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Audi, Salzwerke, IHK: Bahnstreik der GDL trifft auch Unternehmen

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Industrieverband BDI warnt vor Schäden durch Produktionsausfälle in Folge des GDL-Streiks. Auch in der Region machen sich Unternehmen Gedanken, wie sie mit der Situation umgehen.

Der sechstägige Bahnstreik der GDL ist der längste in der 30-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn. Er legt nicht nur den Personenverkehr auf der Schiene lahm. Auch der Güterverkehr ist betroffen, und damit werden unvermeidlich auch Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen.

GDL-Streik kostet 100 Millionen Euro pro Tag – oder mehr

Dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) zufolge kostet ein Streiktag rund 100 Millionen Euro – „mal sechs, das heißt wir sind hier gut und gerne bei einer halben Milliarde an volkswirtschaftlichen Kosten“, wie IW-Chef Michael Hüther bei Welt TV vorrechnet. Sein Konjunkturchef Michael Grömling sieht sogar eine Milliarde Euro im Bereich des Möglichen, wie er dem Spiegel gegenüber äußert.

Solche Summen werden vor allem dann erreicht, wenn Fabriken ihre Produktion wegen Nachschubproblemen herunterfahren müssten, warnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.  


Salzwerke-Chef: Stellen um auf Lkw

In der Region sieht Ulrich Fluck, Chef der Südwestdeutschen Salzwerke, zumindest dieses Risiko derzeit nicht. „Die Auswirkungen sind für uns zum aktuellen Stand und in den nächsten Tagen überschaubar“, sagt Fluck auf Anfrage unserer Zeitung. Statt mit der Bahn würden die Salzwerke ihr Salz mit Lkw zum Kunden fahren. „Das funktioniert relativ gut“, sagt Fluck.

Allerdings würden durch das „inakzeptable Verhalten der GDL“ Bemühungen, mehr Transporte über die Schiene abzuwickeln, konterkariert.

BDI: Schiene wird durch den Streik unattraktiver

Davor hat Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), bereits bei einem früheren GDL-Streik hingewiesen: „Bei nicht wenigen Transportketten, die jetzt streikbedingt auf die Straße umgestellt werden, wird es die Schiene schwer haben, diese für sich zurückzugewinnen“, sagte er bereits 2021 bei einem kürzeren Streik.

BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner legte nun noch einmal nach: „Die deutsche Industrie ist angesichts des konjunkturellen Stillstandes ohnehin in einer fragilen Lage.“ Die Schiene werde „für Logistikentscheider“ zusehends unattraktiver.

Audi will flexibel reagieren

Noch keinen Alarm schlägt der Autohersteller Audi am Standort Neckarsulm, wo es immerhin einen eigenen Gleisanschluss auf dem Werksgelände gibt. Auf diesem Weg werden üblicherweise von DB Cargo Zulieferteile angeliefert und Neufahrzeuge abtransportiert.

Es werde alles daran gesetzt, die Logistikketten auch während des Bahnstreiks aufrecht zu halten. „Dafür steht das Unternehmen in engem Austausch mit seinen Logistikpartnern und passt seine Logistikkonzepte jeweils flexibel an die aktuelle Situation im Transportmarkt an“, erklärt eine Sprecherin.

Auch bei Audi werden dazu Transporte von der Schiene auf die Straße umgeleitet. „Etwaige Auswirkungen des Streiks lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen, da diese vom konkreten Verlauf des Streiks und vor allem dem Wiederanlauf des Netzwerkes abhängen“, so die Sprecherin.

IHK beklagt weitere Belastung der Wirtschaft

Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, appelliert an die Tarifparteien: „Unsere Unternehmen haben aktuell mit großen wirtschaftlichen Herausforderungen und Investitionshemmnissen zu kämpfen." Von den Streiks seien nun alle Unternehmen betroffen, die auf die Lieferlogistik der Bahn angewiesen sind. "Ich kann nur an Bahn und GDL appellieren, schnell wieder in den Dialog und zu einer Einigung zu kommen.“

 

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