Stimme+
Ingelfingen
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Criesbacher Ventilhersteller Bürkert bereitet sich auf anhaltenden Boom vor

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Das Unternehmen investiert in Frankreich und China. Die Corona-Krise ist überwunden, der Umsatz marschiert in Richtung 600 Millionen Euro. Nur die Preise machen Sorgen. "Da geht es um Macht und Kohle", sagt Bürkert-Chef Rohrbeck.

Das geplante Bauprojekt in Taicang Port: Dort entsteht in einem Gewerbe- und Industriepark das sechste Bürkert-Systemhaus. Es ist der zweite Standort in China.
Das geplante Bauprojekt in Taicang Port: Dort entsteht in einem Gewerbe- und Industriepark das sechste Bürkert-Systemhaus. Es ist der zweite Standort in China.  Foto: Bürkert

Ein lange Zeit untergeordnetes Spezialgeschäft trat für das Hohenloher Unternehmen Bürkert 2020 in den Vordergrund: Es belieferte Beatmungsgerätehersteller aus Europa und darüber hinaus mit Ventilen und Komplettsystemen, teils übernahmen die Criesbacher sogar die Montage. Die Stärken, die das Unternehmen dabei gezeigt hat, will es weiter ausbauen. Die Voraussetzungen sind derzeit gut, denn nach kurzer Verschnaufpause laufen die Geschäfte wieder in allen Bereichen. Es wird kräftig investiert.

Die Fokussierung auf Stärken bedeutet, dass Bürkert noch mehr als in der Vergangenheit Komplettsysteme entwickeln will, statt nur Einzelteile zu liefern. Dazu braucht es Hightech, qualifizierte Mitarbeiter, mehr Digitalisierung und offenbar sogar ein weiteres sogenanntes Systemhaus, in dem Bürkert gemeinsam mit seinen Kunden an individuellen Lösungen arbeiten kann.

Zweistellige Millionenbeträge für Erweiterung und Neubau

Fünf dieser Häuser hat Bürkert bereits. Ein weiteres soll bis Ende 2022 in China in Taicang Port auf einem 30 000-Quadratmeter-Grundstück entstehen. Ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag wird dafür gesetzt.

Freigegeben wurde im Frühjahr auch eine Erweiterung des Werks in Triembach im Elsass, eine Investition im unteren zweistelligen Millionenbereich. Mit genauen Zahlen hält man sich bei Bürkert - wie es sich in Hohenlohe traditionell gehört - zurück.

Weitere Weichenstellungen stehen an

Erweitert wird auch das Werk in Triembach im Elsass. In der Sensorik und bei Mass Flow Controllern − Produkte, die dort gefertigt werden − sind gefragt.
Visualisierungen: Bürkert
Erweitert wird auch das Werk in Triembach im Elsass. In der Sensorik und bei Mass Flow Controllern − Produkte, die dort gefertigt werden − sind gefragt. Visualisierungen: Bürkert  Foto: Bürkert

Es sind aber in jedem Fall Größenordnungen, die auch von einem Weltmarktführer wie Bürkert nicht locker zu stemmen sind. "Wir sind ja kein Bauunternehmen, dem es um schöne Gebäude geht. Wir machen das, weil wir die Märkte noch besser bedienen wollen. Es muss sich rechnen", sagt Bürkert-Geschäftsführer Heribert Rohrbeck im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bei der Gesellschafterversammlung in den nächsten Tagen könnten noch weitere wichtige Entscheidungen getroffen werden.

"Zufrieden" ist Rohrbeck auch mit dem, was unter dem Strich hängenbleibt - die Umsatzrendite sei weiterhin gut. Die Geschäfte laufen wieder, nachdem der Umsatz im vergangenen Jahr um rund zwei Prozent zurückging. "Viele Kunden vor allem im Anlagenbau haben sich mit Investitionen vorübergehend zurückgehalten. Jetzt wird das nachgeholt."

Das ist vorsichtig formuliert, denn beim Umsatz will er in diesem Jahr die 600-Millionen-Marke deutlich hinter sich lassen, nach 544 Millionen im vergangenen Jahr. Das wäre ein Sprung von mehr als zehn Prozent. "Es ist ein starker Schub, und es ist kein Strohfeuer", betont Rohrbeck.

Stark laufe die Pharma-Industrie, die jetzt auch in Europa wieder verstärkt produzieren will. Auch Medizintechnik sowie Nahrung und Genuss erhöhen die Nachfrage. "Es gibt eigentlich keinen Bereich mehr, der hinterherhinkt."

Rohrbeck ist stolz auf seine Mitarbeiter

Nach einer Nachfrageschwäche im vergangenen Jahr gibt es jetzt Nachholeffekte und dauerhafte Belebung am Markt. Viel zu tun in der Bürkert-Produktion.
Foto: Bürkert
Nach einer Nachfrageschwäche im vergangenen Jahr gibt es jetzt Nachholeffekte und dauerhafte Belebung am Markt. Viel zu tun in der Bürkert-Produktion. Foto: Bürkert  Foto: FLAMISCH FOTO + FILM

Das bedeutet auch für die Mitarbeiter, dass sie derzeit auf manchen Brückentag verzichten müssen. "Ich bin stolz auf unsere Belegschaft, wie flexibel sie im vergangenen Jahr war und auch jetzt wieder ist."

Rund 3000 Menschen beschäftigt Bürkert weltweit. Etwa 100 wurden im vergangenen Jahr eingestellt, vor allem in der Produktion. Zielmarken gibt es hier für die nächste Zeit nicht. "Gute Leute stellen wir ein, und die finden wir auch", sagt Heribert Rohrbeck.

Spekulanten unterwegs

Angesichts der Lieferprobleme bei vielen Firmen ist man beim Ventilhersteller noch relativ entspannt. Die hohe Fertigungstiefe im eigenen Haus verringert die Abhängigkeit von Lieferanten. Sorgen machen aber auch dem Bürkert-Chef die steigenden Preise. "Bei der Elektronik geht es teilweise um den Faktor acht bis zwölf nach oben." Kunststoff sei ebenfalls stark verteuert. "Da haben wir glücklicherweise langfristige Kontrakte und sind somit lieferfähig."

Rohrbeck geht davon aus, dass auch wieder eine gewisse Normalisierung eintreten wird, weil derzeit vieles von Spekulation getrieben sei. "Man hat bei manchen Händlern den Eindruck, dass sie den Markt beherrschen, weil sie ihn leergekauft haben. Da geht es um Macht und Kohle."

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben