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Audi-Werk Neckarsulm wartet auf seine Perspektive

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Trotz Rekordzahlen: Die Zeit drängt für das Audi-Werk Neckarsulm. Einige Zukunftsthemen in Sachen Modellpolitik und Elektro-Mobilität müssen bald geklärt werden.

Audi-Werk Neckarsulm wartet auf seine Perspektive
Audi-Werk Neckarsulm wartet auf seine Perspektive  Foto: imago-images

Die Rekordzahlen bei Audi sind beeindruckend. Sie täuschen aber darüber hinweg, dass die Fahrzeugproduktion in den vergangenen zehn Jahren an den deutschen Standorten kräftig geschrumpft ist. Rollten 2013 noch 275.000 Autos aus dem Werk Neckarsulm, waren es 2022 noch knapp 150.000. In Ingolstadt sieht es ähnlich aus. Von 577.000 ging es auf 286.000 im Jahr 2021. Dort immerhin erholte sich die Produktion im vergangenen Jahr.


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Deutlich mehr Produktion im kommenden Jahr

Diese Hoffnung hegt der Neckarsulmer Audi-Werkleiter Fred Schulze für das kommende Jahr. Das Werk wird kurzfristig einen Sprung im Bereich von mehr als 100.000 zusätzlichen Fahrzeugen machen können, wenn allein die 75.000 A4 und 59.000 A5, die vergangenes Jahr noch in Ingolstadt gebaut wurden, dann aus Neckarsulm kommen.

Mit diesen letzten Verbrenner-Baureihen hätte der Standort mit seinen mehr als 15.000 Mitarbeitern nicht nur eine gute, sondern eine ausgezeichnete Auslastung. Neckarsulm wäre zudem wieder ein Schwergewicht im Konzern. Stehen Györ in Ungarn und San José Chiapa in Mexiko in der Produktions-Hitliste vor Neckarsulm, dann bedeutet das auf Dauer einen Imageverlust. Am Ende zählt eben nicht die theoretische Kapazität, sondern was hinten rauskommt.

Profitiert das Werk von E-Auto-Skepsis?

Wichtige Weichen sind gestellt. Neckarsulm könnte sogar davon profitieren, dass ein Gutteil der Autokäufer vor allem hierzulande einem Umstieg auf E-Autos noch sehr zurückhaltend gegenübersteht. Umfragen haben ergeben, dass E-Autos als zu teuer gelten, Reichweiten noch immer zu kurz und das Laden kompliziert und langwierig ist. Und durch das angekündigte Verbrenner-Aus droht ein Effekt wie bei Öl- und Gasheizungen: Schnell noch die alte Technik kaufen, bevor es zu spät ist. Neckarsulm wird sie liefern.

Darauf lässt sich allerdings nicht aufbauen. Forschung und Entwicklung sind deshalb der zweite, vielleicht entscheidende Pfeiler für die Zukunftsfähigkeit eines Standorts. Die Motorenentwicklung wie auch die Brennstoffzellenentwicklung in Neckarsulm läuft derzeit in eine Sackgasse. Immerhin das Entwicklungszentrum für Hochvoltbatterien befindet sich jetzt im Bau, wie auch Vorstandschef Markus Duesmann bei der Bilanzvorstellung betont hat. Langfristig wird das aber nicht reichen.


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Leitwerk für die Digitalisierung

Vor allem im Bereich der Digitalisierung sollte Neckarsulm endlich wahrgenommen werden. Die Nachbarschaft zu Heilbronn bietet mittlerweile recht gute Voraussetzungen dafür, das hat man auch in Ingolstadt schon wahrgenommen. Nicht von ungefähr ist Neckarsulm das Leitwerk für die Digitalisierung der Produktion - und die soll bis 2033 die Kosten halbieren und das Tempo verdoppeln. Das wird eine Mammutaufgabe für den gesamten VW-Konzern. Doch Wolfsburg will sich da offenbar nicht vom kleinen Neckarsulm abhängig machen und gibt selbst Gas bei diesem Thema. Was die Digitalisierung des Produkts, also des Fahrzeugs, angeht, spielen Heilbronn und Neckarsulm allerdings gar keine Rolle.

Kommt die Landyacht 2027?

Der dritte Pfeiler ist die Produktion des Flaggschiffs des Audi-Konzerns. In Neckarsulm wurde der Audi 100 erfunden, hier stieß man mit dem Audi 200 in die Oberklasse vor, hier wird seit 1994 der A8 gebaut. Die aktuelle Baureihe hat den Höhepunkt bereits hinter sich. Ein elektrischer Nachfolger ist immerhin in Sicht. Das Artemis-Programm, mit dem Audi ursprünglich schon im kommenden Jahr ein autonom fahrendes Modell auf den Markt bringen wollte, ist zwar beerdigt. Die damit gemeinten elektrischen Modelle, die unter den inoffiziellen Namen Landjet und Landyacht bekannt sind, sollen aber trotzdem kommen - mit Verzögerung. Als erstes könnte die Landyacht, also der elektrische A8-Nachfolger, 2027 gebaut werden. Darauf lassen jüngste Aussagen des Audi-Chefs schließen. Aus Neckarsulmer Sicht ist entscheidend, dass hier der Produktionsstandort für das Top-Modell bleibt.

Im vergangenen Jahr wurden noch 18.398 A8 in Neckarsulm produziert - deutlich weniger als die 24.000, die 2016 oder 2018 vom Band liefen. Im Vergleich beeindrucken da die mehr als 10.000 E-Tron GTs. Immerhin: Der Supersportler aus den Böllinger Höfen ist das prestigeträchtigste E-Modell des Konzerns.

 
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