Audis Modelloffensive wurde jäh ausgebremst
Das erste Quartal 2020 war für Audi vom beginnenden Shutdown geprägt. Trotz Turbulenzen bleibt der Konzern finanziell handlungsfähig. Das Absatzminus ist bei VW indes noch größer.

Bei einer Zahl steht der Autobauer Audi weiterhin gut da. Der Cashflow bleibt positiv und lag für die ersten drei Monate des Jahres bei rund 300 Millionen Euro vor Sondereffekten und somit fast auf dem Niveau der Konzernmutter VW.
"Das ist ein klarer Beleg für die Robustheit der Marke Audi", kommentierte Audi-Finanzvorstand Arno Antlitz bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Ansonsten gab es an Positivem nur eines zu berichten: Die Produktion läuft wieder an.
Turbulenzen an den Rohstoffmärkten belasten
Umsatz- und Absatz schrumpfen, das operative Ergebnis bricht weg und liegt nun bei 15 Millionen Euro. Mehr als eine Milliarde Euro waren es vor einem Jahr. Der ohnehin magere Gewinn wurde zusätzlich durch die Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten und die daraus resultierenden Bewertungseffekte belastet. Eine halbe Milliarde Euro kostete das den Konzern.
Dabei spiegelt sich in den Zahlen die wochenlange Produktionsruhe noch gar nicht in vollem Umfang wider. "In über dreißig Jahren als Audianer habe ich so etwas noch nicht erlebt", sagt Produktionsvorstand Peter Kössler im firmeneigenen Intranet. "Ich bin deshalb sehr froh, sagen zu können: Ja, wir legen jetzt wieder los."
Die Produktion in China läuft bereits seit dem 17. Februar wieder und befindet sich nun weitgehend im regulären Betrieb. Die europäischen Audi-Standorte werden derzeit sukzessive hochgefahren. Die Montage in Neckarsulm startet am Montag.
21 Prozent weniger Auslieferungen
Die zuletzt gestartete Modelloffensive machte sich nur geringfügig positiv bemerkbar. 352.000 Fahrzeuge wurden ausgeliefert. Das Minus lag somit bei 21 Prozent - geringfügig schlechter als beim Konkurrenten BMW. Auch auf Jahressicht erwarten die Ingolstädter Rückgänge bei Umsatz und Absatz. Die gute Liquidität ermöglichten dabei, handlungsfähig zu bleiben, so Finanzvorstand Antlitz.
Die Umsatzerlöse der Audi-Tochter Lamborghini lagen mit 483 Millionen Euro in etwa auf dem "hohen Vorjahresniveau", wie Audi mitteilt.
Volkswagen stellt alles auf den Prüfstand
Auch beim Mutterkonzern steht die Liquiditätssicherung im Vordergrund, wie VW-Markenchef Ralf Brandstätter erklärt. "Wir stellen deshalb alle Projekte nochmals im Hinblick auf ihre kurzfristige Notwendigkeit auf den Prüfstand."
Alexander Seitz, Finanzvorstand der Marke Volkswagen, unterstreicht: "In der aktuellen Situation sind absolute Ausgaben- und Kostendisziplin wichtiger denn je." Das betrifft offenbar nicht die Elektro-Strategie. Für den Sommer plant Volkswagen die europaweite Einführung des vollelektrischen ID.3.
Die Auslieferungen der Marke Volkswagen in China brachen coronabedingt im ersten Quartal um 35 Prozent ein. Weltweit gingen sie um 25 Prozent zurück.
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