Probleme bei Continental – Wie steht es um den Standort Weißbach?
Die Transformation in der Automobilbranche kostet Continental Milliarden. Jetzt drohen Folgen, womöglich auch am Standort der alten Hornschuch AG in Weißbach. Die Verunsicherung bei Beschäftigten ist groß.

Der Autozulieferer Continental hat schwer mit der Transformation in der Automobilbranche zu kämpfen. Damit wachsen die Sorgen in vielen Sparten des Milliardenkonzerns - auch am Standort Weißbach, wo Conti den Skai- und DC-Fix-Hersteller Hornschuch 2016 übernommen hatte. Die Gerüchteküche brodelt, der Konzern schweigt.
Wie das "Manager Magazin" berichtet, plant Continental den Verkauf mehrerer Unternehmensteile. Hochprofitabel ist die Reifensparte. Auch das Industriegeschäft in der Sparte Contitech läuft der Berichterstattung zufolge gut.
Probleme im Automotive-Geschäft bei Continental: Viel Geld verbrannt
Nur das Automotive-Geschäft - der klassische Zulieferbereich mit 100.000 Beschäftigten – habe in den vergangenen dreieinhalb Jahren drei Milliarden Euro verbrannt. "Die Autosparte ist ein Nebeneinander alter Einheiten wie Teves und Temic, Siemens VDO oder die Softwaretochter Elektrobit. Ein Sammelsurium ohne gemeinsame Kultur", schreibt das "Manager Magazin". Jetzt sollen große Teile verkauft, andere umgebaut werden, zu einem "New Conti".
Die Oberflächensparte, zu der die alte Hornschuch AG in Weißbach zählt, dürfte davon eigentlich nicht betroffen sein. Sie gehört nicht zum Automotive-Bereich. Die 200.000 Mitarbeiter zählende Belegschaft ist jedoch insgesamt verunsichert. Wenn solch große Umwälzungen bevorstehen, kann sich keine Einheit sicher sein, ungeschoren davonzukommen.
Nachfrage bei Continental zu Schwierigkeiten: Kein Kommentar, keine Bewertung
Auf Nachfrage erklärt die Continental-Pressestelle: "Wir beteiligen uns grundsätzlich nicht an Gerüchten und Spekulationen." Zur Frage nach Auftragslage und Geschäftsentwicklung im Bereich Oberflächenlösungen, zu der Weißbach gehört, gibt es ebenfalls keine Antwort. "Die Auftragslage spiegelt sich in der Entwicklung des jeweiligen Marktumfelds wider", heißt es aus Hannover. Sprich: Automobil runter, Rest neutral? Man weiß es nicht.
Die Aktionäre sind verhalten. Innerhalb der vergangenen 15 Monate hat sich der Kurs der Conti-Aktie zwar halbiert. Doch zuletzt blieb er trotz der strukturellen Probleme und der offenbar fehlenden Strategie recht stabil. Möglicherweise ist es der kolportierte Stellenabbau, der an der Börse auch Anlass zur Hoffnung gibt.
Gewerkschaft fordert Strategie für Continental
Die Gewerkschaft lehnt eine solche Lösung naturgemäß ab. Die neu gewählte IG-Metall-Chefin Christiane Benner hat sich dazu schon einmal positioniert: "Wir werden uns nicht mit Abbau zufrieden geben, sondern eine Strategie einfordern, damit das Unternehmen wettbewerbsfähig ist", sagte Benner dem "Handelsblatt" zufolge am Montag beim Gewerkschaftstag der IG Metall in Frankfurt.
Benner ist zugleich stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei Continental, wo zuletzt sehr offen kommuniziert werde. Benner kann somit einschätzen, wie es um das Unternehmen steht. Die IG-Metall-Chefin gibt als oberstes Ziel aus, die Wertschöpfung in Deutschland zu halten. Davon würde Weißbach jedenfalls profitieren.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare