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Autobranche uneins über Vorstoß zur Vier-Tage-Woche

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Opel zeigt sich offen, Daimler ablehnend und VW zurückhaltend: Am Ende wird es bei den Gedankenspielen über eine Vier-Tage-Woche vor allem um die Ausgestaltung und die Frage des Lohnausgleichs gehen.

von Christian Gleichauf und dpa
Mitarbeiter fertigen den Opel Grandland X im Werk Eisenach: Die Rückgänge bei dem Autobauer dürften weiteren Personalabbau zur Folge haben. Foto: dpa
Mitarbeiter fertigen den Opel Grandland X im Werk Eisenach: Die Rückgänge bei dem Autobauer dürften weiteren Personalabbau zur Folge haben. Foto: dpa  Foto: Martin Schutt

Nachdem IG-Metall-Chef Jörg Hofmann die Einführung einer Vier-Tage-Woche als Antwort auf die geringe Auslastung in der Automobilbranche ins Gespräch gebracht hat, zeigt sich Opel-Chef Michael Lohscheller grundsätzlich offen dafür. "Die Vier-Tage-Woche kann dabei helfen, Arbeitsplätze zu sichern", sagte Lohscheller den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Für Audi ist das Modell derzeit kein Thema.

"Derzeit erleben wir einen umfassenden Strukturwandel in der Branche. Da muss man erst einmal im Detail diskutieren, welche Instrumente am sinnvollsten sind", sagte Opel-Chef Lohscheller. Derzeit arbeite Opel mit dem Instrument der Kurzarbeit, sodass die Vier-Tage-Woche kurzfristig nicht notwendig ist.

Bei Opel reichen die Sparmaßnahmen noch nicht

Der Autobauer mit Stammsitz im hessischen Rüsselsheim hat Lohscheller zufolge seit der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern die Mitarbeiterzahl reduziert und auch die Führungsebene deutlich verschlankt. "Die Treppe wird von oben gekehrt. Wir haben ganze Hierarchieebenen herausgenommen", sagte der Opel-Chef. Gespräche über weitere Einschnitte laufen, etwa bei den Betriebsrenten.

Beim Autohersteller Audi in Ingolstadt und Neckarsulm sei das Modell derzeit kein Thema, erklären Sprecher des Unternehmens und des Betriebsrats übereinstimmend. Die Frage nach Arbeitszeitkürzungen stelle sich momentan nicht, sagte ein Unternehmenssprecher in Ingolstadt auf Stimme-Anfrage.

Bei Audi sollte die Auslastung in den kommenden Monaten stimmen

Eine Betriebsrats-Sprecherin in Neckarsulm erklärte: "Ausschließen kann man so etwas nie, aber im September gibt es nun erst einmal keine Kurzarbeit mehr und die Prognosen für die weiteren Monate sind gut." Sollte es dennoch irgendwann Thema werden, dann komme es auf die Ausgestaltung an. Denn komplett ohne Lohnausgleich sei eine Vier-Tage-Woche sicher nicht vorstellbar. IG-Metall-Chef Hofmann hatte vage für einen "gewissen Lohnausgleich" plädiert.

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Umgekehrt ist dieser Lohnausgleich auch für die Unternehmen der Knackpunkt. "Eine Vier-Tage-Woche mit Lohnausgleich, wie von der IG Metall gefordert, ist angesichts der Situation in der Automobilindustrie weder zielführend, noch wirtschaftlich darstellbar", sagte etwa Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth vor wenigen Tagen.

Beim Audi-Mutterkonzern VW hatte Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärt, er unterstütze die "Vier-Tage-Woche", sehe aber für VW derzeit keinen Bedarf.


Kommentar: Die Arbeit ist ungleich verteilt

Von Christian Gleichauf

Solange die Kurzarbeit den Unternehmen in Deutschland maximale Flexibilität ermöglicht und der Steuerzahler diese Maßnahme großzügig bezuschusst, gibt es wohl wenig Gründe für Unternehmen, eine Vier-Tage-Woche einzuführen. Daher ist die erste Antwort auf den Vorstoß von IG-Metall-Chef Jörg Hofmann bei den Autofirmen nachvollziehbarerweise: Brauchen wir gerade nicht. Doch das wird sich ändern.

Schon jetzt haben Unternehmen die Möglichkeit, die wöchentliche Arbeitszeit wie Daimler stundenweise zu reduzieren. Bei Bosch ging es um bis zu zehn Prozent nach unten - ohne Lohnausgleich. ZF Friedrichshafen kürzte die Arbeitszeit um 20 Prozent bei großen Zugeständnissen der Arbeitnehmer. Auch hier gibt es bereits viel Flexibilität.

Doch die IG Metall sieht zu Recht die Gefahr, dass Arbeitgeber in der Einzelfallverhandlung den Spielraum zu ihren Gunsten ausweiten. Mit einheitlichen Rahmenbedingungen sollen deshalb Auswüchse verhindert werden. Für Mitarbeiter, denen in der Corona-Krise schon durch Kurzarbeit sowie wegfallende Schichtzulagen und Prämien ein großer Batzen ihres bisherigen Jahreseinkommens fehlt, geht es schließlich ans Eingemachte.

Die Tarifpartner stehen gleichzeitig vor der großen Herausforderung, einen erfolgreichen Strukturwandel zu ermöglichen. In den Unternehmen herrschen jetzt schon höchst unterschiedliche Geschwindigkeiten, die Arbeit ist ungleich verteilt. Mit zunehmender Digitalisierung verstärkt sich diese Situation. Eine Solidarität wie in früheren Zeiten wird es da kaum noch geben. Das dürfte die Verhandlungen für neue Tarifregelungen leider noch einmal deutlich erschweren.

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