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Audianer mit kleinem Abschlag in die Frührente verabschiedet

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1300 Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm nehmen Angebot an, sofort mit dem Arbeiten aufzuhören. Manche Stelle muss allerdings wohl auch wieder besetzt werden. So bedarf es wohl noch einiger Anstrengungen, um den angepeilten Personalabbau zu erreichen.

Viel Erfahrung und doch nicht mehr gefragt: Ältere Mitarbeiter durften bei Audi freiwillig den Hut nehmen. So soll sozialverträglich Personal abgebaut werden.
Foto: Audi
Viel Erfahrung und doch nicht mehr gefragt: Ältere Mitarbeiter durften bei Audi freiwillig den Hut nehmen. So soll sozialverträglich Personal abgebaut werden. Foto: Audi  Foto: Audi

Das Angebot war offenbar verlockend: Gut 1300 Audi-Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm haben sich für das Vorruhestandsprogramm ihres Arbeigebers gemeldet und sind ab dem 1. Juli nicht mehr zur Arbeit erschienen. Geld gibt es trotzdem bis zum offiziellen Renteneintritt mit 63 Jahren, dem Vernehmen nach weiterhin 85 Prozent des bisherigen Lohns. "Wir sind zufrieden mit den Rücklaufzahlen", kommentiert Stefanie Ulrich, Personalleiterin Audi-Standort Neckarsulm.

Jetzt ruhen die Hoffnungen auf der Fluktuation

Das Programm ist ein zentraler Bestandteil des Pakets, das Unternehmensleitung und Betriebsrat unter der Überschrift Audi.Zukunft vereinbart haben. Es schließt einerseits betriebsbedingte Kündigungen bis 2029 aus und sieht andererseits einen sozialverträglichen Abbau von 9500 der rund 60.000 Arbeitsplätze an den deutschen Standorten vor.

Zum einen soll dazu die Fluktuation genutzt werden, einen großen Batzen sollte aber auch das Vorruhestandsprogramm beitragen, für das 2500 Mitarbeiter infrage kamen. Angeboten wurde es allen Mitarbeitern bis Jahrgang 1961, außerdem dem Jahrgang 1962, wenn die Betroffenen in bestimmten Mehrschichtsystemen arbeiteten.

Audi lockte mit attraktiven Konditionen - zu denen offiziell Stillschweigen gewahrt wird. Nach Informationen unserer Zeitung sollen 85 Prozent der bisherigen Bezüge - und teils sogar noch mehr - bis zum vorgezogenen Renteneintritt bezahlt werden, dazu gab es Einmalzahlungen abhängig von der Betriebszugehörigkeit, häufig in fünfstelliger Höhe.

Abschläge auf die Rente müssen später natürlich in Kauf genommen werden, so dass viele Audianer mit spitzem Bleistift rechneten, bevor sie sich bis zum 23. Juni entscheiden mussten. Wie viele in Neckarsulm mitmachten, teilt der Autobauer auf Nachfrage nicht mit.

Betriebsrat will genau hinsehen

Unklar ist auch, wie viele der Stellen tatsächlich wegfallen. Eine Wiederbesetzung soll in jedem Einzelfall geprüft werden. "Uns verlassen nicht einfach ein paar Namen oder Personalnummern", sagt Rolf Klotz, Betriebsratsvorsitzender am Audi-Standort Neckarsulm, "wir sprechen von verdienten Kolleginnen und Kollegen, die jahrelang für Audi gearbeitet haben. Mit ihnen geht also auch viel Know-How." Deshalb müsse es jetzt darum gehen, die entstandenen Lücken wo nötig zu schließen. "Der geplante Personalumbau darf die Leistungsfähigkeit unseres Standorts nicht beeinträchtigen", so Klotz.

Auch neue Stellen werden geschaffen

Audi hat schon im vergangenen Jahr betont, dass das Unternehmen schlanker aufgestellt werden soll. Das Programm sei Teil des anstehenden Transformationsprozesses, erläutert die Neckarsulmer Personalleiterin Stefanie Ulrich. So werde beispielsweise in Qualifizierungsmaßnahmen und damit in die Zukunft der beiden deutschen Standorte investiert. Das bedeute unter anderem, dass Jobprofile wegfallen und neue entstehen werden. Das Unternehmen plant, bis zu 2000 neue Expertenstellen in Bereichen wie Elektromobilität und Digitalisierung zu schaffen. Audi will sich so fit für die Zukunft machen. "Ich bedanke mich bei allen Audianerinnen und Audianern, die jetzt in ihrem wohlverdienten Vorruhestand sind und in den vergangenen Jahren mit viel Leidenschaft und Engagement für die vier Ringe gearbeitet haben", so Personalleiterin Ullrich. Im Management findet den Angaben zufolge übrigens ein prozentual gleichwertiger Abbau wie in der Produktion statt.

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