Handwerk leidet unter Materialmangel und stark steigenden Preisen
Auch in der Region werden die Klagen der Handwerker über hohe Preissteigerungen und knappes Material immer lauter. Kunden müssen sich auf lange Wartezeiten einstellen. Handwerksbetriebe können immer häufiger ihre Aufträge nicht abarbeiten.

Lange Wartezeiten und höhere Baupreise - das Handwerk schlägt aufgrund der Lieferengpässe bei Material und Rohstoffen Alarm. Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), warnte am Dienstag vor einem Einbruch des privaten Wohnungsbaus.
"Nicht nur Holz ist derzeit knapp und teuer, sondern alles, was man braucht, um ein Haus zu bauen oder zu renovieren, und vieles mehr", sagte Wollseifer. Auch elektronische Teile, Kabel und sogar Befestigungsmaterial wie Schrauben fehlten. "Das macht unseren Betrieben im Moment ganz schwer zu schaffen."
Zehn bis 15 Wochen Wartezeit
Wartezeiten Im Bau- und Ausbaubereich müssten Kunden aktuell mit zehn bis 15 Wochen Wartezeit rechnen, bis ein Auftrag begonnen werde, sagte der Handwerkspräsident. Für ihn steht angesichts dieser Entwicklung fest: "Bauen wird teurer werden." Bei verschiedenen Materialien habe es in den zurückliegenden drei bis fünf Monaten Preissteigerungen von 20 bis 30 Prozent gehabt - bei einzelnen Gütern hätten sich die Preise sogar verdreifacht.
Hoffen auf baldige Entspannung
Auch Rainer Reichhold, Präsident des baden-württembergischen Handwerkstags, zeigt sich besorgt. "Alle konkurrieren um die gleichen Materialien." Nicht nur Holz, auch chemische Produkte, Kunststoffe oder elektronische Bauteile wie Chips seien aktuell knapp. Die Lieferprobleme und die teils extremen Preissteigerungen seien vor allem Spätfolgen von Corona. "Wir hoffen daher sehr, dass sich die Lage bald entspannt", sagt Reichhold.
Auch in der Region werden die Klagen der Handwerker über hohe Preissteigerungen und knappes Material immer lauter, wie Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, berichtet. "Teils haben sich die Materialpreise von Holz, Betonstahl, Kunststoffrohren und Dämmmaterialien mehr als verdoppelt", sagt Bopp. Besonders beim Bauholz sei die Situation dramatisch, nachdem deutsches Holz in den Fokus des Weltmarktes geraten sei.
Paradox Reichhold und Bopp sprechen von einer paradoxen Situation: "Die Auftragsbücher sind voll, aber die Betriebe können ihre Aufträge nicht bearbeiten." Auch die Weitergabe der Preissteigerungen an die Kunden sei nicht ohne weiteres möglich, insbesondere bei bestehenden Verträgen - mit der Folge, dass Betriebe Verluste machten. "In einigen Fällen planen die Betriebe mit Kurzarbeit", berichtet Bopp. Eine Entlasswelle im regionalen Handwerk erwartet er aber nicht: "Wenn der Materialfluss wieder funktioniert, wird nach wie vor jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin benötigt", betont Bopp.
Lieferengpässe auch bei Würth
Schrauben seien übrigens weiterhin lieferbar, erklärt eine Würth-Sprecherin. Die Lieferketten könnten mit Produktionsstandorten in der Region und Europa aufrechterhalten werden. Doch auch der Marktführer im Befestigungshandel spricht inzwischen offen über Lieferengpässe "hauptsächlich im Bereich DIN- und Normteile und Solar-Unterkonstruktionen".
Das Handwerk fordert von der Bundesregierung eine Erhöhung der Förderbeträge für private Bauherren. Außerdem solle es bei öffentlichen Vergaben in allen neuen Verträgen Preisgleitklauseln geben, damit die vom Handwerksbetrieb nicht zu vertretenden erhöhten Kosten entsprechend weitergegeben werden können, heißt beim ZDH.
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