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Außergewöhnliche Ideen beim Kongress des Venture Forums Neckar

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Zwölf Startups aus aller Welt stellen sich beim Kongress des Venture Forums Neckar mit ihren Geschäftsideen vor. Während die einen in Nanometer-Strukturen eintauchen, stoßen andere in den Weltraum vor.

Die sind wirklich klein: Mikroobjekte aus dem 3D-Drucker der Firma Nanofabrica aus Israel. Foto: Nanofabrica
Die sind wirklich klein: Mikroobjekte aus dem 3D-Drucker der Firma Nanofabrica aus Israel. Foto: Nanofabrica  Foto: Idan Gil

Da geht doch was! Zu diesem Ergebnis konnten die Teilnehmer des achten Kongresses des Venture Forums Neckar kommen, denn zahlreiche außergewöhnliche Ideen waren da zu sehen. Zwölf Startups aus aller Welt präsentierten ihre Geschäftsmodelle - von einer neuartigen Anlagenüberwachung mit Nanotechnologie bis zur klassischen Vermarktungsplattform für Freizeitaktivitäten.

Wieder mal nur online...

Per Zoom-App treffen sich die Unternehmensgründer in diesem Jahr mit Unternehmern und Geldgebern aus der Region Heilbronn-Franken. "Leider", wie Venture-Forum-Geschäftsführerin Tanja Bockaj betont. Doch immerhin ermöglicht die digitale Technik so auch die Anwesenheit von vier israelischen und einer irischen Firma.

Je kleiner, desto teurer, das muss nicht sein

Jon Donner und seine Firma Nanofabrica aus Israel haben beispielsweise einen hochgenauen 3D-Drucker entwickelt, der 100 Mal präziser arbeitet als herkömmliche Geräte. "Je kleiner Teile werden, die mit klassischen Produktionsverfahren hergestellt werden, desto teurer werden sie", erläutert Donner. "Bei uns ist es umgekehrt."

10.000 Kleinstteile könnten über Nacht produziert werden. Dabei können sie eine außergewöhnlich hohe Oberflächenqualität aufweisen. Die Auflösung liegt im Bereich von einem Mikrometer.

Für die Technik ist viel Know-how nötig. An Optik, Material, Lasertechnik und Lichtsteuerung werden höchste Anforderungen gestellt. Und die Entwicklung ist noch nicht am Ende. Wenn es etwa ein Material gibt, das stabil genug wäre, die Linsen einer Smartphone-Optik zu halten, stünde Nanofabrica ein riesiger Markt offen, ist Donner überzeugt. Doch das ist nur eine von unzähligen Einsatzmöglichkeiten.

Ein Kontakt kann gut gleiten oder besonders gut leiten

Ebenfalls mit dem Laser arbeitet das Startup Surfunction aus Saarbrücken, das erst in diesem Jahr gegründet wurde. Seine Spezialität ist, Oberflächen aus unterschiedlichsten Materialien zu veredeln. Zum Einsatz kommt die Technik bereits bei Kontakten, wie sie in Steckverbindern etwa in der Automobilindustrie benötigt werden.

"Durch besondere Strukturen auf der Oberfläche können wir die Kraft, die für ein Einstecken aufgewendet werden muss, um 40 Prozent reduzieren", erklärt Geschäftsführer Leander Reinert. Und somit könnten auch 40 Prozent mehr Kontakte auf einer Steckverbindung angebracht werden, was Zeit und Geld spare.

Durch eine andere Struktur könnte aber auch der elektrische Widerstand der Steckverbindung verringert werden, um bis zu 80 Prozent, wie CFO Nikolaus Wanke ergänzt.

In der Anfangsphase geht es darum, Geld einzusammeln

Die Ausgründung aus dem Steinbeis-Verbund hat bereits Kontakte auch in die Region Heilbronn geknüpft, wo bekanntlich einige Steckverbinderhersteller zu finden sind.

