Autoindustrie braucht etwas mehr Speed
In welch einer außergewöhnlichen Situation sich die Automobilindustrie befindet, machte VDA-Geschäftsführer Koers am Freitag deutlich. Mit der Euro-7-Norm drohen zudem neue Ungerechtigkeiten.

Eine Industrie in einem Transformationsprozess, wie es ihn noch nie gab, und dazu eine beispiellose weltweite Krise: In welch einer außergewöhnlichen Situation sich die Automobilindustrie befindet, machte Martin Koers, Geschäftsführer beim Verband der Automobilindustrie (VDA), vor Pressevertretern am Freitag deutlich.
Koers forderte Klarheit in den Rahmenbedingungen, aber es dürften dabei nicht die falschen Signale gesetzt werden. Selbstkritisch gab er zu: "Wir zerreden teilweise viel zu viel." Es brauche auch bei den Zulieferern mehr "Speed", um die Dinge umzusetzen.
Automotive-Gipfel am 10. November
Kurz vor dem Automotive-Gipfel des Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen Baden (WVIB) am 10. November in Donaueschingen skizzierten die Veranstalter die Herausforderungen, vor denen Autozulieferer stehen. Es herrsche viel Unsicherheit - zum einen, was Corona anbelangt. Aber weiterhin auch in der Frage, welche Antriebsform sich durchsetzen wird.
Reifenabrieb: Warum wird er nur bei Verbrennern angerechnet?
Christoph Münzer, Hauptgeschäftsführer des WVIB Schwarzwald, moniert die Wettbewerbsverzerrungen durch Kaufprämien für E-Autos und unfaire CO2-Bemessungen. Mit der Euro-7-Norm soll beispielsweise der Reifenabrieb auf den Schadstoffausstoß von Verbrennern angerechnet werden.
Elektroautos seien dagegen weiterhin komplett emissionsfrei, obwohl es auch bei ihnen Reifenabrieb gibt und der indirekte CO2--Ausstoß von der Stromerzeugung abhänge. Obendrein würden sogar Mild-Hybrids als Dienstwagen mit Steuererleichterungen belohnt, die sie aus ökologischer Sicht nicht verdient hätten.
Am Ende könnte die Strategie auch viel Steuergeld kosten
Verbrenner würden dadurch bestraft. So treibe man eine deutsche Schlüsselbranche in die Krise. "Da ist ökologisch nichts gewonnen." Hinterher müsse man sie nur wieder mit großzügigen Steuermitteln retten. Es brauche weiterhin die Technologieoffenheit, forderte auch Koers. E-Fuels und Wasserstoff dürfe man nicht abschreiben.
Stattdessen sehe man derzeit eine einseitige Bevorzugung der batterieelektrischen Fahrzeuge. "Wenn Preise lügen, dann gibt es keine Fairness", sagt Münzer.
Es fehlt an Geschwindigkeit im Veränderungsprozess
Was die Digitalisierung angeht, so sieht Koers die deutschen Autozulieferer im Vergleich zum Wettbewerb gut aufgestellt. "Eine Stärke ist auch die enge Vernetztheit von Industrie, Arbeitnehmern, Gewerkschaften und der Politik", sagt der VDA-Geschäftsführer. Er räumt jedoch ein: "Was uns im Vergleich zu China und den USA manchmal fehlt, ist die Geschwindigkeit."
Immerhin sei es der Branche gelungen, schnell aus dem Tal zu kommen, in das sie mit dem Lockdown im Frühjahr gefallen war, erläuterte Münzer. "Bis vor zwei Wochen." Nun gibt es abermals Einschränkungen, auch in anderen Ländern, die für Lieferketten und Absatzmärkte wohl nicht folgenlos bleiben.
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