, der mit seinen 53 Jahren bereits fast 30 Jahre im Unternehmen ist.

Wenig Fluktuation im Unternehmen

Er ist damit übrigens ein gutes Beispiel für die Treue der Mitarbeiter zu ihrem Unternehmen, eine der typischen Stärken Hohenloher Firmen. Die Fluktuation sei gering, im Schnitt seien die Mitarbeiter schon länger als zehn Jahre dabei, sagt Kaiser.

Großen Wert legt LTI dabei auf die jährlich 20 Auszubildenden, für die vor knapp 20 Jahren ein Ausbildungszentrum gebaut wurde. Dort fertigen und bearbeiten die technischen und kaufmännischen Azubis eigenständig Kundenaufträge.

Digitalisierung ist hier ein andauernder Prozess

Der große Transformationsschub in Richtung Digitalisierung sei bisher nicht zu spüren, sagt Frank Isaak. Vielleicht auch, weil es keinen Investitionsstau gebe. LTI versuche, immer auf dem Stand der Technik zu sein, erzählen die Geschäftsführer, und weil viele der Trumpf-Maschinen ohnehin nach fünf Jahren ersetzt würden, kaufe man Digitalisierungsfortschritte in diesem Bereich automatisch mit ein. Jährlich würden fünf bis zehn Prozent des Umsatzes reinvestiert.

Aus dem Lüfterhersteller wurde schnell ein Metallbearbeiter

Fast wäre die Unternehmensfamilie der Ventilatorenbauer in Hohenlohe noch um eine Firma reicher geworden. Denn der damalige R. Stahl-Mitarbeiter Klaus Isaak entwickelte ab 1969 einen sogenannten Heulüfter und machte sich mit der Produktion desselben zwei Jahre später selbstständig. Lüftungstechnik Ingelfingen - kurz LTI - nannte er sein Unternehmen, weil er im Nachbarort seines Wohnorts Künzelsau das Unternehmen in einer kleinen Werkstatt gründete. Heulüfter wurden verwendet, um die Selbstentzündung des damals noch lose eingebrachten Heus in der Landwirtschaft zu verhindern.

Die Landwirtschaft benötigte diese Art von Lüfter nicht mehr

Nachdem sich Silage- und Ballentechnik durchgesetzt hatten, waren sie nicht mehr gefragt, dafür aber Isaaks inzwischen erworbenen Kenntnisse der Blechbearbeitung. Aus der LTI-Lüftungstechnik wurde so die LTI-Metalltechnik.

Heute beschäftigt LTI am 2006 gegründeten Standort Windischbuch 330 Beschäftigte, in Bobstadt 46. 2019 wurde in Osterburken die Firma Stadtmüller mit nun 130 Mitarbeitern übernommen. Zusammen mit den 320 in Berlichingen beschäftigt LTI damit mehr als 800 Mitarbeiter. Dazu kommen noch die zwei rechtlich selbstständigen Schwesterunternehmen in England mit rund 100 und Thüringen mit 120 Mitarbeitern. 

Stanzen, Schneiden, Biegen, Pressen − das Know-how umfasst die gesamte Bandbreite. Fotos: LTI
Stanzen, Schneiden, Biegen, Pressen − das Know-how umfasst die gesamte Bandbreite. Fotos: LTI  Foto: Gleichauf, Christian
Ein Mitarbeiter prüft Schweißnähte an einer Metallkonstruktion.
Ein Mitarbeiter prüft Schweißnähte an einer Metallkonstruktion.  Foto: LTI privat
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