Jetzt braucht es noch ein paar Hunderttausend Euro Risikokapital - für das es in Heilbronn ja durchaus Ansprechpartner gibt. "Wir suchen Investoren, Kontakte und Märkte", fasst Reinert zusammen. Wenn alles nach Plan läuft, dann soll die Firma schon in vier Jahren einen Umsatz von 23 Millionen Euro machen.

Haftstark wie der Finger eines Geckos

Es sind beachtliche Erfindungen, mit denen da Geschäfte gemacht werden sollen. So auch mit der Nachbildung eines Gecko-Fingers durch die Firma Innocise, die ebenfalls aus Saarbrücken kommt.

Die durch die Natur inspirierte Haftstruktur ermöglicht es, große und vor allem sehr kleine Bauteile zu greifen, ohne sie zu beschädigen. Die Haftung kann ein- und ausgeschaltet werden, ohne Energiezufuhr.

Überall neue Ansätze

Daneben gab es noch eine ganze Reihe von interessanten Firmen. Energy Robotics aus Darmstadt stattet beispielsweise Roboter mit Sensoren und einer intelligenten Software aus, so dass sich so ein Gefährt schnüffelnd auf die Suche nach Gaslecks oder sonstigen Problemstellen auf Öl- oder Gasplattformen machen kann. Über eine Kamera liest es zudem Messgeräte aus oder bemerkt Hitzeentwicklung.

MyTalents aus Mannheim will Erlebnisse vermitteln - das Wein-Tasting, den Kochkurs oder gemeinsame Touren. Tapa Healthcare aus Irland hat ein System entwickelt, das Patienten und Pflegebedürftige per App überwacht und im Idealfall Alarm schlägt, bevor es ernst wird. Und auf ganzheitliche Personalrekrutierung mithilfe intelligenter Software setzt IAM Global aus Düsseldorf.

Sensible Sensoren können viel Geld sparen

JMT-IT aus Karlsruhe baut Tastaturen, die keimfrei gereinigt werden können, etwa für den Einsatz in Krankenhäusern. Aus Israel kommen die folgenden drei Firmen: Feel It stattet Leitungssysteme nachträglich mit dünnsten Sensoren aus, wodurch Abnutzung, Temperatur- oder Druckabweichungen ebenso bemerkt werden können wie gelockerte Bauteile.

3D Signals baut Sensoren an bestehende Anlagen, um sie effizienter und ausfallsicherer zu machen. Vorstellen darf sich auch das Unternehmen Inspekto, an dem der Zukunftsfonds Heilbronn bereits beteiligt ist.

Triebwerkstechnik aus Heilbronn für einen Raumgleiter

Und dann ist da noch die Firma Polaris, die ein wiederverwendbares Raumflugzeug entwickelt, mit dem Kleinsatelliten in den Weltraum "geflogen" werden können. Dafür nutzt es sogar Technik aus der Region. Beim Triebwerk arbeitet Polaris mit dem Heilbronner Unternehmen Black Engine Aerospace zusammen, ebenfalls ein Ableger des DLR.

 

Innovation sucht Geld

Knapp 50 Vertreter der regionalen Wirtschaft nahmen an dem Zoom-Meeting mit anschließenden Treffen in kleinen Kreisen teil. Großes Interesse auch an Details zeigte auch der Vorstandsvorsitzende des Venture Forums Neckar, Stefan Reineck. Schließlich geht es darum, das Risiko für ein Investment einzuschätzen.
Partner war in diesem Jahr der Zukunftsfonds Heilbronn. Dessen Geschäftsführer Thomas Villinger stellte auch die neue Wirtschaftsvertretung des Landes Baden-Württemberg vor, an der der Zukunftsfonds beteiligt ist. Ein Ziel ist, israelische Startups und Mittelständler aus der Region Heilbronn zusammenzubringen. Der Kongress des Venture Forums zeigte allerdings, dass es auch in Deutschland nicht an Innovationen mangelt.

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