Nach Huthi-Angriffen auf Handelsschiffe: Drohen nun Lieferengpässe bei Lidl und Würth?
Nach Attacken auf Handelsschiffe meiden Reedereien zunehmend die Route durchs Rote Meer und erhöhen die Preise drastisch. Tesla muss seine Produktion stoppen. Wie Lidl und Würth auf die aktuelle Situation reagieren.

Seit Ausbruch des Gaza-Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas greifen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen immer wieder Schiffe mit angeblich israelischer Verbindung im Roten Meer an. Die USA und Großbritannien reagierten und haben mit der Unterstützung Verbündeter in der Nacht auf Freitag Stellungen der Rebellen im Jemen angegriffen. Reedereien meiden die Route zunehmend. Der lange Umweg um den Südzipfel Afrikas, das Kap der Guten Hoffnung, führt dazu, dass sich die Zeit für den Transport von Waren um bis zu 20 Tage verlängert, so das Institut für Wirtschaftsforschung (IfW) in Kiel.
Lücke in Lieferketten nach Huthi-Angriffen – Tesla muss reagieren
Das hat erste Konsequenzen für die Autoindustrie in Deutschland. Tesla plant nach Angaben von „Zeit Online“, die Fertigung seiner Gigafactory in Grünheide ab 29. Januar für zwei Wochen ruhen zu lassen. Grund dafür ist, dass sich die Transportwege verschieben und damit eine Lücke in den Lieferketten entsteht, so die Erklärung des Unternehmens.
Es ist offenbar das erste Mal, dass es in Grünheide zu einem solchen Produktionsstopp kommt. Tesla ist demzufolge auch der erste Konzern, der eine Produktionslücke wegen des Konflikts bekanntgibt.
Es werden Erinnerungen an die Zeit der Corona-Pandemie wach, als gestörte Lieferketten – später auch aufgrund des Kriegs in der Ukraine – zu großen Problemen in der gesamten Industrie führten. Frachtpreise vervielfachten sich damals und trugen so zur allgemeinen Preissteigerung bei.
Auch nun machen wieder die Meldungen von drastischen Verteuerungen der Frachtpreise die Runde. So hat etwa die französische Großreederei CMA CGM die Raten von 3000 Dollar auf 6000 Dollar pro Container verdoppelt, wie das „Manager Magazin“ berichtet. Zum Vergleich: In der Pandemie wurden Preise von bis zu 14.000 Dollar bezahlt, davor lag ein 40-Fuß-Container bei 2000 Dollar.
Würth versucht, die Preise stabil zu halten
Der Handelskonzern Würth bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Auswirkungen bereits spürbar seien. Der Umweg von 6000 Meilen um das Horn von Afrika führe zu Lieferverzögerungen von bis zu drei Wochen. „Perspektivisch können dadurch Kapazitätsengpässe bei den Seetransporten entstehen“, erklärt Thomas Klenk, der zuständige Geschäftsbereichsleiter der Würth-Gruppe.
Würth habe bereits einige Maßnahmen ergriffen, um die Lieferfähigkeit im Sinne der Kunden sicherzustellen. „Wir beobachten diese Situation sehr genau, um schnell reagieren zu können“, so Klenk. Die Zusatzkosten seien erheblich. Trotzdem erwartet Klenk keine neue Preisspirale. „Wir geben die Mehrkosten nicht an unsere Kunden weiter.“
Lidl erhöht die Kapazitäten der eigenen Reederei
Die längeren Schiffsrouten haben der „Lebensmittel-Zeitung“ zufolge Auswirkungen auf den europäischen Einzelhandel vor allem im Bereich der Nonfood-Importe aus Asien. Denn auch die Lidl-eigene Reederei Tailwind lässt ihre bisher fünf Container-Schiffe mit jeweils mehr als 250 Metern Länge nun nicht mehr durch den Suez-Kanal fahren. Ein Lidl-Sprecher betonte, dass "die Reaktionsfähigkeit und hohe Flexibilität" einer eigenen Reederei ein großer Vorteil sei.
Wie das Schifffahrts-Magazin „Hansa“ berichtet, hat sich Lidl sogar schon weitere Kapazitäten gesichert und weitere Schiffe gechartert, um nicht in einen Engpass hineinzulaufen.
IfW bleibt optimistisch
Aktuell liegt das Transportvolumen via Rotem Meer nach Angaben des IfW bei nur rund 200.000 Containern pro Tag, nach rund 500.000 im November. Auch das IfW erwartet aber „keine spürbaren Folgen für die Verbraucherpreise in Europa“, zumal der Anteil der Frachtkosten am Warenwert hochpreisiger Artikel etwa im Bereich Consumer-Elektronik nur im Promillebereich liege.
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