Auf den Baustellen brummt das Geschäft
Trotz der Corona-Krise haben zahlreiche Handwerker noch gut zu tun, auch wenn die Unsicherheit zunimmt. Ein Streifzug durch die Region.

Das Coronavirus hat die Wirtschaft fest im Griff. Praktisch alle Bereiche sind betroffen, in einigen Branchen sind die Umsätze auf Null abgestürzt, zigtausende Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit. In Teilen des regionalen Handwerks laufen die Geschäfte aber immer noch gut.
Bauwirtschaft läuft fast ungebremst
Besonders in der Bauwirtschaft ist von der Corona-Krise noch nicht viel zu spüren. "Die Geschäfte laufen fast ungebremst", berichtet Ulrich Bopp. Der Maurermeister aus Widdern hat selbst ein Baugeschäft, außerdem ist Bopp Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken und kennt sich daher bestens im regionalen Handwerk aus.
Wie bei den meisten seiner Kollegen wird auf Bopps Baustellen weiterhin normal gearbeitet. "Meine Mitarbeiter sind alle draußen bei der Arbeit", sagt er. Wenn es irgendwo klemmt, dann an Zulieferern oder den Subunternehmen, die häufig aus dem Ausland kommen.
Hygiene wird eingehalten - so gut es geht
Auf den Baustellen werde so gut es geht auf die Hygiene- und Abstandsregeln geachtet, sagt Bopp. "Wir setzen auch kleinere Trupps mit maximal drei Leuten ein." Auch Mundschutze kommen zum Einsatz, um die Infektionsgefahr zu minimieren. Wichtig sei es, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, sagt der Bauunternehmer.
Bopp freut sich darüber, dass trotz der Krise weitergearbeitet werden kann. "Ich habe auch einige neue Anfragen bekommen." Da es sich meist um Anfragen für schlüsselfertiges Bauen handele, was zeitlichen Vorlauf benötige, kann sich Bopp schon über eine ordentliche Auslastung im Herbst freuen.
Nur bei Bädern sind die Leute zurückhaltend
Der Bedarf im Bauhandwerk sei aktuell so groß, dass sich Handwerker untereinander weiterempfehlen. Lediglich im Sanitärbereich klemme es coronabedingt etwas. "Die Leute lassen jetzt nicht ihre Bäder machen", sagt Bopp.
Keine Unfälle, nix zu lackieren
Klagen mag auch Thomas Rendle nicht. Der Heilbronner Malermeister ist Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Heilbronn. "Wir haben keine Probleme, es kommen immer wieder neue Aufträge rein", sagt er. Auch bei den meisten seiner Kollegen laufe es gut. "Die Stimmung ist nicht schlecht, auch wenn der Bundesverband klagt", sagt Rendle. Die Betriebe seien froh, dass sie noch arbeiten dürften. "Die Leute lassen die Handwerker schon noch rein."
Lediglich die Lackierer hätten derzeit Probleme, räumt der Obermeister ein. "Weil wegen Corona deutlich weniger Verkehr auf den Straßen herrscht, passieren auch viel weniger Unfälle", erläutert Rendle. Und daher hätten die Lackierer kaum etwas zu tun.
Einzeln auf die Baustelle
Für das Elektrounternehmen Haug aus Nordheim bringt die Corona-Krise vorerst nur ein paar veränderte Abläufe mit sich. "Wenn unsere 15 Mitarbeiter sich morgens zur Baustelle aufmachen, sitzt möglichst jeder in einem eigenen Auto", sagt Firmenchef Peter Haug.
Nur die Azubis seien teilweise auf eine Mitfahrgelegenheit angewiesen und müssten in den Transportern auf dem Sitz rechts außen Platz nehmen. "Dann aber mit Atemschutzmaske, das ist die Vorgabe."
Beratung erfolgt jetzt eben am Telefon
Was die Nachfrage angeht, sieht es sowohl bei Neubau-Installationen als auch bei Photovoltaik-Projekten im Bestand gut aus. Anstatt bei Kunden am Küchentisch die Planung zu besprechen, mache er nun vieles telefonisch, erzählt der 56-Jährige. "Alle Hausbesuche habe ich abgeblasen. Ich lasse mir Fotos schicken, dann kann ich in der Regel auch ein Angebot erstellen." Trotzdem sei es natürlich besser, wenn man im persönlichen Gespräch erläutern könne, worauf es ankommt.
"Bei bestehenden Aufträgen fragen wir jeweils bei Architekten oder der Bauleitung nach, ob wir kommen sollen, aber das war bislang keine Frage", erzählt Haug. Auf dem Dach sei genug Platz, um einander aus dem Weg zu gehen. Im Technikraum müsse man sich absprechen.
Ein bisschen Unsicherheit bleibt
Eine gewisse Unsicherheit bleibe aber, sagt Haug. Denn mancher Auftrag von jungen Familien, die sich bereits für den Strom vom Dach entschieden hatten, könne angesichts der vielen Kurzarbeit nun doch noch wackeln, befürchtet er.
Appell an die Solidarität
Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, appelliert an die Kunden, Aufträge nicht vorschnell zurückzuziehen . Zudem sollten die Bürger lokalen Betrieben wie Bäckereien, Metzgereien und Werkstätten die Treue halten. "Solidarität ist in der aktuellen Lage wichtiger denn je. Der Appell richtet sich ausdrücklich auch an die öffentliche Hand: "Das Handwerk in der Region braucht gerade jetzt die kommunalen Aufträge", sagt Bopp.
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