Dass Arnold sein Jubiläum feiern darf, liegt nur an Reinhold Würth
Fast wäre es vor knapp 30 Jahren vorbei gewesen mit Arnold Umformtechnik. Heute ist sie als Tochterunternehmen von Würth erfolgreich unterwegs. Warum Reinhold Würth damals eine einsame Entscheidung getroffen hat.

Das Arnold-Jubiläum hätte kaum zu einem besseren Zeitpunkt stattfinden können. Die Geschäfte des Würth-Tochterunternehmens laufen seit Jahren besonders gut.
Und die Person, die das überhaupt erst möglich gemacht hat und eine 78-jährige Beziehung zu diesem Unternehmen hat – Reinhold Würth – konnte seine Sicht auf die Unternehmensgeschichte persönlich erzählen. Entsprechend viele Gäste waren am Freitag ins Carmen-Würth-Forum gekommen.
Dirk Döllner und Frank Agner sind ein eingespieltes Duo
Die zwei, die dazu beitragen, dass es geschäftlich gut läuft, sind an diesem Abend auch für die Unterhaltung der Gäste zuständig. Arnold-Chef Dirk Döllner spielt sich gekonnt die Bälle mit seinem Finanzchef und Co-Geschäftsführer Frank Agner zu.
Und Agner geht in seiner Rolle als Moderator auf. Humorvoll hält er das Publikum gleich zu Beginn davon ab, zu viel zu klatschen - nur bis 19.30 sei das Programm vorgesehen. "Wenn das so weitergeht, dann wird es echt knapp." So blieb das Programm tatsächlich knapp in der Zeit, was bei solchen Anlässen nicht die Regel ist. Trotzdem kamen Geschichte und Geschichten rund um Arnold nicht zu kurz. Im Gegenteil. Sogar Reinhold Würth lernte noch etwas dazu.
Die ersten Schrauben aus Hohenlohe

Doch der Reihe nach. Es begann im Jahr 1898 am Kocher in Ernsbach, wo Louis und Carl Arnold ihre Schraubenfabrik gründeten. Es waren die ersten Schrauben aus Hohenlohe und somit wurde dort - indirekt - auch der Grundstein für den heutigen Würth-Konzern gelegt. Als Adolf Würth 1945 mit seinem Schraubenhandel begann, da hatte er schon mehr als 20 Jahre bei den Brüdern Reisser gearbeitet - die ihrerseits bei Arnold begonnen hatten.
Es ist eine der häufiger erzählten Anekdoten, dass Adolf Würth damals seine ersten Schrauben bei Arnold kaufte, und dass der zehnjährige Reinhold seinen Vater auf den ersten zwei Touren von Künzelsau nach Ernsbach begleitet. Mit einem geliehenen "Kuhfuhrwerk", wie Reinhold Würth an diesem Abend betont und detailliert beschreibt.
Ein neues Datum auch für den einzigen Zeitzeugen
Überrascht ist der 88-Jährige über das Datum auf dem Bestellzettel, den Würth-Konzernchef Robert Friedmann zuvor auf der Leinwand zeigte. Der 29. Mai 1945 ist dort eingetragen. "Das war auch mir neu", sagt Reinhold Würth, "dass mein Vater schon Schrauben bestellt hat, bevor er überhaupt die Geschäftsgenehmigung von der amerikanischen Militärregierung erhalten hatte." So dürfte die Firmengeschichte der Würth-Gruppe wohl um ein Detail ergänzt werden.

Die Kindheitserinnerungen von Reinhold Würth waren lange Zeit nur eine schöne Geschichte, bekamen aber Anfang der 90er Jahre eine entscheidende Bedeutung. Damals stand Arnold zum Verkauf. Ein amerikanisches Unternehmen hatte Interesse an der Möbel- und Krankenhausbettenproduktion von L&C Arnold, nicht aber an der Schraubensparte. Der große Wettbewerber aus Künzelsau war gefragt. Doch dort war sich die Geschäftsleitung weitestgehend einig: Zu groß das Risiko, Schrauben bekam man günstiger aus Fernost.
"Ich kann das ganz offen sagen", bestätigte Reinhold Würth dann auch die Erzählungen seiner Vorredner, "ich war der einzige in der Geschäftsleitung, der dafür war, dieses Unternehmen zu kaufen."
Der einstige Verlustbringer ist zurück in der Spur

Inzwischen hat sich Arnold auf Verbindungen für die Automobilindustrie spezialisiert. Aus dem Verlustbringer von damals ist heute ein Unternehmen mit 1400 Mitarbeitern, 275 Millionen Euro Umsatz und einer Rendite ganz nach dem Geschmack des Eigentümers geworden.
Für Landrat Matthias Neth sind solche Geschichten ein "gelebtes Bekenntnis zur Raumschaft". Es sei kaum vorstellbar, wie dieser Hohenlohekreis - 1973 bei seiner Gründung einer der ärmsten in Württemberg - heute aussehen würde, "wenn es den Würth-Konzern und Perlen wie Arnold nicht gäbe".
Noch mehr Geschichte
Die einsame Entscheidung von Reinhold Würth für Arnold war im Übrigen kein einmaliger Vorgang. Die emotionale Beziehung zu Reisser, wo sein Vater Prokurist war, gab auch dort den Ausschlag für die Übernahme 1994. Reinhold Würth setzte sich auch hier über Warnungen seiner Führungsriege hinweg. Auch dieses Unternehmen zahlte das Vertrauen zurück. Wer mehr erfahren will über die 125-jährige Geschichte der Schrauben in Hohenlohe, der kann am Sonntag, 9. Juli, beim Tag der offenen Tür im Kocherwerk in Forchtenberg-Ernsbach vorbeischauen. Infos unter www.kocherwerk.de.

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