Beschleunigerprogramm AI Founders: Wo KI heute überall eingesetzt werden kann
Beim Abschlusstag des Förderprogramms AI Founders zeigen zehn Teams, in welchen Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt werden kann. Das Programm wird ein Jahr nach seinem Start nun auch ausgeweitet.

Die Szene aus Harry Potter dröhnt durch den Science Dome der Experimenta. Die Kamerafahrt führt durch schreiende Schüler, der Zuschauer ist mittendrin. Passend dazu ein zitternder, verzerrter und größer werdender Untertitel: "Aaaah!" So können auch Gehörlose spüren, welche Konfusion da herrscht.
Die neue Technik des Start-ups Phont ist eine der zehn Ideen, die zum Abschluss dieses dritten Accelerator-Programms der Campus Founders am Donnerstagabend vorgestellt werden.
Heilbronner AI Founders finden Kunden und Mitstreiter
Drei Monate haben die zehn Teams, die als sogenannte AI Founders gefördert wurden, in Heilbronn verbracht. Sie wurden angeleitet, haben die Fühler nach Kunden und Unterstützern ausgestreckt, teils sogar neue Teammitglieder gefunden. So erging es StrategyBridgeAI, die einen neuen Mitstreiter bei der Programmierschule 42 fanden.
Was ein Unternehmen zu einem wirklich erfolgreichen Unternehmen machen kann, erzählen die Gastredner Jörg Rheinboldt und Teddy Kim. Die zwei sind schon seit mehr als 25 Jahren im Geschäft – unter anderem mit Playern wie Ebay oder dem Übersetzungstool Deepl – und damit so etwas wie Dinosaurier in der Start-up-Szene.
Sie warnen vor reinem Profitstreben und setzen stattdessen auf den persönlichen Rhythmus und die richtige Balance zwischen Leistung, Vergnügen und Entspannung.
Hört sich gut an, vor allem in der überzeugenden Art, wie die beiden alten Hasen ihre Vorstellungen im Vortrags-Pingpong präsentieren. Die wichtigste Frage auch bei ihren eigenen Unternehmungen inzwischen: "Und dann?" Es gehe darum, immer noch ein wenig tiefer zu bohren, das "Warum?" in allen Facetten zu beantworten. Warum ich? Warum das? Warum jetzt?
Fremdsprachen-App Sylby: Schlag auf Schlag neue Sprachen gelernt
Für die AI-Founders-Teams geht es jetzt erst einmal um die Frage, wie die eigenen Ideen bei den potenziellen Geldgebern ankommen. Einer der anwesenden Investoren hat es beispielsweise auf Sylby abgesehen. Yamile Vargas stellt die Fremdsprachen-App vor, die den Nutzern vor allem zuhört: "Die meisten Angebote am Markt vernachlässigen das Aussprachetraining", erklärt Vargas.
Die KI in der App spürt die Schwächen und Fehler in der Aussprache auf. Das funktioniert schon auf Deutsch, im nächsten Jahr sollen Französisch, Spanisch, Mandarin und Koreanisch folgen.
Das zeigt auch, wie schnell die Entwicklung der KI nun voranschreitet. Das wird sogar einigen Gründern langsam unheimlich, wie sie beim lockeren Abendessen an Stehtischen anschließend zugeben.
Prototypenbau überflüssig
Weiter mit den Ideen: Celekohr macht aus einfachen Grundrissen bestehender Gebäude digitale 3-D-Modelle, wie sie beispielsweise von Energieberatern üblicherweise aufwendig nachgebaut werden müssen. Auf Knopfdruck.
So wie bei Keyward, die Ingenieuren in vielen Fällen aufwendige Versuchsaufbauten sparen und beispielsweise den Windkanal einfach simulieren.
Eine Suchfunktion über alle Mailablagen, Netzlaufwerke und Chatverläufe, die Unternehmen Zeit und Geld sparen soll, bietet Ambersearch. Entscheidend ist dabei auch, dass bei der Indexierung gleich hinterlegt wird, wer was sehen darf, wie Philipp Reißel betont. Sonst wird das vertrauliche Dokument vom Chef plötzlich beim Mitarbeiter ausgespuckt.
Der KI-Verkäufer weiß schon ziemlich viel
Ob ein neues Produkt eine Chance beim Verbraucher hat, will Contrarian AI in Sekundenschnelle auswerfen. Wer dann wissen will, wie zufrieden Kunden mit einem Produkt sind, der kann Esko.ai einsetzen. Das Gründerteam aus Helsinki wertet das Feedback aus und weist auf konkrete Defizite hin, anstatt nur eine einfache Bewertung in Zahlen auszugeben.
Punku heißt übrigens der neue KI-Verkäufer, der bestens über seine Kunden informiert ist und sie gezielt anschreibt, auf Nachfragen reagiert und am Ende entweder bis zum Auftrag alles übernimmt, oder aber an den menschlichen Verkäufer abgibt, wenn er nicht mehr weiterkommt.
Damit all die Start-ups bei der Bewerbung um Fördergelder besser zum Zug kommen, hat OpenGrant ein KI-Tool erstellt, das fehlerfreie und passende Anträge ermöglicht.
Neue Programme
Der AI-Founders-Accelerator, also das Beschleuniger-Programm für Start-ups in Heilbronn, wird künftig ergänzt durch weitere Angebote, wie Campus-Founders-Chef Oliver Hanisch erläuterte. Als Teil der Gründungsförderung des Landes Baden-Württemberg beginnt ab März das kleine vorgelagerte Programm AI Start. Im Anschluss an die vierte Runde der AI Founders, die im Mai beginnt, folgt dann das für bereits fortgeschrittene Start-ups gedachte Programm AI Scale.
Darüber hinaus haben bereits einige der zuletzt geförderten Start-ups Interesse daran, ihre Zeit in Heilbronn zu verlängern oder sogar - wie StrategyBridgeAI aus München - ein Büro hier zu eröffnen.
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