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Automobilzulieferer bekommen Orientierungshilfe

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Eine Branche im Umbruch: Die Landeslotsenstelle Transformationswissen BW des Landes soll die Digitalisierung mittelständischer Unternehmen beschleunigen. Porsche und Daimler sind dabei mit an Bord.

Große wie kleine Automobilzulieferer (im Bild ZF Friedrichshafen) müssen sich auf neue Produkte und neue Lieferketten einstellen.
Foto: dpa
Große wie kleine Automobilzulieferer (im Bild ZF Friedrichshafen) müssen sich auf neue Produkte und neue Lieferketten einstellen. Foto: dpa  Foto: Felix Kästle

Das Land Baden-Württemberg will den Veränderungsprozess in der Automobilindustrie "mit vereinten Kräften" beschleunigen, wie Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut am Mittwoch ankündigte. Ihr Ministerium finanziert dafür drei zusätzliche Stellen bei der Landesagentur E-Mobil BW und bietet kleinen und mittleren Unternehmen aus dem Kfz-Handel und der Zulieferindustrie Orientierung, Vernetzung und Beratung über eine neue Plattform an. 7,5 Millionen Euro werden dafür bereitgestellt.

Corona als Beschleuniger des Veränderungsprozesses

Daimler und Porsche begleiten das Projekt. Es geht um die vielzitierte Schlüsselindustrie in Baden-Württemberg. Die Umstellung auf alternative Antriebe, das autonome Fahren, künstliche Intelligenz und die Digitalisierung im Allgemeinen stellt die Branche vor große Herausforderungen.

Zusätzlich wirkt Corona als Beschleuniger. Die 470 000 Menschen, die direkt oder indirekt in der Automobilwirtschaft im Südwesten tätig sind, sollen mit der Initiative eine Perspektive bekommen. "Wir sind damit bundesweit Vorreiter", erklärte Ministerin Hoffmeister-Kraut in einer Online-Konferenz vor Pressevertretern. "Wir sind darauf angewiesen, dass dieser Transformationsprozess gelingt."

Zehn Beratungstage werden den Firmen großteils bezahlt

Die Idee kam von den Porsche- und Daimler-Vorstandsmitgliedern im Transformationsrat zur Automobilwirtschaft, der auf Initiative der Ministerin vor knapp drei Jahren seine Arbeit aufgenommen hat.

Mit der sogenannten Landeslotsenstelle Transformationswissen BW können nun kleinere und mittlere Unternehmen - auch aus der dritten und vierten Reihe, wie die Verantwortlichen betonen - Beratungsleistungen in Anspruch nehmen. Bis zu zehn Beratertage werden zu 80 Prozent und bis 10 000 Euro finanziert.

Hoher Schulungsbedarf bei großen und kleinen Unternehmen

Die vielen Firmen, die teils sogar als Welttmarktführer an der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie beteiligt sind, müssten sich nun auf neue Rahmenbedingungen einstellen, erläuterte Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth. "Damit verbunden sind große Qualifizierungsinitiativen." Das sei eine gigantische Aufgabe. "Allein bei Daimler wurden bereits 45 000 Mitarbeiter geschult, in den nächsten Jahren werden noch einmal 150 000 dazukommen."

Blech bleibt Blech - doch die Kontakte ändern sich

Eine weitere entscheidende Rolle spielt die Vernetzung, wie Franz Loogen, der Geschäftsführer der Landesagentur E-Mobil BW betont. Als Beispiel nennt er einen Hersteller von Blechpressteilen für Abgasanlagen. Dieser könne natürlich auch legierte Bleche für Batteriegehäuse oder Elektromotoren erzeugen, so Loogen. Damit änderten sich aber auch Vertriebswege und Kontakte. Deshalb sei die Bildung neuer Netzwerke so wertvoll für die Unternehmen.

Audi nur indirekt mit im Boot

Porsche will als zweiter baden-württembergischer Autohersteller die kleinen und mittleren Unternehmen aktiv unterstützen. Schließlich stellten sich derzeit alle die gleichen Fragen, wie Vertriebsvorstand Detlev von Platen erläutert: Wo geht die Reise hin? Wie entwickelt sich die Mobilität? Und wie können wir uns für die neuen Trends qualifizieren. Mit Audi in Neckarsulm, das auch im VW-Konzern eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung spielen soll, befinde man sich dabei im Austausch.

Porsche-Vorstand von Platen betont, dass Geschwindigkeit jetzt entscheidend sein wird, und das bezog er in diesem Fall nicht auf die Karossen aus Zuffenhausen, sondern auf das ganze Land: "Wir müssen scheller sein."

Das neue Online-Portal www.transformationswissen-bw.de wird bereits genutzt. Sechs Ansprechpartner von E-Mobil BW geben Firmen und Interessenten Auskunft. Eine Wissensdatenbank befindet sich im Aufbau, Veranstaltungen zum Thema werden dort veröffentlicht. Es gibt Informationen zu Fördermögichkeiten, zu Weiterbildungs- und Beratungsangeboten. Auch der Kontakt zu Forschungsinstituten und Hochschulen wird auf diesem Weg hergestellt. Zielgruppe des neuen Angebots sind alle Firmen, die einen Standort in Baden-Württemberg haben.

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